Jürgen Gärtner, Dagmar Besand

und Jochen Nützel

In der Nacht blieb es noch ruhig für die Feuerwehren im Landkreis Kulmbach. In den Morgenstunden des Donnerstag waren sie dann aber gefordert: Sturmtief "Ylenia" zog über die Region und warf zahlreiche Bäume um, wie Yves Wächter, Pressesprecher der Landkreiswehren, berichtet.

Ab 5.30 Uhr, als die ersten Menschen zur Arbeit fuhren, wurden mehr und mehr umgestürzte Bäume gemeldet, die die Straßen versperrten und so ein Weiterkommen unmöglich machten. Zu rund 20 Einsätzen mussten die Landkreiswehren bis zum Vormittag ausrücken. Der Schwerpunkt lag dabei nach den Worten von Wächter im Oberland - im Raum Thurnau sowie von Wartenfels/Presseck bis Grafengehaig, Hohenberg, Marienweiher und Kupferberg.

Über zweieinhalb Stunden verzeichneten die Wehren eine erhöhte Einsatzfrequenz. Aber nicht nur die Bäume beschäftigten die Helfer, auch umgewehte Bauzäune oder verwehte Müllcontainer wurden gemeldet. Zudem wurden Gebäude vor Bäumen gesichert, die umzustürzen drohten.

Viele Einsätze im Oberland

Gleich mehrere Bäume wurden gegen 6 Uhr auf der Straße von Wartenfels nach Seubetenreuth gemeldet. Da es um diese Zeit noch dunkel war, musste die Feuerwehr Wartenfels unter der Leitung von Kommandant Daniel Geyer die Strecke zunächst ausleuchten, bevor sich die Helfer an die Arbeit machen und die Bäume beseitigen konnten, die auch die Leitplanke und Telefonleitungen beschädigt hatten. Unterstützt wurden die Helfer durch Mitarbeiter des Pressecker Bauhofs, die mit Kran und Unimog dazugekommen waren. "Allein hätten wir das als Feuerwehr nicht geschafft", betont Geyer. Mit zehn Mann war die Truppe im Einsatz, die sich aufgrund der Unwetterwarnungen bereits auf Einsätze eingestellt hatte, wie der Kommandant weiter erklärt. "Da der Wind in den Morgenstunden immer stärker geworden ist, war es nur eine Frage der Zeit, bis wir ausrücken mussten."

Am Abend zog Yves Wächter Bilanz: Knapp 40 Einsätze wurden in Stadt und Landkreis registriert, bei 27 davon mussten umgestürzte Bäume von den Straßen entfernt werden.

Verbindungsstraßen blockiert

Die Stadtsteinacher Polizei musste zu sieben Einsätzen wegen umgestürzter Bäume ausrücken, einer betraf ein geknicktes Verkehrsschild. Vor allem in den Gemeinden Presseck, Grafengehaig, Marktschorgast und Guttenberg waren wegen umgestürzter Bäume Aufräumarbeiten nötig, um vor allem Ortsverbindungsstraßen freizumachen. Verletzt wurde offenbar niemand.

Die ganze Ortschaft ohne Strom - so sah es am Donnerstag früh ab etwa 5 Uhr in Himmelkron aus. Sowohl der Hauptort als auch die Ortsteile waren für einige Stunden von der Versorgung abgeschnitten. Auch die Kläranlage und die Wasserversorgung waren betroffen, erklärt Bürgermeister Gerhard Schneider (CSU). Im kleinen Ortsteil Kremitz, wo der Rathauschef zu Hause ist, war kurz nach 8 Uhr wieder "Saft" auf der Leitung, um 9.20 Uhr waren die meisten Haushalte im Hauptort wieder am Netz. Länger dauerte es im Ortsteil Ziegelhütten und im Bereich der Kläranlage. Gegen 11 Uhr stand aber auch dort die Versorgung wieder.

Ursache für Stromausfall unklar

Verantwortlich für den Ausfall waren wahrscheinlich Sturmschäden an den Leitungen. Doch die genaue Ursache herauszufinden, sei nicht einfach, erläuterte Christian Martens, Pressesprecher von Bayernwerk Netz in Bayreuth. "Die Vermutung, dass ein Baum in eine Leitung gestürzt ist, liegt in solchen Fällen nahe. Himmelkron ist allerdings größtenteils über Kabel angebunden, es gibt dort nur noch wenige Freileitungen."

Die Servicetechniker hätten die entsprechenden Leitungen kontrolliert, jedoch keinen sichtbaren Schaden entdecken können. Möglicherweise sei nur ein Ast gegen eine Leitung geweht, sodass der Schutzmechanismus gegriffen und die Leitung abgeschaltet habe. "Das ist bislang aber nur Spekulation und muss noch näher untersucht werden."

Deutlich sichtbar war dagegen die Ursache für einen weiteren größeren Stromausfall in Veitlahm. Im Mainleuser Ortsteil war es schon um 4.16 Uhr zu einer kurzzeitigen Instabilität im Netz gekommen, um 6.30 Uhr gab es dann einen echten Ausfall, der für meisten Betroffenen eine gute Stunde später behoben war. Die letzten Haushalte waren um 10.40 Uhr wieder versorgt.

Der Stromausfall in Himmelkron hatte auch Konsequenzen für einige Kitas, die normalerweise von den Himmelkroner Heimen mit Essen beliefert werden. Da die Küche morgens zunächst kalt bleiben musste, informierte das Team alle Kunden, dass es später werden könnte mit der Lieferung.

Zwei Kitas, darunter die Kindertagesstätte "Abenteuerland" in Neuenmarkt, die 115 Kinder vom Krippen- bis zum Vorschulalter betreut, entschieden sich, vorsichtshalber lieber selbst zu kochen. Alle anderen Kunden wurden um 10 Uhr benachrichtigt, dass der Strom wieder da ist und sie ihr Essen doch noch wie gewohnt bekommen, sagte Markus Wagner, Pressesprecher von Diakoneo, auf Nachfrage der BR.

Pegelstände im Landkreis gestiegen

In Neuenmarkt wurde die Aktion sogar zu einem schönen Gemeinschaftserlebnis: "Wir sind da flexibel, und es hat uns wieder einmal die Möglichkeit gegeben, mit den Kindern selbst fürs Essen zu sorgen", erzählt Kita-Leiterin Franziska Kammermeier. Und was gab es zu essen? Das Allzweckrezept für alle Situationen, in denen es schnell gehen muss: Nudeln mit Tomatensauce und zum Nachtisch Obst und Joghurt.

Aufgrund des Tauwetters im Fichtelgebirge und der zum Teil heftigen Niederschläge sind auch die Pegelstände der Flüsse im Landkreis gestiegen. Wie das Wasserwirtschaftsamt Hof mitteilt, haben sie meist schon den Scheitelpunkt überschritten, in Ködnitz und Mainleus, wo am Freitagmorgen der Höchststand erreicht wird, sind aber bereits einzelne Flächen überflutet.