Klaus-Peter Gäbelein

Auf die Beschwerden des Flurers Lohmaier und des Kaplans Heckel über niedergetretenes Gras auf den Wiesen bzw. über "das Baden von Jugendlichen ohne jegliche Bekleidung" reagierte der Stadtrat mit der Androhung von Geldstrafen in Höhe von 9 Mark bei künftigen Verstößen gegen die Sittlichkeit und Ordnung nach Artikel 79 des Strafgesetzbuches.
Bis 1927 finden sich keine Beschwerden mehr bezüglich freizügigen Badens in den Unterlagen des Stadtarchivs. Doch am 8. Juli 1927 passierte Unerhörtes! Sage und schreibe 80 Herzogenauracherinnen wenden sich an diesem Tag an den "Verehrlichen Stadtrat" mit der Bitte um "Einschaltung eines dritten Badetages für Damen". Welch unerhörtes Ansinnen! Und entsprechend reagierte auch die hiesige Männermacht im Magistrat (Stadtrat) und lehnte das Gesuch ohne Begründung ab. Man vertröstete die Damen, "dass dem vorgebrachten Wunsche frühestens im kommenden Jahre Rechnung getragen werden" kann.
Ab August 1927 stand ein Badeweiher im Weihersbachgelände (der heutige Nebenplatz des ASV-Sportgeländes) kurz vor seiner Vollendung. Es wurde seitens der Verwaltung beschlossen, dass Schwimmer diese Schwimmanlage im Weihers-bach nutzen sollten, statt ihre Körper an und in der Aurach zur Schau zu stellen. Nichtschwimmern wurde der Weiher im Weihersbach verwehrt mit der Begründung, "dass sie durch Herumwaten das Wasser zu sehr aufwühlten und außerdem der bestehenden Fischzucht im Weiher schaden würden"; sie sollten weiterhin die Badestellen in der Aurach nutzen.


Schauspringen ohne Bewertung

Im Juni 1932 fand das erste Herzogenauracher Schwimmfest im Bad im Weihersbach statt. Folgende Disziplinen waren ausgeschrieben: Brustschwimmen, Rückenschwimmen, Beliebigschwimmen (Freistil!?) in verschiedenen Altersklassen, Lagenstaffeln der Vereine sowie "Schauspringen ohne Bewertung". Inzwischen waren dort auch eine Umkleidekabine sowie "eine Abortanlage" errichtet worden.
Außerdem wurde angeordnet, dass das "Mitbringen und Schwemmen von Hunden" untersagt sei, ebenso das Fotografieren. Kindern unter fünf Jahren war der Besuch nicht erlaubt und Fünf- bis Zwölfjährige durften nur in der Begleitung Erwachsener und in der Zeit von 13 bis 19 Uhr zum Baden und Schwimmen erscheinen. Der Eintritt betrug zehn Pfennige bei Kabinenbenutzung und Kleideraufbewahrung sowie fünf Pfennige ohne Kabinenbenutzung. Vorgeschrieben wurde außerdem, dass "die Badekleidung den Anforderungen des Anstandes" entsprechen müsse und dass "Badehosen ohne Beinansatz" verboten seien.


Pfarramt war nicht zufrieden

Dem katholischen Pfarramt genügten all diese Vorschriften noch immer nicht. Aus Sicherheits- und moralischen Gründen mahnte man getrennte Umkleidekabinen an und forderte, für schulpflichtige Kinder ein "eigenes Kinderbad einzurichten, das mit dem Familienbad nicht in direktem Zusammenhang stehe und in den Tiefenverhältnissen den Kindern angepasst sei".
Trotz aller Einwände und Reklamationen erfreute sich das Freibad im Weihersbach großer Beliebtheit, so dass der "Erlanger Turn- und Sportbund" sein Gruppenschwimmfest im Weihersbach-Bad abhielt, zumal der Sicherheit Genüge getan worden und ein eigener Bademeister (Johann Herbig) samt Assistent eingestellt worden war. Schließlich kamen auch die Herzogenauracher Sportvereine "die Rote Sporteinheit", die Freie Union, der 1. Fußballclub und der Turnverein 1861 in den Genuss eigener Schwimm- und Badestunden.
Inzwischen hatte der Schwimmsport so viele Freunde gefunden, dass man sich seitens der Verwaltung entschied, ein eigenes "richtiges Freibad" zu errichten: Und so wurde mit dessen Bau 1936 begonnen und 1937 das neue moderne Freibad eröffnet. Im kommenden Jahr (2017) kann das Herzogenauracher Freibad somit auf sein 80-jähriges Bestehen zurückblicken.