Es ist ein Betrieb, wie ihn sich wohl viele vorstellen, die heute darüber diskutieren, wie Landwirtschaft zu betreiben ist - der Hof von Ulrich Illmer in Buch am Forst. Er hält gerade einmal neun Muttersauen. Das Fleisch seiner Schweine bekommt ein Fleischer im nahen Coburger Land. Und gerade sein Betrieb, steht immer wieder auf der Kippe, wenn neue Bestimmungen erlassen werden, wie jetzt zur Kastration der Ferkel.

"Der Betrieb setzt auf den so genannten vierten Weg", sagt Hans Rebelein, Geschäftsführer beim Bayerischen Bauernverband in Coburg und Lichtenfels. Dieser Weg sieht eine örtliche Betäubung vor, wenn die sehr jungen Ferkel kastriert werden. Zur Nachbehandlung wird ein Schmerzmittel verabreicht. Diese Art der Kastration ist in Deutschland ab Januar verboten.

Ulrich Illmer bleiben dann verschiedene Alternativen. Er könnte männliche Ferkel einfach nicht mehr kastrieren. Mästet er diese aber bis auf ein in Deutschland übliches Gewicht von 100 oder mehr Kilo, dann werden die Tiere aggressiv und verletzen sich gegenseitig. Zudem wird ein Teil des Fleisches solcher Eber nach dem Lebensmittelrecht als ungenießbar deklariert.

Ein anderer Weg wäre die so genannte Immunokastration, bei der den Tieren über eine Impfung ein Mittel verabreicht wird, das die Bildung von Geschlechtshormonen verhindert. Allerdings untersagt die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau diese Behandlung ihren Mitgliedern seit kurzem bereits, wie die Zeitschrift Agrar Heute berichtet. Konventionellen Betrieben ist die Immunokastration noch erlaubt, doch rät der Bauernverband seinen Mitgliedern nicht mehr dazu, weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass auch hier ein Verbot kommen wird.

Ministerium setzt auf Gas

Das Mittel der Wahl - zumindest aus Sicht des Bundeslandwirtschaftsministeriums - heißt Isofluran. Hier werden die Ferkel mit einem Beatmungsgerät durch ein Gas in Vollnarkose gelegt. Nach dem Aufwachen verhindert ein zusätzliches Schmerzmittel, dass die Ferkel unter den Folgen der Kastration leiden. Laut Agrar Heute ist inzwischen umstritten, ob die Ferkel trotz der Vollnarkose nicht doch Schmerzen empfinden. Im Beipackzettel des Herstellers heißt es, das Mittel wirke nur schwach schmerzstillend.

Für Ulrich Illmer wäre dieser Weg zudem der kostspieligste. "Ein Inhalationsgerät kostet zwischen 10 000 und 15 000 Euro. Bei vielleicht 80 Ferkeln im Jahr, die er behandeln muss, rechnet sich das nicht. Wenn er die Behandlung durch den Tierarzt vornehmen lässt, ist das auch teuer", sagt Hans Rebelein.

"Ich wirtschafte mit meinem Betrieb im Vollerwerb. Bei neun Muttersauen, rechnet sich die Investition nicht", bestätigt Ulrich Illmer. Und noch etwas spricht gegen die aufwendige Methode. Ein Teil des eingesetzten Betäubungsgases entweicht während der Behandlung, wie eine Praxisstudie der Sozialversicherung Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) mit entsprechenden Messungen ergeben hat. Das Gas verursacht bei den Anwendern Kopfschmerzen und Übelkeit. Bei langfristigen Belastungen - die in großen Betrieben kaum zu vermeiden sein werden - kann es zu Leberschäden führen.

Viele Höfe sind verschwunden

Betriebe wie den von Ulrich Illmer, die weniger als 50 Muttersauen halten, gibt es im Landkreis Lichtenfels noch acht. "Im Coburger Landkreis werden es nur ein paar mehr mehr sein", sagt Hans Rebelein. Der Verband befürchtet, dass die Zahl der Schweinehalter durch immer neue Auflagen weiter zurückgehen wird. Viele Betriebe sind schon verschwunden. Waren es im Landkreis Lichtenfels 1990 noch 257 so gibt es jetzt gerade noch zwölf Schweinehalter. Das heißt nicht, dass die Betriebe im Zuge dieses Wandels viel größer geworden sind. Denn von 2616 Muttersauen 1990 waren 2019 noch 467 übrig.

Weil die neuen Auflagen nur in Deutschland, nicht aber in benachbarten EU-Ländern wie Dänemark oder Holland gelten, sehen die deutschen Schweinebauern einen großen Wettbewerbsnachteil für ihre Höfe. "Wir fordern daher, dass wenigstens die Einfuhr, von Schweinen nach Deutschland verboten wird, die nach dem vierten Weg kastriert worden sind", betont Michael Bienlein, der Kreisobmann des BBV in Lichtenfels. Alternativ müsse der vierte Weg auch in Deutschland weiter erlaubt bleiben.