Das Frühjahr ist schon wieder zu trocken. Daran haben auch die heftigen Regengüsse vom 11. Mai nichts geändert. Felder und Wälder leiden, Land- und Forstwirte sind in Sorge. Droht nach 2018 und 2019 ein drittes Trockenjahr in Folge?

Das Wetter der kommenden Monate lässt sich natürlich nicht voraussagen. Doch die Auswirkungen der Niederschlagsarmut reichen bereits viel tiefer. Tiefer noch als die Wurzeln der Bäume. Bis zum Grundwasser. "Insbesondere in den tieferen Grundwasserstockwerken zeigen sich nach wie vor die Auswirkungen der verringerten Grundwasserneubildung der letzten Jahre", hält der aktuelle Niedrigwasser-Lagebericht des Landesamtes für Umwelt (LfU) vom 20. Mai für Bayern fest. Demnach beträgt die Anzahl der als niedrig und sehr niedrig klassifizierten Grundwassermessstellen derzeit fast 80 Prozent.

Das gilt auch für die Messstelle Strullendorf-Nord nahe der Autobahnauffahrt Bamberg-Süd. Hier bewegt sich der Grundwasserpegel seit fast zwei Jahren schon kontinuierlich unterhalb der roten Linie, die den Bereich "sehr niedrig" markiert. Zu dieser Jahreszeit verläuft diese in einer Tiefe von etwa 6,50 Meter. Aktuell trifft man aber erst in 6,70 Meter Tiefe auf Grundwasser. Normal wäre der Grundwasserspiegel Mitte Mai hier einen halben Meter höher.

Nicht viel besser schaut es an den meisten anderen Messstellen im Landkreis Bamberg aus. Sehr niedrig ist der Grundwasserpegel auch in Hallstadt. Die Messstelle, zwischen Hallstadt und Gundelsheim gelegen, verzeichnete Anfang Dezember sogar ein Allzeittief. Zwischenzeitlich stieg der Pegel zwar bis an die rote Linie, zeigt seit April aber wieder eine stark fallende Tendenz. In Hallstadt wurde - wie in Strullendorf - seit Anfang 2018 kein normaler Grundwasserstand mehr erreicht.

Grundlegende Besserung ist kaum in Sicht. Denn bereits "das hydrologische Winterhalbjahr fiel insgesamt zu trocken aus", heißt es im Lagebericht des LfU. Weshalb sich auch die Grundwasserspeicher nicht ausreichend hätten füllen können. Und auch der bisherige Mai sei zu trocken. Dabei sah beim Regen im Raum Bamberg Anfang des Jahres noch ganz gut aus. So verzeichnete die Wetterstation Bamberg bis März Niederschläge über dem langjährigen Durchschnitt. Doch ab dem 10. März folgten viereinhalb Wochen völliger Trockenheit und ein weiterer Monat mit nur gelegentlich geringen Niederschlägen.

Gestörte Vegetation

Diese erste große Trockenperiode fiel genau auf eine wichtige Vegetationsphase. Deshalb hatte zum Beispiel Ökolandwirt Otto Weiß aus Laibarös noch im April seine Kühe und Kälber im Stall statt auf der Weide. Seit nahezu sieben Wochen habe es so gut wie gar nicht geregnet. Gräser und Kräuter seien auf den Weideflächen kaum gewachsen, so dass die Tiere hier nicht genug zu fressen hätten, berichtete Weiß Ende April vor Ort Vertretern der Kreisgruppe des Bund Naturschutz.

"Es ist sehr traurig mit anzusehen. Du bereitest alles vor, bringst Mist als Dünger aus, bearbeitest den Boden, säst an und dann herrscht Stillstand auf den Feldern, weil es nicht regnet", sagte Weiß. Nicht nur das Futter auf den Wiesen wachse nicht nach, auch das Getreide stehe nur schwach auf den Äckern, teilweise lägen die Körner der Braugerste trocken im Boden und keimten nicht.

Dass das Problem der Trockenheit inzwischen aber noch tiefer in den Boden reicht, weiß Otto Weiß auch aus seiner Erfahrung als Vorsitzender des Wasserzweckverbands Poxdorfer Gruppe. Er geht davon aus, dass aufgrund des Klimawandels langanhaltende Trockenphasen in Franken eher der Normalzustand werden und sich die Landwirtschaft darauf einstellen muss. Heuer sei zwar im Februar überdurchschnittlich viel Regen gefallen, aber das reiche nicht, um die Trockenheit in den tieferen Bodenschichten auszugleichen.

Tendenz seit 2003

Tatsächlich fiel an der Wetterstation Bamberg von Mitte Februar bis Mitte Mai mehr Regen als im gleichen Zeitraum des Trockenjahres 2003. Doch schaut man sich die langjährige Entwicklung der Grundwasserstände an den umliegenden Messstellen an, so kann man klar erkennen, dass die Grundwasserspeicher damals vor Beginn der extremen Trockenperiode deutlich besser gefüllt waren. Und in den vergangenen Jahren haben die Pegel mehrfach die Tiefststände von Ende 2003 unterschritten.

Im offiziellen Niedrigwasser-Lagebericht liest sich das so: "Aufgrund der insgesamt zu geringen Niederschläge in den letzten Jahren weist die Grundwasserneubildung in Bayern seit 2003 ein Defizit auf, welches sich in den letzten Jahren verschärft hat."