Rudolf Swientek feierte am Mittwoch seinen 90. Geburtstag in Königsberg.

Die ersten 33 Jahre seines Lebens hat er im Ruhrgebiet verbracht. Dort wurde er geboren.

Am 16. September 1930 erblickte er in Duisburg als zweiter von vier Buben das Licht der Welt. Sein Vater hieß Georg und war Eisenbahner. Seine Mutter, die 97 Jahre alt wurde, kümmerte sich immer um den Haushalt.

Und ihre Ansage will der Jubilar noch wahr machen. Sie sagte oft zu ihm: "Bub, du wirst auch mal so alt wie ich!"

In Duisburg besuchte er die Volksschule. Noch heute denkt er mit Schaudern an die Kriegszeit und seine große Angst vor den herabfallenden Bomben.

Eigentlich wollte Rudi Swientek technischer Zeichner werden. Er machte sich nach dem Kriegsende sofort auf die Suche nach einem Ausbildungsplatz. Den fand er bei einer Baufirma. Aber nachdem er bei der Firma drei Tage nur Steine klopfen musste, "dampfte er wieder ab".

Nach einer Schreinerlehre kam er als Arbeiter zum Stahlwerk Mannesmann. Dort arbeitete er zunächst im Maschinenbetrieb und wurde dann später Kranführer. 16 Jahre bediente er diese Ungetüme, die 160 Tonnen glühende Masse bewegten. Rudolf Swientek stieg sogar bis zum Vorarbeiter auf. Doch 1963 kehrte er seiner Heimat von heute auf morgen den Rücken. Er hörte mit der Arbeit bei Mannesmann auf, heiratete seine Lisa, eine geborene Windheim, und zog mit ihr drei Tage nach der Hochzeit nach Königsberg. Dort waren die Eltern seiner Frau die Wirtsleute der Gastwirtschaft "Zum Schwarzen Bären". Sie selbst übernahmen die Gaststätte "Zum Goldenen Löwen" in der Pfarrgasse.

Bei den "Fränkischen"

Vier Jahre half der heutige Jubilar in der Wirtschaft mit, bis er dann für 20 Jahre Angestellter in den Fränkischen Rohrwerken wurde. In dieser Zeit und nach dem Erreichen des Rentenalters widmete er sich in seiner freien Zeit wieder seinem ursprünglich erlernten Beruf des Schreiners. In seinem Haus richtete er sich eine eigene Werkstatt ein, in der er fast jede freie Minute verbrachte und Möbelstücke sowie Treppen und andere Gegenstände fertigte. Daneben war er ein fleißiger und erfolgreicher Pilzsammler. Besonders die Steinpilze hatten es ihm angetan.

Das ist es, was Swientek heute besonders vermisst: die handwerklichen Tätigkeiten. Denn wegen seiner kaputten Hüften und eines kranken Knies ist er seit einiger Zeit an den Rollstuhl gebunden. Trotzdem ist er der Meinung: "Hauptsache, der Kopf geht noch!", und zurückblickend auf sein bisheriges Leben fasst er zusammen: "Ich habe nichts gefunden, was ich verkehrt gemacht habe."

Frau Lisa, die den Jubilar zusammen mit Tochter Sigrid und Schwiegersohn Uwe versorgt, feiert in einigen Tagen auch ihren 90. Geburtstag. Sie ist mit ihrem Rudi seit 57 Jahren verheiratet. Zwei Mädchen sind aus der Ehe hervorgegangen. Zwei Enkel sind noch dazugekommen. Sie alle sowie Verwandte, Freunde, Bekannte und Bürgermeister Claus Bittenbrünn gratulierten dem Jubilar. sn