Zwei Stadtsteinachern ist derzeit, bis 20. August, eine Sonderausstellung im Stadtsteinacher Heimatmuseum gewidmet: Alfred Andreas Heiß und Michael Schnabrich. Sie waren zwar keine aktiven Widerstandskämpfer, sie wurden wegen ihrer Weigerung aus ganz unterschiedlichen Beweggründen, sich an den Machenschaften des NS-Regimes zu beteiligen, umgebracht.


SPD-Politiker

Michael Schnabrich starb am 9. Oktober 1939 nach schweren körperlichen Misshandlungen im Konzentrationslager Sachsenhausen. Er war als SPD-Politiker, Gewerkschafter und Reichstagsabgeordneter verhaftet, nach Sachsenhausen verschleppt und dort derart misshandelt worden, dass er daraufhin verstarb.
Schnabrich, am 6. August 1880 in Stadtsteinach geboren, wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, lernte in Kulmbach das Schuhmacherhandwerk und begab sich ab 1897 auf Wanderschaft. 1899 trat er in die SPD und in den Zentralverband der Schuhmacher ein, wurde Gewerkschaftssekretär und später Parteisekretär, 1921 Stadtverordneter in Hersfeld, Kreistags- und Landtagsabgeordneter und errang 1924 einen Sitz für die Sozialdemokraten im Berliner Reichstag. Er stimmte gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz, zog sich nach der Machtübernahme ins Privatleben zurück und betrieb in Kassel ein Kino. Dort wurde er 1933 sechs Wochen in "Schutzhaft" genommen und 1939 ins KZ Sachsenhausen verschleppt. An das Geburtshaus von Michael Schnabrich erinnert eine Tafel an Hausnummer 5 in der Wehrstraße in Stadtsteinach. Das Geburtshaus existiert heute nicht mehr.
Alfred Andreas Heiß wurde am 24. September 1940 wegen "Zersetzung der Wehrkraft" verurteilt und erschossen. Vor Gericht äußerte er, dass für ihn der Nationalsozialismus antichristlich sei und er es deshalb ablehnen müsse, für dessen Staat als Soldat Dienst zu tun.


Mitglied im Zentrum

Heiß wurde am 18. April 1904 in Triebenreuth als sechstes Kind einer Bauernfamilie geboren, die ihm eine kaufmännische Ausbildung ermöglichte. Er ging 1930 nach Berlin, wo er eine Stelle als "Hilfsarbeiter im Mittleren Justizdienst" erhielt. 1932 trat er der Deutschen Zentrumspartei bei, einer Vorläuferin der jetzigen CDU beziehungsweise CSU, "da das Zentrum die Interessen meiner Religion wahrnimmt", wie er später vor der Gestapo bekundete. Heiß trat öffentlich gegen die NSDAP auf, äußerte sich kritisch zur offiziellen Verlautbarung über den Röhm-Putsch und fiel auf, als er nicht zusammen mit SA-Leuten ein dreifaches "Sieg Heil" plärrte.
1935 wurde er von der Gestapo verhaftet und zehn Wochen im KZ festgehalten. Nach seiner Entlassung musste er sich vor einem Sondergericht in Bamberg verantworten, wurde zwar freigesprochen, aber aus dem Justizdienst entlassen.
Das Erzbistum Berlin besorgte ihm eine Stelle als Pförtner. 1940 wurde er zur Wehrmacht eingezogen, weigerte sich aber, auf dem Kasernenhof die Hakenkreuzfahne zu grüßen.
Er erklärte, dass der Nationalsozialismus antichristlich eingestellt sei und er es daher ablehnen müsse, für den Staat Dienst als Soldat zu tun. Dafür wurde er am 24. September 1940 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet. Am 24. April 2014 wurde vor seinem ehemaligen Wohnhaus an der Georg-Wilhelm-Straße 3 in Berlin-Halensee ein Stolperstein verlegt. An ihn erinnert auch eine Tafel in der katholischen Pfarrkirche St. Michael in Stadtsteinach.


Öffnungszeiten

Das Heimatmuseum ist immer am ersten und dritten Sonntag im Monat und dem darauffolgenden Donnerstag geöffnet; donnerstags von 14 Uhr bis 16 Uhr, sonntags von 14 Uhr bis 17 Uhr.
Außerhalb der Öffnungszeiten sind Gruppenbesuche nach vorheriger Anmeldung unter 09225/9578-24 möglich.