Veronika Schadeck Im Frühjahr war es Corona, weshalb das Deutsche Schiefermuseum in Ludwigsstadt mehrere Wochen schließen musste. Nun sind es bauliche Schäden im Gebäudedach, die bis zum Ende des Jahres einen Museumsbetrieb nicht mehr möglich machen.

Wie die Museumsleiterin Manja Hünlein auf Anfrage erklärte, habe man aus Vorsichtsgründen diese Entscheidung getroffen. Es müssen noch einige Fragen und viele Details geklärt werden, beispielsweise wie hoch das Ausmaß der Schäden ist, wie sich die Statik verhält. Zudem müssen auch die Sanierungskosten ermittelt werden.

Für die Betreiber des Schiefermuseums ist dies eine weitere unerfreuliche Situation. Coronabedingt musste das Museum vom 17. März bis 2. Juni geschlossen werden. Seitdem standen die Türen ausschließlich für Einzelbesucher offen.

Einzel- statt Gruppenbesuche

Für die Museumsbetreiber bedeutet dies Einnahmeverluste. In der jüngsten Vergangenheit konnten rund 3000 Besucher pro Jahr verzeichnet werden, erklärt Manja Hünlein. Rund 75 Prozent davon waren Gruppen vom Jugendwaldheim Lauenstein, vom Schullandheim Steinbach am Wald oder Busreisende von "Handwerk und Kultur".

Seit der Wiedereröffnung nach dem Lockdown im Juni blieben die Gruppen weg, erklärt sie. Allerdings habe die Anzahl der einzelnen Besucher enorm zugenommen. Dies begründet die Museumsleiterin damit, dass wegen der Pandemie viele Bürger im eigenen Land ihre Urlaubstage verbracht haben, zudem haben auch Einheimische ihre Region und Kulturstätten entdeckt.

Uralte Bilder der Heimat

Die Corona-Zeit sei dafür genutzt worden, um verschiedene Projekte voranzutreiben, wie beispielsweise einen Audioguide in englischer Sprache. Zudem liefen die Vorbereitungen für eine Sonderausstellung auf Hochtouren, die Ende des Jahres eröffnet werden sollte. Wie Manja Hünlein erklärt, habe der Kreisheimatpfleger Siegfried Scheidig in einem Gebäude Fotos vom Ende des 19. beziehungsweise Anfang des 20. Jahrhunderts gefunden. "Es sind Bilder, die noch nie jemand gesehen hat." Es wäre ein Highlight geworden, ist Manja Hünlein überzeugt. Denn durchaus sei ein großer Teil der heimischen Bevölkerung geschichtsbewusst und interessiere sich für die Vergangenheit seiner Heimatgemeinde. "Wir hoffen, diese Sonderausstellung nächstes Jahr durchführen zu können."

Im Ludwigstädter Schiefermuseum befasst man sich unter anderem mit der Geologie im Raum Ludwigsstadt, mit der Geschichte des Schieferbergbaus, mit der Arbeit im Schieferbruch, mit dem Schieferdeckerhandwerk und letztendlich auch mit der Sozialgeschichte der Schieferindustrie und seiner Menschen. Das Schiefermuseum ist nicht nur eine Archivierungsanstalt, die sammelt und bewahrt, sondern erfüllt auch einen Bildungsanspruch.

Gegründet wurde das Schiefermuseum im Jahr 1981 in der ehemaligen Dorfschule von Steinbach an der Haide. 1986 konnte das aus kleinen Anfängen heraus aufgebaute Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Aus Platzgründen wurde das Museum 1993 nach Ludwigsstadt, in ein ehemaliges Fabrikgebäude an der B 85 verlegt. Durch die Hermann-Söllner-Stiftung, die 1991 gegründet wurde und für Brauchtum und Pflege der Heimat eintritt, konnte ein geeignet großer Bau für das Schiefermuseum erworben werden. Es war das ehemalige Fabrikgebäude der Bromsilberdruckanstalt in der Lauensteiner Straße. Entstanden sind eine über 400 Quadratmeter große Ausstellungsfläche auf vier Ebenen. Nun hoffen die Museumsbetreiber, dass auch die Hermann-Söllner-Stiftung die Sanierungskosten für die Schäden am Dach übernehmen wird.

Hoffnung auf 2021

Manja Hünlein und ihr Team, im wesentlichen sind sie auch Mitglieder der Geologisch-Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft Ghag, hoffen zudem darauf, dass der Schaden bis Ende des Jahres behoben sein wird und man im nächsten Jahr wieder sowohl mit Gruppen- als auch mit Einzelbesuchern durchstarten kann. Denn, so Hünlein: "Das Schiefermuseum mit seiner Geschichte und Geologie gehört zur uns und ist aus Ludwigsstadt nicht mehr wegzudenken."