Nima Khorsandi nimmt die Krise gelassen hin. "Das Wohnzimmer", seine Bar im Steinweg, ist gut besucht. Auch wenn statt 85 Plätzen derzeit nur 65 angeboten werden können, ist der Barbesitzer mehr als zufrieden mit dem Umsatz. Angesichts der allgemein getrübten Stimmung in der Gastronomie tut er sich mit der Freude darüber schwer, aber letztlich sagt er es doch: "Im Grunde sind wir Gewinner von Corona!" Und er erklärt auch warum: "Trinken und feiern geht immer", sagt er. Da die Clubs, wie der Feierraum, die "wilde Hilde", "Hinz und Kunz", "Klein aber fein" und das Monkeys geschlossen bleiben müssen, konzentriere sich die Partyszene eben auf die Bars. "Wir haben in Trennwände investiert und ein großes Platzangebot. Das macht es uns leichter als anderen, die nur einen langen Tresen und beengte Räumlichkeiten haben", sagt Khorsandi.

1627 mit neuem Konzept

Tatsächlich musste Louis-Benedikt Sommer, Besitzer vom 1627, seine Sitzplätze von 45 auf 22 reduzieren. "Wir hatten aber Glück, dass uns die Stadt im Sommer noch zusätzliche Plätze im Außenbereich genehmigt hat." Das sei jetzt zwar vorbei, dennoch blickt Sommer zuversichtlich in die Zukunft. Zusammen mit seinem Küchenchef Rene Fiedl hat Sommer ein neues Konzept entwickelt: "Wir bieten Essen to go, haben Produkte, die wir im Kiosk verkaufen, machen Catering für kleine Feierlichkeiten und haben unser Lokal geöffnet. Wenn dieses Paket weiterhin gut läuft, kommen wir über die Runden", sagt Sommer.

Ein erneuter Lockdown wäre eine Katastrophe für die Gastronomie. "Wir müssen ja keine Partys machen, aber ein normales Leben sollte schon möglich sein."

Kein Hopfen und Malz

"Vorerst bleibt unsere gute Stube geschlossen", heißt es auf der Facebook-Seite vom "Hopfen und Malz". "Die Pandemie und die daraus resultierenden Beschränkungen zwingen uns leider dazu, vorerst geschlossen zu bleiben." Daniel Autsch verweist seine Gäste auf das "Dornheim", sein Lokal mit Biergarten und mehr Platz in der Seidmannsdorfer Straße.

Oli Müller von der Sonderbar sagt, es gehe noch vergleichsweise gut. Was im Winter kommt, wisse niemand: "Hier lassen wir alles auf uns zukommen, haben ja eh keine andere Möglichkeit. Viel verdienen werde ich im Winter nicht, es sollte aber reichen, so alles bleibt wie es momentan ist, dass ich meine Leute bezahlen und alle Unkosten decken kann." Für ihn sollte auch noch was übrig bleiben, wenngleich deutlich weniger als in den Jahren zuvor. Dafür habe er in den vergangenen Jahren, die sehr gut gewesen seien, entsprechend Rücklagen gebildet.

Der aktuelle Stand: weniger Umsatz, mehr Personalkosten, da alles und ständig desinfiziert werden muss. Alle Gläser müssen mit der Spülmaschine gereinigt werden.

Das reduzierte Platzangebot sei kein so großes Problem. Es wurden Trennwände eingebaut und der Kicker entfernt. "Allerdings darf man die Gäste, die früher in der Kneipe gestanden haben, nicht unterschätzen. Auch kommen die Gäste viel gezielter und reservieren fast alle. Durchgangsverkehr gibt es kaum noch, was sich auch finanziell bemerkbar macht", sagt der Chef der Sonderbar.

Sonderbar: Kein Schwof

Aber: "Uns bleibt ja nichts anderes übrig, als uns der Sache zu stellen, was immer auch noch kommen mag. Wir haben ein gutes Hygienekonzept und achten auch darauf, dass sich die Gäste und Angestellten daran halten", sagt Oli Müller.

Für den Außenbereich hat der Gastronom neue, stabilere Schirme gekauft, auch Infrarotstrahler würden zeitnah installiert und Decken bei Bedarf verteilt. Irgendwann sei jedoch auch Schluss mit Draußensitzen. Für den Winter hat sich das Sonderbar-Team auch schon Gedanken gemacht, da möchte Oli Müller aber noch nicht vorgreifen.

Unter den momentanen Umständen würden Veranstaltungen in der Sonderbar keinen Sinn machen. "Es wäre auch in meinen Augen unverantwortlich. Auch für Live-Veranstaltungen sehe ich schwarz, zumindest bei mir, da der Raum schlicht zu klein ist", sagt Müller. Momentan werde versucht, jeden Tisch mit Gästen - teilweise zwei bis drei mal am Abend - zu besetzen, um gut über den Winter zu kommen.

"Insgesamt denke ich aber auch, dass es andere Kollegen noch härter trifft, wir sind relativ breit aufgestellt, was unsere Gäste angeht. Wir sind ein wenig Restaurant, Bar und Club, auch das kommt uns momentan entgegen, so können wir einiges kompensieren", gibt Müller zu bedenken.

Doch er macht auch seinem Ärger Luft: "Mich nerven andere Gastronome, die nur noch am jammern sind, obwohl sie fast alle von staatlicher Seite Unterstützung in Form von Soforthilfe erhalten haben, und ihre Geschäfte nicht so schlecht laufen, wie sie es nach außen darstellen. Hier würde ich mir mehr Ehrlich- und Sachlichkeit wünschen."