Wenn Werkleiter Norbert Then morgens das Tor zum Kompost- und Erdenwerk Haßberge bei Mariaburghausen aufsperrt, dann steht Mario Hornung meist schon da. Seit zwei Jahren gehört er zum vierköpfigen Team der Kompostanlage. Der 42-Jährige aus Kirchaich hat hier einen inklusiven Arbeitsplatz.

Eine psychische Erkrankung aus dem autistischen Spektrum macht es Mario Hornung schwer, allen Anforderungen eines Arbeitsplatzes zu entsprechen. Doch hier in der Sortierstation hat er eine Aufgabe, die er mit voller Hingabe erfüllt und mit der er selbstständig seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Das ist für seine Eltern Cornelia und Waldemar Hornung eine große Erleichterung.

Mit dem Auto zum Arbeitsplatz

"Früher hat uns das weniger Sorgen gemacht, aber wenn man älter wird, fragt man sich schon, wie alles läuft, wenn wir nicht mehr da sind", sagt die Mutter.

Lange hat es in Marios Kindheit gedauert, bis wenigstens eine ungefähre Diagnose gestellt war. In der Don-Bosco-Schule in Stappenbach absolvierte er seine Schulzeit. "Das war alles nicht so leicht, denn vieles kann er ganz toll, bei anderen Dingen hat er einfach mehr Zeit gebraucht", erklärt die Mutter. So hat Mario Hornung den Pkw- und den Motorradführerschein ohne einen einzigen Fehler in der theoretischen Prüfung bestanden. Dass er selbst Auto fährt, hat es sehr erleichtert, einen Arbeitsplatz außerhalb einer beschützten Werkstatt zu finden. So war er zunächst als Bauhelfer tätig. Dann stellte ihn Manfred Eichhorn 2005 in seinem Kompostwerk in Bamberg ein. Dort gab es vor zwei Jahren eine Umstrukturierung, doch Eichhorn wollte Mario Hornung unbedingt weiterbeschäftigen: "Er ist zuverlässig, sehr stolz auf seine Arbeit und sehr akribisch. Ich wollte ihm auf keinen Fall kündigen."

Von den Kollegen respektiert

Sein Mitgesellschafter im Kompost- und Erdenwerk Haßberge, Klaus Merkel, musste nicht lange überzeugt werden, und auch Norbert Then als direkter Vorgesetzter fand schnell einen Draht zu seinem neuen Mitarbeiter. "Eine sehr hohe emotionale Intelligenz" bescheinigt Mutter Cornelia Hornung dem Werkleiter, "das ist nicht selbstverständlich".

Alle Kollegen respektieren Mario Hornung, sagt Norbert Then. Mario ist ein Sport-Fan, hat Zahlen, Daten und Fakten zu Fußballspielen der letzten Jahrzehnte im Kopf. Genauso genau weiß er, was nicht in den Kompost gehört und was er in seiner Sortierstation herausnehmen muss. Wenn der Biotonnen-Inhalt die Rottezeit hinter sich hat, wird der Kompost abgesiebt. Was in den Sieben bleibt, sind oft größere Pflanzen- oder Holzstücke, die nochmals in die Kompostierung gehen können. Aber es sind auch Steine, Folien oder andere Störstoffe drin.

"Auch mal ein totes Tier", erzählt Mario Hornung, der sich auch mit anderen Aspekten der Müllentsorgung neben der Kompostierung auskennt. In der Sortierstation sein eigener Chef zu sein, das liegt ihm so, dass er eigentlich nicht gerne Urlaub hat. "In der zweiten Woche wird er schon unruhig und möchte am liebsten wieder zur Arbeit", erklärt seine Mutter.

Der Inklusion eine Chance geben

Abwechslung findet Mario Hornung in seinem Hobby. Beim Schützenverein Kirchaich ist er Luftgewehrschütze und hat in der Mannschaft auch schon gegen seinen Chef Manfred Eichhorn geschossen. Zur Zeit ist kein Schießbetrieb, und Familie Hornung hofft, dass der Schützenverein diese Pause "überlebt", denn auch dort ist Mario Hornung anerkannt und ein gleichberechtigter Mannschaftskollege.

Ein inklusiver Arbeitsplatz in einem Betrieb mit nur vier Mitarbeitern ist eher selten. Aber Manfred Eichhorn und Klaus Merkel können die Inhaber kleinerer Betriebe nur ermutigen, der Inklusion ebenfalls eine Chance zu geben. Unterstützung gibt es beim Amt für Inklusion des Sozialministeriums in Würzburg. Das Amt gewährt finanzielle Unterstützung für den Mehraufwand eines solchen Arbeitsplatzes, und der Integrationsfachdienst bietet auch ein sogenanntes Job-Coaching an, eine Beratung, wie der Arbeitsplatz und das Umfeld gestaltet sein sollten, damit die Inklusion auch mit Handicap gelingt.