Bad Kissingen  — Lange Zeit konnte man William Shakespeares tiefgründigste Komödie "Wie es euch gefällt" dem lockeren Titel entsprechend inszenieren. Da trifft sich eine bunte Auswahl Hofleute im Wald von Arden, weil ihr Herrscher totale Unterwerfung verlangt, sie mit dem Tod bedroht. Das steckte man weg, indem man dem Tyrannen einfach auswich in das Waldidyll. In unseren Tagen gerät bei dieser Geschichte das Treiben im Wald mit Liebeslust und -leid ein wenig in den Hintergrund, denn was uns auffällt, ist die Tatsache, dass der Herzog all diese Leute zu Flüchtlingen gemacht hat. Und so erscheint es plötzlich stimmig, dass dieser Wald fast aller fröhlichen Farben verlustig gegangen ist. Unsere Gegenwart findet sich in diesem Stück: Ein blindwütiger Tyrann hat Menschen in die Flucht getrieben. Doch Shakespeare lässt sie nicht verzweifeln: Sie finden im Wald Menschen, die ihnen helfen. Und im Gegensatz zu unserer düsteren Gegenwart gibt es bei Shakespeare am Ende eine kleine Komödienutopie: Der Tyrann läutert sich, gibt zurück, was er gestohlen hat, versöhnt sich mit seinen Feinden.

Da es sich um eine Komödie handelt, ist das Gute immer präsent: Mitten im Exil treffen fast alle auf so viele Spielarten von Liebe, dass sie ihre Situation völlig vergessen. Und da das Motto des Dramatikers den Zuschauern verspricht, dass sie kriegen, was ihnen gefällt, kriegen auch alle Liebenden den Partner, den sie wollen oder verdienen. In dieser Handlung von Flucht und Verbannung findet Komödiengenie Shakespeare die Möglichkeit, in Sachen Liebe so richtig vom Leder zu ziehen, sie zu einem Kaleidoskop von Liebesleid und -lust zu machen.

Die Leute vom Berliner Globe nehmen sowohl die köstlichen Albernheiten dieser Handlung als auch den für sie und Shakespeare so typischen Kontakt mit dem Publikum ernst wie auch die Auflockerung der Sprechhandlung mit Songs und live präsentierter Bühnenmusik.

In der Truppe von Globe Berlin spielten alle Akteure mindestens zwei Rollen, was wie gewohnt durch passgenaue Regie von Anselm Lipgens sehr gut gelang. Diesmal war allerdings ein schwieriges Handicap zu überwinden. Ausgerechnet die Darstellerin der Hauptrolle der Rosalinde, Pia Louise Jahn, musste ihre große Rolle mit wenigen Tagen Vorlauf als Einspringerin spielen, was sie leider mit sehr leiser Stimme tat. Der Rest des Ensembles wechselte gekonnt in Männer- wie Frauenrollen und machte das Personal dieser Komödie mit viel Gusto und zur Freude des Publikums quicklebendig. Eine Entdeckung war Mick Morris Mehnert als Narr Zwackstein, dessen Kleinwüchsigkeit das Ensemble in wohltuender Selbstverständlichkeit als komisches Mittel einsetzte.

Es hat Spaß gemacht, den vielen Ideen der Truppe und den sprachlichen Einfällen ihres Übersetzers und Leiters Christian Leonard durch den turbulenten Abend zu folgen. Das Publikum im sehr gut besuchten Kurtheater dankte den Berlinern mit heftigem Applaus.