Sebastian Martin Es war Mitte vergangener Woche, als Klaus Lieb einen echten Kriminalfall erlebte: Eine 24-Jährige hatte sich in seinem gleichnamigen Hotel-Café in Bug eingemietet - am Ende wurde die Frau in ihrem Zimmer festgenommen.

"Ich hatte bei ihr von Anfang an ein komisches Gefühl, sie hatte über booking.com ein Doppelzimmer reserviert, war aber alleine", schildert Lieb sein Erlebnis. Doch wie es der Zufall wollte, hatte er beim Einchecken keine Zeit, um bei dem ihm merkwürdig vorkommenden Gast im Voraus für das Zimmer abzukassieren.

Was der 53-Jährige zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste: Die Ermittlungsgruppe der Polizei Bamberg-Land war der Frau bereits auf der Schliche. Sie soll sich schon mehrfach über verschiedene Hotelportale im Internet unter Angabe falscher Personalien in Gasthöfen und Hotels in Bamberg und im Landkreis eingemietet haben, ohne die Zimmer zu bezahlen.

Als die 24-Jährige am nächsten Morgen nicht zum Frühstück erschienen war, ahnte Lieb bereits, dass etwas faul sein könnte. Dann habe er eine Mail des Tourismusservice erhalten. Darin wurde vor einer Betrügerin gewarnt.

Lieb rief sofort die Polizei und stellte sicher, dass die Frau nicht unbemerkt türmen konnte, indem er die separate Tür des Hotels verschloss. "Die Polizei war auch schnell zur Stelle." Die Falle hatte zugeschnappt, die 24-Jährige wurde noch in ihrem Zimmer festgenommen. "Der erste Satz von ihr war: Ich möchte meinen Anwalt anrufen."

Am Freitag nun gaben Staatsanwaltschaft und Polizei Bamberg-Land eine gemeinsame Mitteilung heraus, in der es heißt, dass die mutmaßliche Betrügerin in den vergangenen fünf Wochen in mindestens acht verschiedenen Gasthöfen und Hotels eingemietet und hierbei Vermögensschäden von bis zu 1500 Euro hinterlassen haben soll.

"Der Gesamtschaden, der durch die Täterin aus dem Landkreis Bamberg unter Inanspruchnahme von Kost und Logis entstand, beläuft sich mittlerweile auf rund 6000 Euro", schreiben die Behörden.

Die Frau soll bereits amtsbekannt gewesen sein. Dank der Informationen aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe konnte die Polizei entscheidend zuschlagen. Laut der Mitteilung sollen der 24-Jährigen weitere Einmietbetrügereien nachgewiesen worden sein. Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin einen Haftbefehl erwirkt.

24-Jährige kommt aus dem Kreis

So etwas habe er bisher noch nicht erlebt, sagt Klaus Lieb. Auch Polizei und Gaststättenverband sind sich einig, dass der ganze Tatkomplex völlig außergewöhnlich ist. "Vor allem, dass es jemand ist, der aus der Umgebung kommt", erklärt Florian Müller, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands Bamberg. Denn die Frau wohnt im Landkreis. Normalerweise komme ein solcher Betrug auch nicht gehäuft, sondern in Einzelfällen vor, bestätigt Kriminalhauptkommissar Helmut Fischer von der Polizeiinspektion Bamberg-Land.

Hotels können sich laut dem Kreisvorsitzenden Müller beispielsweise über Ausweisdaten der Kunden vor solchen Betrügereien schützen. "Ein größeres Problem sind aber Leute, die buchen und nicht auftauchen", erklärt Müller. Was tatsächlich schwierig ist: Die Portale im Internet, über die Zimmer gebucht werden können, seien nicht dazu verpflichtet, die Echtheit der Daten zu überprüfen.

Dank an die Kollegen

Über die Motive der 24-Jährigen war von den Ermittlern am Freitag nichts zu erfahren. Die Frau erwartet laut Staatsanwaltschaft und Polizei nun eine "nicht unerhebliche Haftstrafe". Für die finanziellen Schäden wird sie sich wohl ebenfalls verantworten müssen.

Klaus Lieb hat 94 Euro für die nichtbezahlte Nacht eingebüßt, doch um das Geld geht es ihm gar nicht so sehr: "Es geht darum, dass man solche Leute erwischt, dass sie bestraft werden."

Deshalb will Lieb gerne seinen Kollegen danken, die die Warnung weiter gegeben hatten: "Wir sind nur gemeinsam stark."