Beleidigungen soll es im August 2016 gehagelt haben. Der Anlass: Eine 28-jährige Arbeiterin aus dem westlichen Landkreis hatte sich Sorgen um ihre Katzen gemacht und soll deshalb Schimpfworte, die nicht druckreif sind, ihrer Nachbarin, einer 75-jährigen Rentnerin, an den Kopf geworfen haben. So legte es Ilker Özalp, Vertreter der Anklage, in einem Strafprozess am Amtsgericht in Haßfurt dar. Das Gericht stellte das Verfahren wegen Beleidigung gegen eine Geldauflage ein. Die 28-Jährige kam glimpflich davon.
Die Angeklagte - sie war ohne Verteidiger erschienen - führte aus, dass ihre beiden Katzen, eine davon trächtig, verschwunden seien. Weil die Nachbarin sich mit weiteren Nachbarn vor dem Verschwinden der Katzen unterhalten habe und dabei gesagt haben soll, dass sie die Katzen erschlagen oder vergiften werde, glaubte die Angeklagte, die Verantwortliche für das Verschwinden der Katzen gefunden zu haben. Auf der Suche nach den Tieren wurde sogar die Polizei eingeschaltet.
Zwei Katzenbabys wurden nach der Schilderung der Angeklagten in einer Regentonne aufgefunden, eines in einer Scheune in der Nachbarschaft (für die Scheune soll die 75-Jährige zum Zeitpunkt des Vorfalls einen Schlüssel gehabt haben). Die Elterntiere seien bis heute nicht mehr aufgetaucht. Als die angeklagte Katzen-Liebhaberin die Situation schilderte, musste sie mit den Tränen kämpfen.
Auf die Fragen von Gericht und Staatsanwaltschaft sagte die Angeklagte, dass sie von den genannten Beleidigungen nur das Wort "Schleimer" zu der 75-Jährigen gesagt habe, die anderen Worte nicht. Im Übrigen sei sie von der älteren Frau auch schon öfters beleidigt worden und der Streit mit ihr bestehe schon viele Jahre, auch mit ihrem Vater.
Die Besitzerin der Scheune wurde als Zeugin vernommen. Sie sprach von gegenseitigen Beleidigungen und sagte, die Angeklagte sei zu diesem Zeitpunkt sehr impulsiv gewesen, weil sie offensichtlich der Ansicht war, dass die 75-jährige Rentnerin mit dem Verschwinden ihrer Katzen etwas zu tun haben könnte. Sie bestätigte einige Ausdrücke, welche der Angeklagten vorgeworfen wurden.
Die offenbar beleidigte Rentnerin versicherte, dass sie keine Katze anfasse. Sie habe eine Allergie. Sie habe die Katzen der Angeklagten öfters von ihrem Grundstück vertreiben müssen. "Katzenschreck habe ich gestreut, aber mit dem Verschwinden der Katzen habe ich nichts zu tun", beteuerte sie. Sie sei, wie vom Anklagevertreter vorgetragen, von der Angeklagten beleidigt worden.
"Wenn wir heute den Gerichtssaal verlassen, ist für mich die Sache erledigt", sagte Richterin Ilona Conver. Die beiden Kontrahenten müssten aber sehen, dass sie miteinander auskämen. "Bei Ihnen sollte nachbarlicher Friede einkehren."


Geldauflage

Das unterstützte Ilker Özalp von der Staatsanwaltschaft und er riet dringend dazu, "Waffenstillstand" zu schließen. Egal, was passiert sei, Beleidigungen seien nicht gerechtfertigt, machten das Gericht und der Anklagevertreter deutlich. Dieser regte "um des Friedens willen" an, das Verfahren vorläufig einzustellen, wenn die Angeklagte sich bereiterkläre, 750 Euro an die Tierschutzinitiative Haßberge zu bezahlen. Allerdings müsse sie wissen, dass bei einem erneuten Vorfall eine Einstellung nicht mehr in Frage käme. Dem stimmte die Angeklagte zu, so dass der "Katzenjammer" sein Ende finden konnte.
Das Gericht stellte das Verfahren unter der Auflage ein, dass die Angeklagte 750 Euro in fünf Raten zu je 150 Euro an die Tierschutzinitiative Haßfurt bezahlt. Dann werde das Verfahren endgültig eingestellt.
Die Angeklagte ist juristisch vorbelastet. Im Bundeszentralregister stehen sieben Einträge.