Es war mal wieder Zeit für einen Ausflug nach "Europa" für die Kissinger Sektion der Gesellschaft für Sicherheitspolitik in Kooperation mit dem Reservistenverband. Nach Reisen durch den Balkan, ins Baltikum, nach Belgien und Dresden war diesmal das Elsass das Ziel der Jahresfahrt. Ziel sollte sein, sich einen Überblick über Europäische Institutionen zu verschaffen, die malerische Region zu erkunden, aber auch einen Blick in die gemeinsame wechselvolle deutsch-französische Geschichte dieses Vogesenlandes zu werfen.

Und so machten sich 36 Multiplikatoren der Gesellschaft für Sicherheitspolitik, des Reservistenverbands und der Europa-Union auf den Weg an den Oberrhein. Zunächst wurde auf Einladung von MdEP M. Gahler von der EVP das Europa-Parlament in Straßburg besucht. Nach einem Vortrag über die Europäischen Institutionen und die Arbeitsweise und Rolle des EP konnte die Gruppe noch kurz das Ende der Sitzungswoche miterleben.

Übernachten in der Kaserne

Nach einer Rundfahrt durch die Hauptstadt ging es über den Rhein ins badische Müllheim südlich von Freiburg. Hier hatte Reiseleiter Ulrich Feldmann durch gute Beziehungen für vier Tage Quartier im Hauptquar-tier der Deutsch-Französi-schen Brigade in 2-Bett-Zimmern arrangiert.

Tag zwei versprach wieder ein anspruchsvolles Besuchsprogramm: Zunächst stand eine Stadtführung in Colmar, der Perle des Elsass mit ihrer romantischen Altstadt, auch "Kleinvenedig" genannt, auf dem Programm. Wer wollte, konnte das weltberühmte Unterlinden-Museum besuchen oder mit einem Kahn durch die Stadt fahren. Danach war erneut Straßburg das Ziel, diesmal war die Delegation zu Gast im Europarat, der europäischen Organisation, in der sich 47 Mitgliedsstaaten zum Schutz der Menschenrechte zusammengeschlossen haben. Bei der Diskussion mit Vertretern des Hauses wurde deutlich, wie schwer es ist, Verstöße einzelner Mitglieder zu ahnden.

Route du Vin

Letztes Ziel des Tagesprogramms: entlang der "Route du Vin" nach Kayersberg , der einstigen Reichsstadt mit ihrer zur Stauferzeit mächtigen Burg aus dem 13.Jahrhundert, spätromanischer Pfarrkirche, prächtigen Bürgerhäusern und romantischen Gassen, in einer davon das Geburtshaus von Albert Schweitzer. Nach einem typisch elsässischen Menü im Restaurant "Au Lion d'Or" ging es zurück in die Kaserne.

Der Vormittag von Tag drei war ganz den Schönheiten des Elsass gewidmet. Entlang der von der milden Herbstsonne golden angestrahlten Weinberge ging es an Hautkönigsburg vorbei nach Riquewihr (Reichweiler) mit seinen verträumten mittelalterlichen Gassen, musealem Flair und "Winstubs" - hier scheint die Uhr vor zwei Jahrhunderten stehen geblieben zu sein.

Und weiter ging es nach Süden zu zwei bedeutenden Zeugnissen des Kampfs zwischen zwei Staaten um eine Region, die jeder für sich beanspruchte: zuerst zum hoch über Cernay gelegenen Hartmannsweilerkopf (frz: Vieil Armand).Hier tobten von 1914 bis 1916 erbitterte Gefechte mit hohem Blutzoll auf beiden Seiten um den Zugang zum französischen Hinterland bzw. ins Rheintal. Präsident Macron und Kanzlerin Merkel weihten in einer feierlichen Zeremonie 2017 die Gedenkstätte gemeinsam ein. Eine Führung durch die noch gut erhaltenen Stellungen machte die Bedeutung dieses beherrschenden Höhenzuges deutlich. In einer Schweigeminute gedachte die Gruppe auf dem Soldaten-Friedhof der sinnlos geopferten Soldaten beider Seiten.

Als letzten Anlaufpunkt hatte Reiseleiter Feldmann die Stadt Belfort ausgesucht, bekannt durch ihre mächtige Burganlage und den 30 m hohen, vom Künstler Bonardi geschaffenen und in den Fels gehauenen Löwen. Sie sollte den deutschen Truppen den Einmarsch in die Burgundische Pforte verwehren, wurde 103 Tage lang belagert und musste dann aufgrund des Waffenstillstands kampflos übergeben werden. Der Tag endete mit einem gemütlichen und fröhlichen Abendessen in Reichweite der Kaserne.

Wie es sich für Bewohner einer Kaserne gehört, begann der letzte Reisetag mit Bettenabziehen, Stubenkontrolle und Abmeldung beim Offizier vom Dienst, bevor sich die Schranke öffnete. An dem auf der Fahrtstrecke liegenden Freiburg vorbeizufahren wäre eine Sünde gewesen. So endete der Kulturteil der Reise mit einer sonntäglichen Führung, begleitet vom mittäglichen Geläut der Glocken des Münsters.

Letzter Halt auf der Rückreise: das Auto- und Technik-Museum Sinsheim. Hier schlug das Herz der Technik-"Freaks" höher beim Anblick der aus der ganzen Welt zusammengetragenen Exponate der Ingenieurskunst - und niemand versäumte es, in luftiger Höhe in die Tupolew wie auch die Concorde einzusteigen.

Eine ereignisreiche, vom Wetter und mit Höhepunkten gefüllte Reise in eine der schönsten Regionen Europas ging jetzt zu Ende - natürlich verbunden mit der Frage aller Teilnehmer: "Wann gehen wir wieder auf Fahrt?" red