Es klopft an der Scheibe von Christine Zetzmanns Bürofenster. Die Leiterin der Grundschule Mitte in Rödental ist daran gewöhnt. Es sind Eltern, die Arbeitsmaterial für ihre Kinder abholen wollen. Es ist in Stoffbeuteln vorbereitet. Ein System, das sich in den Wochen des Lockdown bewährt hat. Jetzt dürfen die Schüler wieder in ihre Klassen. Abwechselnd. Das System wird angepasst - und natürlich hakt es da beim Neustart ab und an.

"Wir bekamen ja zwei Tage früher Weihnachtsferien", blickt Christine Zetzmann zurück auf den Start in die Pause vom Präsenzunterricht. Anders als sonst schickten die Lehrkräfte den Schülern alle Materialien mit nach Hause. "Wir hatten schon so eine Vermutung, dass es nicht bei den normalen Ferien bleiben würde", sagt Christine Zetzmann. Es wurden sechs Wochen daraus.

Für den (eigentlichen) Schulbeginn waren die Eltern vorgewarnt worden. Sie sollten regelmäßig ihre E-Mails checken. So erfuhren dann alle rechtzeitig, wie es im Lockdown mit dem Distanzunterricht laufen sollte. Sollte. Denn ganz so einfach lässt sich so etwas eben nicht umsetzen. "Wir haben Schulmanager eingeführt. Das verwenden sonst eher weiter führende Schulen", sagt Christine Zetzmann zum Auftakt des digitalen Unterrichts. Doch nicht jede Familie ist digital auf einen Distanzunterricht vorbereitet. Schon gar nicht, wenn mehrere Kinder da sind. Gleichzeitige Videokonferenzen sind dann oft schwer möglich.

Bei der Abfrage, ob zu Hause Internet vorhanden ist, antworten praktisch alle Eltern mit "Ja". In der Praxis stellt sich dann aber vielleicht heraus: Das Internet läuft über das Handy der Mama - und die ist tagsüber auf der Arbeit. Weil auch nicht in jedem Haushalt ein Drucker vorhanden ist, übernimmt es die Schule, alle Arbeitsmaterialien auszudrucken - daher die Stoffbeutel für den regelmäßigen Austausch neuer und bearbeiteter Arbeitsblätter.

"Eine individuelle Betreuung der Schüler war aber doch möglich", sagt Christine Zetzmann. Kinder konnten die Lehrer erreichen, wenn sie Fragen hatten. Lehrer konnten die Schüler erreichen - manchmal eben erst am Abend, wenn die Eltern wieder zu Hause waren. Ein ungewöhnlicher Aufwand, der einer ungewöhnlichen Zeit geschuldet ist. Individuelle Betreuung hieß auch, mit Eltern abzustimmen, ob und wo sie eine besondere Förderung für ihr Kind für notwendig halten.

Schließlich geht es bei Grundschülern auch immer um einen möglichen Übertritt an eine weiterführende Schule. Offenbar waren die Eltern mit dem Angebot der Schule zufrieden. Größere Beschwerden gab es nicht.

Neuer Start, neue Umstellung

Nun dürfen die Kinder wieder in ihre Klassen, treffen ihre Lehrerinnen wieder persönlich. Als Christine Zetzmann in der Klasse von Elisabeth Zitzmann, es ist die 1b, fragt: "Freut ihr euch denn alle, dass ihr wieder in die Schule dürft?", kommt ein vielstimmiges "Jaaa!" als Antwort.

Damit der Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht möglich wurde, galt es, eine ganze Reihe von Vorgaben umzusetzen, die den Schulen seitens des Ministeriums gemacht wurden. Zunächst darf daher also nur die Hälfte der Schüler kommen. Im Wechselunterricht ist mal die eine, mal die andere Hälfte im Haus.Von der Stadt wurden Einzeltische bereit gestellt, damit der nötige Abstand eingehalten werden kann. Arbeitsmaterialien dürfen nicht von verschiedenen Kindern genutzt werden. Sie werden jeweils getrennt zwischengelagert. Unter der Bank darf nichts zurück bleiben, das dann von verschiedenen Kindern angefasst würde. Jeden Abend werden die Tische desinfiziert. Während des Aufenthalts in der Schule müssen Masken getragen werden. Lüften wird sehr ernst genommen. "Dafür haben wir CO2 -Ampeln", erklärt die Schulleiterin. Zeigt die Ampel rot, müssen die Fenster auf, bis sie wieder grün zeigt.

Daneben gibt es die Kinder der Notbetreuung. "Wir sind eine große Schule, da geht das problemlos", erklärt Christine Zetzmann. Räume sind da. Und der Bedarf an Plätzen für die Notbetreuung ist - ebenso wie für eine Ganztagsbetreuung - groß. Ein ausgeklügeltes System sorgt dafür, dass sich die Kinder der Notbetreuung und des Wechselunterrichts nicht begegnen. Es gibt getrennte Eingänge, gestaffelte Pausenzeiten und ein genau abgegrenztes Wegesystem durch die Schule. An den Eingängen wurden Desinfektionsstationen eingerichtet.

Mit allem Aufwand lässt sich aber der Unterricht nicht in vollem Umfang so umsetzen, wie ihn Lehrkräfte und Schüler kennen. Die Schule ist beispielsweise auch Sportgrundschule. Doch Sportunterricht ist weiterhin nicht möglich. "Die Stadt hat die Hallen noch nicht wieder freigegeben", sagt Christine Zetzmann. Und im Freien ist es derzeit auch nicht so einfach, ein gezieltes Sportprogramm umzusetzen.

Für immer soll es nicht so bleiben. Doch wann eine Rückkehr zur Normalität möglich ist, kann die Schulleiterin nicht sagen, bestenfalls vermuten: "Es steht noch nirgendwo geschrieben, aber bis Ostern wird es wohl so bleiben", sagt sie. Wie der Neustart nach den Osterferien aussehen wird, das steht auch noch nirgends geschrieben. Doch inzwischen haben Erfahrungen aus dem ersten Lockdown und alle Weiterentwicklungen und Anpassungen seither die Zuversicht reifen lassen, dass es die Schulfamilie immer wieder schaffen wird. Mit vereinten Kräften gilt es immer neu, das Bestmögliche für die Kinder auf die Beine zustellen. Nur so kann das oft beschworene "Bildungsdefizit" durch die Corona-Krise so klein wie möglich gehalten werden.