Eine hohe Auszeichnung erfuhr in diesen Tagen das "Theater in der Kirche" aus Neuenmarkt durch die bayerische Landeskirche mit dem Wilhelm-Freiherr-von-Pechmann-Preis in der Münchner St. Markus-Kirche. Der Preis, der mit 2000 Euro dotiert ist, fördert in Erinnerung an den ersten Präsidenten der Landessynode, Freiherr Wilhelm von Pechmann, und seine Verdienste für die bayerische Landeskirche während der NS-Zeit die Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus heute.

Ausgezeichnet wurden herausragende Leistungen in der historisch-wissenschaftlichen Forschung, in der Bildungsarbeit und Publizistik, vor allem zur damaligen Rolle von Kirche und Christentum. Zu den Preisträgern gehörte auch Manfred Brösamle-Lambrecht und ehemalige Schülerinnen und Schüler des Meranier-Gymnasiums Lichtenfels. Sie hatten mit dem Thema "13 Führerscheine - 13 jüdische Schicksale" im Rahmen eines P-Seminars eine historische Ausstellung erarbeitet. Die Laudatorin war Christina Flauder, Mitglied im Landessynodalausschuss der Evangelischen Landeskirche Bayerns.

Das "Theater in der Kirche e. V." behandelte in dem Kammerspiel "Die Nacht von Flossenbürg" die Todesnacht von Dietrich Bonhoeffer, seine Gewissenskonflikte und seine Entscheidung, bei der Tötung eines Menschen mitwirken zu wollen - wissend, dass er dadurch gegen das Gesetz Gottes verstößt. Die Szene wechselt dabei zwischen dem Wohnzimmer von Bonhoeffers Mutter und der Todeszelle ihres Sohnes. Das Stück wurde und wird an vielen Orten Bayerns und Hessens aufgeführt. Als Laudator würdigte Klaus Schlicker, Dekan im Dekanatsbezirk Windsbach und Mitglied der Landessynode und des Landessynodalausschusses der Evangelischen Landeskirche die herausragende schauspielerische Leistung von Nicolas Peter in der Hauptrolle von Dietrich Bonhoeffer.

Nicolas Valentin Peter bekam wie alle anderen Preisträger die Gelegenheit, sich für die Auszeichnung auch für das TIK zu bedanken. Dabei verwies er auf ein Ereignis am 29. August 2020, als mehrere hundert Menschen, teils mit schwarz-weiß-roten Fahnen und anderen Symbolen aus dem rechten und rechtsextremen Spektrum die Treppen des Reichstagsgebäudes in Berlin stürmten. "Reichsflaggen und rechtsextreme Pöbeleien vor dem Deutschen Bundestag sind ein unerträglicher Angriff auf das Herz unserer Demokratie", sagte Bundespräsident Frank Walter Steinmeier zu diesen Vorfällen und Nicolas Peter stellte dazu auch zwei Fragen: "Ja! Sind es nicht gerade wir Deutschen, die aus der Vergangenheit - aus einem der düstersten Kapitel unserer Geschichte - gelernt haben sollten? Haben wir vergessen?" Nicolas Peter gab sich überzeugt, dass der allergrößte Teil der Gesellschaft das eben nicht vergessen hat: "Aber er vergisst oder versäumt es oft, aufzustehen. Stellen wir uns rechten Ideologien entgegen - als Kirche, wie es Freiherr von Pechmann gefordert hat, und als Gesellschaft - jeder mit dem, was er hat und kann. Sorgen wir dafür, dass es nicht irgendwann wieder zu spät ist."

Was passieren kann, wenn es irgendwann zu spät ist, daran erinnert auch der Jahrestag des Reichspogromnacht und das zeigt auch das Theaterstück "Die Nacht von Flossenbürg.” Nicolas Peter: "Mit dem, was wir haben und können - Theater spielen - wollen wir vom Theater in der Kirche möglichst vielen Menschen die Augen öffnen oder auch einfach nur daran erinnern, was passieren kann, wenn sich eine Gesellschaft nicht rechtzeitig braunen Strömungen entgegenstellt. Über die Auszeichnung mit dem Wilhelm Freiherr von Pechmann-Preis sind wir unglaublich stolz."