Werner Höchstetter Die positive Entwicklung von Litzendorf hat einen Namen: Edith Obrusnik. Die Stadtplanerin und Architektin schiebt unter dem Schlagwort "Lebendiges Litzendorf" zahlreiche große und kleine Projekte an. Dazu gehören beispielsweise Vorzeigeprojekte wie die Gestaltung des Kerwaplatzes auf der "Tanzwiesen", die "Revitalisierung" der ehemaligen Brauerei Winkler in Melkendorf oder die Platzgestaltung des Baugebietes "Aufseesianische Wiesen". Nach Meinung Obrusniks besteht noch Luft nach oben, nachdem in den vergangenen Monaten coronabedingt einiges auf der Strecke geblieben war.

Falkenberg: Von Siegern lernen

Wie sich auch anscheinend unerfüllbare Wünsche realisieren lassen, präsentierte die Architektin den Räten mit einem eindrücklichen Beispiel aus der Oberpfalz. Dort erwarb die Gemeinde Falkenberg eine verfallene Burg, auf die rechte Organisationen einAuge geworfen hatten. Dank großzügiger öffentlicher Förderung scheuten die Bürger dort weder Kosten noch Mühen, um aus einem offensichtlichen "Draufzahlgeschäft" eine Erfolgsgeschichte zu machen. Ähnlichen Elan vorausgesetzt, könnte sich Obrusnik so etwas auch für die ehemalige Brauerei Winkler und den Litzendorfer Kärwaplatz "Tanzwiesen" vorstellen.

Dazu könnte man den Worten der Architektin zufolge Fördermittel aus dem Investitionspakt für Sportstätten anzapfen, eine entsprechende sportliche Nutzung wie Yoga, Calisthenics, Pilates oder eine Boulderwand vorausgesetzt. Von den Oberpfälzern könne man sich dabei einiges abschauen. Auch ein Förderverein sei eine mögliche Variante im Hinblick auf einen kostendeckenden Betrieb. Fördermittel fließen dann, wenn ein Mehrwert für "Generationen, Klima, Sport und Insekten" im Spiel sei, sagte Obrusnik.

Zweiter Bürgermeister Klemens Wölfel (SPD) gab zu bedenken, dass es bei zu vielen sportlichen Angebote Probleme mit den Anwohnern geben könnte. Er hätte "Kopfschmerzen", weil es schon ein Problem gewesen sei, die Kärwa ins Dorf zu bringen. Obrusnik konterte den Einwand, der Trend zur Integration von Bewegungsangeboten in der Ortsmitte sei nicht aufzuhalten - was an der Förderquote von 90 Prozent für Sportstätten ablesbar sei, da sie der sozialen Integration dienten. Der Vertrag mit der Stadtplanerin, die pro Woche 10 Stunden für die Gemeinde tätig ist, wurde einstimmig um ein Jahr verlängert.

Acht neue Bauplätze

Zufriedene Gesichter gab es dann auf den Zuhörerplätzen trotz einer auf den ersten Blick eher nüchternen Materie wie der "Erschließung eines Grundstückes auf der Gemarkung Lohndorf". Dem einstimmigen Beschluss zufolge sollen dort auf einem Privatgrundstück mindesten acht Bauplätze entstehen. Einig war man sich im Gemeinderat darüber, den "Spekulanten keine Chance zu lassen" , also die Grundstücksvergabe an einen zeitlich genau befristeten Bauzwang zu koppeln. "Die Bauweise muss natürlich in die Landschaft passen", sagte Bürgermeister Wolfgang Möhrlein (CSU). So könne man junge Familien am Ort halten.

Kindergartenheizung

Wie soll der Beitrag zur Heizungsanlage des sich in kirchlicher Trägerschaft befindlichen Kindergartens St. Wenzelslaus aussehen?Der Domberg "erwartet 50 Prozent" , sagte Möhrlein. Bei einer Gesamtsumme von 27 000 Euro einigte sich der Rat einstimmig auf 13 500 Euro. Das neue Siedlungsgebiet auf den Aufseesianischen Wiesen soll "am Ellerbach" heißen. Die Widmung folgt einem Anwohnervorschlag.

Hitzige Debatte um einen Posten

Zum Schluss gab es noch eine hitzige Debatte um die Besetzung des Agenda- 21-Koordinators. Der Posten, der früher vom aktuellen Grünen-Fraktionsvorsitzenden Georg Lunz besetzt wurde, ist seit 2017 vakant. Er wurde mit 12:7 Stimmen an Matthias Deuber (CSU) vergeben, was heftige Kritik hervorrief. Lunz, der bei der jüngst stattfindenden Bürgermeisterwahl als Gegenkandidat angetreten war, warf der Groko vor, "dass ihr die Posten unter euch besetzt. Wir werden vor den Kopf gestoßen". Es hätte auch kein Gespräch stattgefunden, was "nicht cool" sei. Sie, die Grünen , hätten sich schon nach der Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Rio 1992 auf den Weg gemacht, um die Beschlüsse auf örtlicher Ebene umzusetzen. Die CSU habe das Thema im Mai noch gar nicht auf der Tagesordnung gehabt.