Eigentlich war in Sachen Klärschlamm schon alles in trockenen Tüchern: Gut ein Dutzend Landkreisgemeinden wollten gemeinsam mit den Regionalwerken ihren Klärschlamm in einer Trocknungsanlage aufbereiten und dann zur Verbrennung geben. Ein idealer Standort wurde in Strullendorf neben der bestehenden Kläranlage. Zwei Millionen Euro Förderung vom Bund waren zugesagt. Doch als es um den Verkauf des Grundstücks im Gewerbegebiet ging, sagte der Strullendorfer Gemeinderat plötzlich Nein (Wir berichteten).

"Wir hätten sofort loslegen können", sagt Robert Martin, Geschäftsführer der Regionalwerke. "Es wäre eine Win-win-Situation gewesen." Für Strullendorf, für die Gemeinden, für die Regionalwerke - und auch für die benachbarte Firma Gunreben, die die Abwärme ihrer Parkettfabrik an die Anlage hätte abgeben können. Die unerwartete Absage war für Martin "der Super-Gau". Den Gemeinderat verstehe er nicht. Schließlich sei das Grundstück sogar im Flächennutzungsplan der Gemeinde für die Erweiterung der Kläranlage vorgesehen. "Wir wären in ganz Bayern um dieses Vorzeigeprojekt beneidet worden", ist Martin überzeugt.

Wie soll es nun also weiter gehen? "Es ist höchste Zeit, dass eine Lösung gefunden wird", sagt Hirschaids Bürgermeister Klaus Homann (CSU), der "fest davon ausgegangen" war, dass es nach Jahren der Vorgespräche endlich klappt mit Strullendorf. Nun überlegt er sich, "vielleicht selber was zu machen". "Die Zeit drängt einfach", macht auch Jonas Merzbacher (SPD), Bürgermeister von Gundelsheim, das zu den ersten Gemeinden gehört, die bei dem Projekt eingestiegen waren.

Im Landratsamt, wo das Vorhaben angestoßen und unterstützt wurde, erkennt man, dass der Bedarf da ist. "Wir unterstützen die Gemeinden dabei, die Klärschlammentsorgung in die eigene Hand zu nehmen", heißt es. Aber nicht jede für sich. "Wir wollen, dass eine nachhaltige, langfristige Lösung gefunden wird." Die Suche der Regionalwerke nach einem alternativen Standort wird begrüßt.

Robert Martin hat sich bereits auf die Suche gemacht. Es gebe da durchaus Möglichkeiten. Damit will er aber noch nicht an die Öffentlichkeit gehen, nicht bevor dieses Mal wirklich alles in trockenen Tüchern ist. Bedarf und Interesse sei jedenfalls vorhanden. So habe sich in der Gesellschaftersitzung der Regionalwerke am Donnerstag ein weiter Bürgermeister gemeldet, der bei dem Projekt Klärschlammtrocknung einsteigen würde.

Alternative Standorte waren auch schon vor der Entscheidung für Strullendorf ins Auge gefasst und diskutiert. Es schien aber keiner davon genauso gut geeignet. Zum Bespiel, weil die Energiequelle vor Ort nicht ausreichend Wärme für eine Anlage liefern konnte, deren Kapazität für eine landkreisweite Lösung, oder zumindest für einen Großteil der Klärschlammmenge ausgelegt sein soll.

Ein Problem ist auch die staatliche Förderung. "Wenn wir mit Fördermitteln kalkulieren, dann ist die Suche stark eingeschränkt", räumt Martin ein. Und er bedauert, dass selbst wenn schnell eine Lösung gefunden würde, "schon wieder ein halbes Jahr verloren" worden sei.

Dass der Zeitdruck so groß ist, sieht Strullendorfs Bürgermeister Wolfgang Desel hingegen nicht. Schließlich stünden auch noch andere Ideen und Möglichkeiten im Raum. Sich jetzt langfristig auf die teure Klärschlammtrocknung festzulegen, sei deshalb nicht nötig. Das sei auch der Grundtenor im Gemeinderat gewesen.

Desel denkt bei Alternativen zum Beispiel an die sogenannte Monoverbrennung, bei der sogar der wertvolle Phosphor im Klärschlamm rückgewonnen wird. Für dieses Verfahren ist bisher in ganz Bayern jedoch erst eine einzige Pilotanlage in Planung. Und auch die wird getrockneten und gepressten Schlamm benötigen.

Eine derartige Vorbehandlung des Klärschlamms im Landkreis Bamberg wäre auch nötig, um ihn - wie geplant - ins Müllheizkraftwerk in Bamberg zu geben, das von einem Zweckverband von Stadt und Landkreis betrieben wird. Normaler Klärschlamm enthält mehr als 95 Prozent Wasser, erklärt Martin. Damit er überhaupt brennt, muss der Trockenanteil aber mindestens 25 Prozent betragen. Durch zusätzliches Pressen kann dieser noch erhöht werden. Genau das war in Strullendorf vorgesehen. Nur dann würde ihn das Müllheizkraftwerk auch annehmen.

Die Trocknung würde zudem die Transportmenge und somit die Transportkosten reduzieren. Bei einer Verbrennung in der Region wäre allein das schon ein großer Gewinn für den Umweltschutz. Gegenwärtige wird der meiste Klärschlamm aus dem Landkreis Bamberg nach Thüringen und Sachsen gefahren, wo er in Braunkohlekraftwerken mitverbrannt oder zur Verfüllung von Tagebaulöchern verwendet wird. Für den Strullendorfer Klärschlamm bedeutet das einen Transportweg von 25 Kilometern.