Während der Fall Mohammad Zaki Sharifi zu einem guten Ende gekommen ist, sorgen sich die Mitglieder des Helferkreises um einen weiteren Schützling: Seit Monaten schon hofft Razaq, darauf endlich die Ausbildung zum Altenpflegehelfer zu beginnen zu dürfen.

Seit April 2020 war Razaq in einem Kulmbacher Seniorenheim als Hilfskraft tätig. In dieser Zeit hat er, so heißt es aus dem Helferkreis, ein gutes Verhältnis zu den Bewohnern entwickelt und von Kollegen Respekt für seine Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit erfahren.

Razaq war aus Afghanistan geflohen, nachdem sein Vater an den Folgen eines Anschlags starb. Auch er selbst wurde direkt bedroht und musste sich bis zu seiner Flucht verstecken. Weil aber sein Asylverfahren rechtskräftig abgeschlossen war, entzog die Zentrale Ausländerbehörde in Bayreuth dem jungen Helfer die Arbeitserlaubnis. Seine Fluchtgründe seien nicht ausreichend und glaubwürdig genug, hieß es in der Ablehnung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Nun muss Razaq fürchten, in das von Corona und von kriegerischen Auseinandersetzungen schwer gebeutelte Afghanistan abgeschoben zu werden.

Das Seniorenwohnheim und die Trägerinstitution, die Arbeiterwohlfahrt Kulmbach, haben im September eine Petition beim Bayerischen Landtag eingereicht, in der dieser gebeten wird, die entsprechende Ausbildungserlaubnis zu erteilen. Eine Entscheidung steht noch aus.

Währenddessen fordert die Menschenrechtsorganisation Amnesty International einen generellen Abschiebe-Stopp nach Afghanistan. Afghanistan sei noch vor Syrien das am wenigsten friedliche Land der Welt, zitiert Hans-Georg-Friedmann, Sprecher der örtlichen Amnesty-Gruppe, aus einer Mitteilung der Organisation.

Der seit knapp 40 Jahren schwelende Konflikt dauere dort unvermindert an. Allein in den ersten neun Monaten des Jahres 2020 habe die Hilfsmission der Vereinigten Nationen in Afghanistan 5939 zivile Opfer, darunter 2117 Tote, verzeichnet. In den letzten Monaten seien erneut Hunderte von Zivilisten getötet worden.

Dazu komme die Corona-Pandemie, die für das Land, dessen Gesundheitssystem zu einem der schlechtesten auf der Welt gehört, eine weitere lebensbedrohliche Herausforderung darstellt. red