Andreas Lösch Derzeit ist der Kreis Haßberge zu Teilen Sperrgebiet nach dem Tierseuchenrecht. Der Grund: Die Blauzungenkrankheit. Eine "virusbedingte, hauptsächlich akut verlaufende Krankheit der Schafe und Rinder", heißt es von Seiten des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit mit Sitz auf der Insel Riems (Mecklenburg-Vorpommern). Ziegen, Neuweltkameliden (unter anderem Lamas, Alpakas) und Wildwiederkäuer seien ebenfalls empfänglich für die Krankheit.

Betroffen vom Sperrgebiet sind nach Mitteilung des Landratsamtes Haßberge derzeit die Kommunen Rauhenebrach, Oberaurach, Knetzgau, Wonfurt, Eltmann, Sand am Main, Theres und Gädheim.

Erweiterte Restriktionszone

Zwar seien hier noch keine Erreger der Krankheit festgestellt worden, die betroffenen Gemeinden und Städte lägen aber in einer gesetzlich vorgeschriebenen Restriktionszone, die in einem Radius von 150 Kilometer um einen Ort eingerichtet wird, in dem die Krankheit festgestellt wurde. Im Dezember 2018 wurde in einem Bestand im Landkreis Raststatt (Baden Württemberg) die Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 (BTV-8) amtlich festgestellt. "Durch einen Ausbruch im Rems-Murr-Kreis" liegen jetzt auch die oben genannten Gemeinden des Landkreises Haßberge innerhalb einer erweiterten Restriktionszone, erklärt das Landratsamt Haßberge. Die erweiterte Zone umfasse "Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland zur Gänze, Hessen, NRW und Bayern in Teilen".

Verschiedene Bestimmungen

"Das ist bei allen Tierseuchen so, dass eine Zone gezogen wird, in der verschiedene Maßnahmen unternommen werden müssen", teilt das Landratsamt mit. "Beim Handel mit Tieren aus den Restriktionszonen kommt es zu Beschränkungen." Es müssen verschiedene Bestimmungen eingehalten werden. Wer innerhalb des Sperrgebiets Zucht-, Nutz- oder Schlachttiere transportieren will, muss eine entsprechende "Tierhalteerklärung" an das Landratsamt übermitteln, zudem dürfen die Tiere am Tag des Transportes keine klinischen Symptome der Blauzungenkrankheit (Englisch genannt "Bluetongue disease", kurz BT) aufweisen.

Strengere Auflagen

Beim Transport aus dem Sperrgebiet heraus sind die Auflagen strenger, so können etwa geimpfte Tiere ab einem Alter von drei Monaten bewegt werden, wenn eine Grundimmunisierung nachweisbar ist und weitere Bedingungen erfüllt sind. Schlachttiere ohne gültigen Impfschutz können laut Landratsamt nur dann zum Schlachten außerhalb eines Sperrgebiets gebracht werden, wenn eine "Bestätigung des Freiseins von Anzeichen der Blauzungenkrankheit durch den Tierhalter" vorhanden ist, "die dem amtlichen Tierarzt am Schlachthof zu übergeben ist".

Wer sich übrigens wegen des BT-Virus Gedanken über mögliche Risiken für die eigene Gesundheit macht, der sei entwarnt: Die Krankheit "ist völlig ungefährlich für den Menschen", erklärt das Landratsamt Haßberge, da sie nicht auf den menschlichen Organismus übertragbar ist. Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit bestätigt das: "Der Erreger der Blauzungenkrankheit ist für den Menschen nicht gefährlich", heißt es dort.

Übertragung durch Stechmücken

Doch wie breitet sich die Krankheit aus? "Das Virus wird nicht direkt von Tier zu Tier übertragen, sondern über kleine, blut-saugende Mücken", sogenannte Gnitzen. Weiter beschreibt das FLI, dass deswegen besonders in den wärmeren Monaten (Frühjahr, Sommer) von einer höheren Ansteckungsrate ausgegangen werden muss, da die entsprechenden Stechmücken dann besonders aktiv seien. "Obwohl derzeit nur wenige Ausbrüche gemeldet werden, muss aufgrund der Erfahrung in den vergangenen Jahren damit gerechnet werden, dass die Anzahl in den kommenden Wochen und Monaten wieder ansteigen wird."

Risikobewertung

Schon bevor die Krankheit in Deutschland im vergangenen Dezember festgestellt wurde, hat sich das Bundesforschungsinstitut mit dem Risiko eines BT-Ausbruchs hierzulande beschäftigt und eine Empfehlung ausgesprochen. In dem FLI-Bericht "Qualitative Risikobewertung zur Einschleppung der Blauzungenkrankheit" heißt es: "Da sich die Blauzungenkrankheit weiter in Richtung Deutschland ausgebreitet hat und die Tierseuche insbesondere bei Schafen und Ziegen zu schweren Erkrankungen und Todesfällen führen kann, sollten Tierhalter empfängliche Tiere gegen BTV-8 und BTV-4 impfen lassen."

Impfstoff stark nachgefragt

Wie es von Seiten des Landratsamtes heißt, besteht derzeit noch keine Impfpflicht, allerdings sei die Nachfrage nach dem Impfstoff schon sehr hoch, da viele Landwirte beziehungsweise Tierhalter vorsorglich ihren Tierbestand immunisieren wollen. Wegen der hohen Nachfrage, sei der Impfstoff derzeit "nur eingeschränkt verfügbar". In den Jahren 2007 und 2008, als sich die Blauzungenkrankheit deutschlandweit stark ausgebreitet hatte und auch im Kreis Haßberge festgestellt worden war, gab es zuletzt eine Impflicht, die zu einer Impfabdeckung von rund 80 Prozent geführt hat, "deswegen konnte das Virus getilgt werden".

Ein von der Krankheit betroffenes Tier zeigt verschiedene Symptome, je nach Tierart. Bei Schafen etwa, beschreibt es das Landratsamt, treten häufiger sichtbare körperliche Merkmale zu Tage, so sind Entzündungen festzustellen und Ödeme. Vereinzelt verfärbt sich auch die Zunge blau, was auch den Namen der Krankheit erklärt. Rinder dagegen zeigen weniger ausgeprägte Symptome. Überstehen die Tiere die Infektion, sind sie fortan immun gegen das Virus. Allerdings, so erklärt das Landratsamt, wird "eine Milchkuh nie wieder zu der vorherigen Milchleistung" zurückkehren.

Bürokratie

Wie der Fränkische Tag aus verschiedenen Gesprächen erfahren hat, herrscht bei den Landwirten im Kreis Haßberge derzeit noch keine helle Aufregung wegen der Blauzungenkrankheit, allerdings ist allein die Tatsache, dass einige Betriebe in der Restriktionszone liegen, mit einigem bürokratischem Mehraufwand verbunden. Von Unruhe kann aber etwa auf dem Hof von Waltraud Hoffmann aus Eschenbach (Stadt Eltmann) nicht die Rede sein: "Bei uns gab es bis jetzt keine Probleme", sagt sie. In den Jahren 2007/2008, als die Krankheit bereits im Landkreis war, sei keines ihrer Tiere betroffen gewesen. Man habe aber immer einen Blick auf die Entwicklung. 20 Kühe haben die Hoffmanns derzeit, "wir kennen noch jede Kuh beim Namen."