Die Eltern haben ihren Besuch angekündigt! Als Student steht man nun vor dem Problem, dass man ihnen gerne die Stadt zeigen würde, in der man studiert, aber eigentlich viel zu wenig darüber weiß. Das geht natürlich nicht nur auswärtigen Studenten so, sondern auch so manchen "Eingeborenen". Aus dieser Perspektive heraus haben acht Studierende der Hochschule aus den Studiengängen Sozialen Arbeit und Betriebswirtschaftslehre die Kultur- und Erlebnisapp Coburg entwickelt. Das Konzept sieht vor, dass man - ausgestattet mit Smartphone oder Tablet - einen Rundgang durch Coburg unternimmt und dabei durch Texte und Bilder Wissenswertes über die Stadt, ihre Kultur und Geschichte erfährt.

Noch jede Menge Ideen

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"Wir haben eine Route entwickelt, die die bekanntesten Denkmäler der Stadt abdeckt", erklärt Hannah Friedrich, die der Projektgruppe angehört. Elf Sehenswürdigkeiten sind es momentan, doch Hannah Friedrich und ihre Kommilitonen haben noch jede Menge Ideen, wie man die App ausbauen könnte. "Wir hatten zum Beispiel überlegt, verschiedene Routen zu entwickeln, zum Thema Theater in Coburg vielleicht oder zur Veste." Die fehlt im aktuellen Rundgang, weil der sich auf die Innenstadt konzentriere.

Moritz Gemeinder, einer von drei Coburgern in der Gruppe, zeigt die Demo-Version der App auf dem Tablet. Ein Stadtplan gibt einen groben Überblick, welche Sehenswürdigkeiten beschrieben sind, und wo der Rundgang lang führt. Die App funktioniere nach einer Art Schnitzeljagd-Prinzip, sagt Moritz Gemeinder und tippt in die Mitte der Karte, wo Prinz Albert auf seinem Sockel thront. Eine Ansicht vom Coburger Marktplatz poppt im Display auf, samt kurzem Informationstext. Neben dem aktuellen Foto gibt's dazu auch ein Archiv-Bild, das den Marktplatz mit Panzer, kurz nach Kriegsende 1945 zeigt.

Diese historischen Ansichten haben die städtischen Sammlungen zur Verfügung gestellt. Sie unterstützen das Projekt, weil eine solche App auch die Möglichkeit bietet, Teile der Sammlung öffentlich zu machen. In den Depots der Stadt Coburg schlummern Tausende von Exponaten, ein geeignetes Ausstellungskonzept gibt es für sie zur Zeit nicht. "Von diesem Punkt aus haben wir überlegt, wie man das Problem beheben könnte", berichtet Hannah Friedrich.

Prinzip Schnitzeljagd

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Weiter geht's im Stadtrundgang: Von den Info-Häppchen über den Marktplatz bis zum nächsten Punkt, dem Prinz-Albert-Denkmal, sind es nur wenige Schritte beziehungsweise einmal tippen auf dem Display. So setzt sich der Spaziergang fort, der wie ein gewundenes Schneckenhaus über Morizkirche, Ehrenburg und Schlossplatz zum Landestheater, zum Spital- und Judentor, am Albertsplatz vorbei zum Endpunkt am Ketschentor führt. Wenn man sich an einer Station informiert hat, wird das auf einer Liste abgehakt. Die Texte und Bilder kann man bei Bedarf auch später noch abrufen.

Wie geht es nun weiter mit der App? "Das kommt stark darauf an, ob die Stadt Coburg Interesse daran hat, unser Projekt weiterzuführen", sagt Hannah Friedrich. Bei einer Kulturtagung in der Hochschule habe die Gruppe ihre Entwicklung verschiedenen Mitarbeitern der Stadt vorgestellt. Noch gebe es keine Rückmeldung. Ohne Kooperationspartner ist ein solches Projekt aber kaum zu stemmen.

Die ersten Schritte seien über den "Coburger Weg" (siehe Infokasten) finanziert worden, berichtet Professor Julius Heinicke, der die Gruppe betreut. Um die App professionell aufzustellen, bräuchte es aber "eine ganz andere Finanzierung, als wir sie jetzt hatten und erfahrenere Programmierer", sagt Hannah Friedrich. Ihre App öffentlich zum Herunterladen, das fänden die Projektteilnehmer toll - und hoffen auf Unterstützung. Ganz aus der Hand geben möchten sie ihr "Baby" aber nicht. "Wir würden uns schon freuen, wenn wir weiter beteiligt sein könnten", sagt Moritz Gemeinder. "Weil wir noch so viele Ideen zum Weiterentwickeln haben."