Klärschlamm ist zum Problem geworden. Das Ausbringen in der Landwirtschaft ist wegen der hohen Schadstoffbelastung (u.a. Medikamentenrückstände) immer strengeren Regelungen unterworfen. Betriebe oder Kraftwerke, in denen er mitverbrannt werden kann, sind immer seltener zur Abnahme bereit. Würde der Klärschlamm getrocknet, könnte das aber wieder attraktiver werden.

Der Landkreis Bamberg und mehrere Gemeinden bemühen sich daher seit etwa vier Jahren, eine Lösung zu finden. Zuletzt wurden die Pläne unter dem Dach der Regionalwerke sehr konkret. Gut ein Dutzend Gemeinden waren bereit mitzumachen. In Strullendorf schien der ideale Standort gefunden: neben der Kläranlage im Gewerbegebiet und in Nachbarschaft zu einer Parkettfabrik, die die zur Trocknung notwendige Wärme liefern könnte. Und Strullendorfs Ex-Bürgermeister, der Bundestagsabgeordnete Andreas Schwarz (SPD, hatte einen Zuschuss des Bundes von zwei Millionen Euro vermittelt.

Doch der Strullendorfer Gemeinderat sagte Ende November Nein. Die Entscheidung, das Grundstück nicht zur Verfügung zu stellen, fiel in nichtöffentlicher Sitzung - dem Vernehmen nach mit deutlicher Mehrheit.

Klaus Homann (CSU), Bürgermeister in Hirschaid, spricht von einer "ganz großen Enttäuschung" über den Strullendorfer Rückzieher. "Wir hatten alles auf Strullendorf ausgerichtet." Hirschaid gehörte von Beginn an zum Kreis der in dem Projekt engagierten Gemeinden. Eine Lösung sei dringend nötig, zumal die Entsorgung des Klärschlamms immer schwieriger und teurer werde. Hirschaid exportiert seinen Klärschlamm derzeit zur Verbrennung nach Thüringen.

Enttäuscht, geradezu verärgert ist auch der Memmelsdorfer Bürgermeister Gerd Schneider (parteilos). Er habe erst vor wenigen Tagen von seinem Gemeinderat die einstimmige Zustimmung zu dem Vorhaben geben lassen.

Der Gundelsheimer Rathauschef Jones Merzbacher (SPD) ist empört, dass hier "die letzte Ausfahrt genommen wurde". Die Verträge lägen bereits unterschriftsreif bei den Gemeinden, einige Bürgermeister hätten sogar schon unterschrieben. "Man kann die Sache hinterfragen", meint Merzbacher. Es sei aber ein Skandal, dass eine Absage in der jahrelangen Diskussion nie zur Sprache gekommen sei. Und für eine Lösung dränge die Zeit.

Strullendorfs Bürgermeister Wolfgang Desel (CSU) steht zu dem Beschluss seines Gemeinderats, den er selbst mitgetragen hat. Im Gremium habe die Meinung vorgeherrscht, das die Trocknung "kein Thema ist, das ganz oben steht". Es gebe auch noch andere Möglichkeiten und Perspektiven, so dass es eine Festlegung zum jetzigen Zeitpunkt vielleicht verfrüht sei. In der Gruppe der Gemeinden, die gemeinsam nach einer Lösung suchen, wolle Strullendorf weiterhin bleiben.

Am heutigen Donnerstag kommen Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der Regionalwerke zusammen, um über das Thema zu sprechen. Geschäftsführer Robert Martin hält alternative Standorte für möglich.