Wilhelmsthal — Aufgrund der sehr guten Resonanz im Vorjahr wurde auch heuer der "Tag der Arbeit" in Wilhelmsthal in der neuen Form begangen. So kamen - nach dem Arbeitnehmer-Gottesdienst - erneut Abordnungen der KAB-Ortsverbände, Interessierte und Ehrengäste zum politischen Frühschoppen im KAB-Haus zusammen. Mit der Renten-Problematik nahm sich die Arbeitnehmerbewegung einmal mehr eines Themas mit viel sozialem Sprengstoff an.
Diözesansekretärin Maria Gerstner stellte das KAB-Rentenmodell vor. Es wird als "Cappuccino-Modell" bezeichnet, weil es sich auch aus drei Elementen zusammensetzt: der "Espresso" Sockelrente von 515 Euro, der "aufgeschäumten Milch" Arbeitnehmerpflichtversicherung und schließlich dem "Sahnehäubchen" private Altersvorsorge. "Ohne wirkliche Rentenreform werden es nachfolgende Generationen schwer haben", zeigte sie sich sicher.
Ziele des KAB-Rentenmodells seien eine Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung, das Schaffen von mehr Solidarität und Verhinderung von Altersarmut, die Verwirklichung einer eigenständigen Alterssicherung für Frauen und Männer, eine bessere Anerkennung von Erziehungs-, Pflege- und Bildungszeiten, der Einbezug aller Erwerbstätigen in die gesetzliche Rentenversicherung sowie der Ausbau einer ergänzenden betrieblichen Altersvorsorge. "Rente muss vor Armut schützen und sie muss solidarisch sein. Wir brauchen eine Rente, die diesen Namen verdient - eine Rente, die zum Leben reicht", appellierte sie.


Dekan Müller: "Ein Skandal"

In der rege geführten Diskussion fragte Dekan Baptist Schaffer, wie man die Sockelrente finanzieren wolle. Dies erfolge, so Gerstner, aus Beiträgen von 5,5 Prozent auf die Summe aller positiven Einkünfte sowie durch Steuermittel. Silvia Wachter erachtete dies als gerecht, da momentan lediglich die Arbeitnehmer die Rente finanzierten. Bedenken wurden bei einigen Anwesenden laut, ob bei diesem Modell alle mitspielten - insbesondere die Beamten. "Ich glaube nicht, dass die Beamten das Problem sind, sondern die, die bisher über der Beitragsbemessungsgrenze liegen", meinte Glaubensbildungsreferent Bernd Sorgenfrei, der von einem Mehrklassensystem sprach. Dem pflichtete Diözesanpräses, Dekan Albert Müller bei. "Es ist ein Skandal, dass viele heute keine private Altersvorsorge treffen können, weil ihnen das Geld dafür fehlt. Die Schere zwischen arm und reich geht weiter auseinander", prangerte er an. Dem gelte es, mit Steuergerechtigkeit entgegenzuwirken, es quasi durch "Steuern zu steuern".


Risiko der Altersarmut steigt

"Je weiter sich die Schere öffnet, desto größer wird die Armut", ergänzte Toni Prechtl. Man müsse denjenigen an der oberen Scherenkante vermitteln, dass sie irgendwann abstürzten, weil es unten keine Verbraucher mehr gebe.
Die Gäste waren eingangs vom Vorsitzenden der KAB Wilhelmsthal, Reinhold Dietrich, dem KAB-Kreisvorsitzenden Günter Romig sowie Wilhelmsthals Bürgermeisterin Susanne Grebner willkommen geheißen worden. Das Thema Rente sei ihm, so Dietrich, ein großes Anliegen. So sei es Auftrag der KAB, eine politische, soziale und gerechte wirtschaftliche Ordnung zu schaffen.
Romig nahm Bezug auf einen Artikel im Infoblatt des Diözesanverbands Bamberg, in dem besorgniserregende Zahlen einer drohenden Altersarmut genannt werden. Für ein Bruttojahreseinkommen von 36 267 Euro gebe es einen Rentenentgeltpunkt. Mit dem Mindestlohn von 8,50 Euro in der Stunde komme man nach 40 Jahren auf eine Monatsrente von 600 Euro.
"Die KAB hat bislang schon vieles bewegt", würdigte Grebner, dass diese immer wieder aktuelle Themen aufgreife, diskutiere und zum Abschluss bringe. Dennoch gebe es nach wie vor noch viele offene Problematiken, wozu auch das Rententhema gehöre. Laut Landrat Klaus Löffler, der kürzlich für 25-jährige KAB-Mitgliedschaft geehrt wurde, sei er damals ganz bewusst eingetreten. Geprägt von einem Elternhaus, das ihm Werte vermittelt habe, gebe er diese nun an seine Töchter weiter. "Wir müssen uns für Menschen einsetzen, die nicht so auf der Sonnenseite des Lebens stehen", mahnte er. Stellvertretende KAB-Kreisvorsitzende Adelheid Kotschenreuther und Seniorenbeauftragte Carol Jakob griffen das Thema Rente in einem kleinen Anspiel auf. Die sehr stimmungsvolle musikalische Ausgestaltung lag in Händen von Silvia Wachter, die einmal mehr ein gutes Händchen bei der Auswahl ihrer Lieder bewies.


Beeindruckender Gottesdienst

Zahlreiche Fahnen-Abordnungen der KABzogen am Morgen, musikalisch begleitet von der örtlichen Trachtenkapelle, zur Pfarrkirche St. Josef Wilhelmsthal. Zelebriert wurde der Gottesdienst von den Präsides der Pfarreien Wilhelmsthal, Lahm und Friesen, Pfarrer Sven Raube sowie aus Johannisthal Georg Zenk, dem Kreisverbands-Ehrenpräses Dekan Baptist Schaffer, Kreispräses Diakon Herbert Mayer als auch Diözesanpräses Dekan Albert Müller, der eine tiefgehende Festpredigt zum Fest Josef der Arbeiter hielt. Der Feiertag habe nach wie vor seine Berechtigung. Man müsse die Ängste der Menschen ernst nehmen; stelle doch die Sorge um den Arbeitsplatz eine der größten überhaupt dar. "2,6 Millionen Arbeitslose - das ist keine Kleinigkeit", appellierte er. Gefragt seien Solidarität und Nächstenliebe. Gerechtigkeit und Chancengleichheit könne es nur geben, wenn einer dem anderen die Hand gebe und wir selbstloser handelten.