Der erste Erstorientierungskurs für Asylbewerber in Höchstadt ging zu Ende. Teilnehmer konnten zum Beispiel auf Ausflügen das Deutschsprechen üben.
"Stellen Sie sich vor, Sie wohnen in einer kleinen Stadt in einer Wohnanlage mit mehr als 100 Menschen, aus unterschiedlichen Kulturkreisen, haben nur sehr beschränkten eigenen Wohnraum, dürfen nicht arbeiten, verdienen dadurch kein Geld; Zugang zu Sprachkursen, Internet oder anderen Beschäftigungsmöglichkeiten sind - wenn überhaupt - nur sehr beschränkt möglich oder mit großem Kostenaufwand verbunden: Wie würde es Ihnen gehen, wenn Sie monatelang, vielmehr jahrelang in einem solchen Umfeld leben müssten?"
Carolin Koch, Flüchtlings- und Integrationsberaterin der Diakonie Bamberg-Forchheim, beschreibt mit diesem Szenario die Lebenssituation vieler Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft (GU) in Höchstadt. Sie bemüht sich seit langem darum, das Leben in der Unterkunft zu verbessern, denn "zum Nichtstun verdammt sein und auf engstem Raum mit den unterschiedlichsten Menschen zusammen leben zu müssen - das birgt auch leider einigen Zündstoff".
Schlechte Laune sei noch die geringste Auswirkung. "Für eine gute Integration und auch einfach für ein gutes Zusammenleben in Höchstadt müssen wir hier gegensteuern."
In diesem Jahr konnte sie mit dem Landratsamt Erlangen und weiteren Kooperationspartnern einiges Positives bewirken. "Seit diesem Sommer haben wir WLAN in der Gemeinschaftsunterkunft und sind in dieser Hinsicht nicht mehr von der Welt abgeschnitten", berichtet Koch. Viel wichtiger aber sei der Erstorientierungskurs, der nach langem Bemühen endlich diesen Februar in der Fortuna Kulturfabrik starten konnte.
Für alle Asylbewerber offen
Durchgeführt hat ihn die Johanniter-Unfall-Hilfe, gefördert ist er vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. "Der Kurs ist für alle Asylbewerber offen, nicht nur für solche, die aus einem Land mit hoher Bleibeperspektive stammen. Auch Geduldete sind teilnahmeberechtigt", so die Integrationsberaterin. Dieser Gruppe sei es nämlich nicht möglich, die Integrationskurse zu besuchen.