Eine Spur der Gewalt legte ein 29-jähriger Obdachloser, der erst einem Bekannten die Nase brach und dann mehrere Polizisten tätlich angriff. Es folgte eine ganze Kaskade an Beleidungungen und Spuck-Attacken sowie eine Sachbeschädigung. Am Amtsgericht Bamberg hatte das Schöffengericht unter dem Vorsitzenden Richter Florian Kratzer dafür kein Verständnis. Es schickte den Angeklagten für zwei Jahre in eine geschlossene Entziehungsanstalt, um seine Alkohol-Sucht zu bekämpfen.

Es ist kurz nach Mittag in einer Wärmestube für Obdachlose in Bamberg. Zwischen dem 29-jährigen Angeklagten und einem 32-jährigen Bekannten kommt es zum Streit. Auslöser ist die "Frage" an den Älteren, ob der pädophil sei und mit Drogen kleine Mädchen betäube, um sie dann zu missbrauchen. Das kann der nicht einfach auf sich sitzen lassen. Es kommt zur Schlägerei. Mit einem Kopfstoß oder einem ordentlichen Faustschlag wird dem vermeintlichen Kinderschänder die Nase gebrochen. Dann verlässt der Schläger den Tatort.

Wenig später findet eine Polizeistreife den Angeklagten. Der liegt mitten auf dem Gehweg an der Ecke Kapellenstraße und Theresienstraße und schläft offenbar seinen Rausch aus. Zumindest zeigt sich anhand einer später untersuchten Blutprobe mit 2,7 Promille und THC-Resten sowie der völlig verschwundenen Erinnerungen, dass da ordentlich Alkohol und Cannabis im Spiel sind. Dabei hatte ihm das Landgericht Bamberg in Folge seiner letzten Verurteilung doch eindeutig verboten, derlei Substanzen zu konsumieren.

Heftige Beleidigungen

Als die Beamten den Mann ansprechen, meint der nur "Ihr schon wieder" und macht sich auf und davon. Er kommt nur einige hundert Meter weit. Dann geht ihm die Puste aus. Nicht jedoch der Wortschatz an heftigen Beleidigungen - von denen "Missgeburten" wohl noch eine der harmloseren war. "Es war das komplette Programm, das wir öfters hören", sagt einer der Polizisten aus. Selbst im Haftraum auf der Polizeiwache führt der Angeklagte seine Schimpftirade fort. Die Festnahme gestaltet sich laut Polizei relativ schwierig. Man habe ihm mit Pfefferspray drohen müssen, damit er zur Ruhe komme.

Dann braust er doch wieder auf, ballt die Fäuste und schreit "Ich hau dir auf's Maul". Zur Bekräftigung holte der Angeklagte zu einem "Wirtshaus-Schwinger" aus, traf aber nicht. Überhaupt hatte er Glück, dass er im Laufe der Auseinandersetzungen keinen Polizisten verletzte. Nur eine Armbanduhr im Wert von 250 Euro geht zu Bruch.

Am Boden windet er sich, muss an Händen und Füßen gefesselt werden. Auch seine zahlreichen Versuche, die Ordnungshüter anzuspucken, verlaufen im Sande. Es bildet sich eine regelrechte Lache auf dem Boden der Polizeistation.

Kriminelle Karriere begann mit 14

Wie sich herausstellt, hat der Angeklagte schon als Grundschüler andere in der Klasse angegriffen und als 14 Jahre alter Jugendlicher seine kriminelle Karriere begonnen: Diebstähle und Hehlerei, Sachbeschädigungen und Unfallflucht, Nötigung, Beleidigung und Bedrohung haben sich angesammelt. In Sachen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, versuchter, fahrlässiger und vorsätzlicher Körperverletzung und mehrfachen Drogenbesitzes hat er bereits die Gefängnisse in Hof und Bamberg für mehrere Jahre von innen gesehen.

Massiver Drogenmissbrauch

Hintergrund der Beschaffungs- und Gewaltdelikte war der massive Missbrauch von Alkohol, Cannabis, Speed und Crystal Meth. Seine beiden Kinder nahm ihm das Jugendamt übrigens weg, weil er diesen den Zugang zu Rauschgift ermöglicht haben soll.

Rein mathematisch muss der Angeklagte mit der Therapie in der Entziehungsanstalt sogar länger hinter Gitter, als die zwei Jahre und drei Monate, die das Schöffengericht als Freiheitsstrafe verhängt hat. Darauf wies Pflichtverteidiger Christian Bathelmes aus Bamberg hin. Denn zu den zwei Jahren zur Behandlung seiner Alkohol-Abhängigkeit kommen noch die knapp sechs Monate, die er bis zum Prozess bereits im Gefängnis in Bamberg und im Bezirksklinikum Bayreuth eingesperrt war. Der Angeklagte hat nur einen Wunsch: "Ich möchte clean werden und neu starten".