Alternativlos ist der Begriff der großen Politik, den niemand nennen wollte. Trotzdem war es das Wort, das die meisten Stadträte nannten, denn die Entscheidung, die Zwischenlösung als ersten Sanierungsschritt anzugehen, war alternativlos.
Diese Zwischenlösung sei nicht DIN-gerecht und es gibt keine Gewähr, mit der Ausführung dieser ersten Sanierungsmaßnahme die Erlaubnis des Gesundheitsamtes zu erhalten.
Trotzdem zeigte sich Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD) zuversichtlich. "Ich bin optimistisch, dass wir die Wasserqualität hinkriegen und ich bin optimistisch, dass dieser mutige Schritt anerkannt wird." Mit den Vorschlägen der Fachfirma für Wassertechnik Grünbeck werde man eine deutlich bessere Hydraulik erhalten.
Die Stadt geht in Vorleistung - ohne Gewähr. Die Maßnahme würde 88 117,89 Euro kosten. 50 000 Euro hat die Stadt im Haushalt geplant, auch vom vergangenen Jahr sind noch Reserven eingestellt. Der Förderverein würde seine finanziellen Ressourcen in die Waagschale werfen. "Es geht nicht nur um diese Badesaison, sondern auch weiter", sagte Nekolla.
Viele Vorfahren der jetzigen Einwohner von Gräfenberg nahmen vor 78 Jahren Pickel und Schaufel in die Hand, um das Bad in Eigenregie zu bauen.
Nun ist die fehlende Wasseraufbereitung das Problem. Eine kleine Umwälzpumpe, kleine Dosier- und Regeleinheiten, eine kleine Hydraulik sind der Ist-Zustand des Bades. Vor allem die Tri-Halogen-Methan-Werte (THM) passten bei der Prüfung nicht. Nun sollen zwei große Filterpatronen und eine Beflockungsanlage eingebracht werden, um das THM herauszufiltern.
Um eine Vorstellung von dem Wagnis zu haben, erläuterte ein Verantwortlicher der Fachfirma technische Details. Das große Becken müsste eine Umwälzleistung von 450 Kubikmeter pro Stunde erreichen. Das sei selbst in der Theorie nicht machbar, meinte der Vertreter der Firma. Aber es gebe einen DIN-Sonderfall - den Nachbetrieb.


Bedenken wegen der Kosten

Das Bad könne die Pumpe drosseln und eine DIN-mäßige Notversorgung von 140 Kubikmeter einstellen. Mit zwei großen Filteranlagen könne das erreicht werden. Der Vorteil: Die Filtration könne in der Generalsanierung integriert werden.
Ob es sich bei diesem Sanierungsschritt um eine Pionierleistung handelt, wollte Werner Wolf (FW) wissen. Der Firmenfachmann meinte: Ohne Planung, ohne Zeit, dafür mit Trommeln und Demonstrationen, das habe man noch nie gehabt. Aber es sei machbar, die Technik beherrschbar.
Alternativlos ist der Schritt für Matthias Striebich (Grüne), der seine Ratskollegen ermutigte, das Risiko einzugehen. Alternativlos findet auch Hans Derbfuß (CSU) die Zustimmung, wenn man das Bad erhalten wolle. Er dankte und lobte das ehrenamtliche Engagement des Fördervereins für den Erhalt des Bades.
Bedenken hatte die Zweite Bürgermeisterin Sylvia Hofmann (FW) diesen Schritt zu gehen, bevor man wisse, ob sich die Stadt eine Generalsanierung leisten könne. Wie teuer diese käme, wollte sie wissen. Mit einer halben Million wurde die Generalsanierung beziffert.
Doch diese stehe nun nicht zur Debatte. Lars Laufer (CSU) konterte: "Hätte das Gesundheitsamt den Hammer nicht fallen lassen, hätten wir uns nächstes Jahr nicht bewegt. Wenn wir das Bad wollen, müssen wir nun den ersten Schritt erhalten."
Der Stadtrat beschloss den ersten Sanierungsschritt als Zwischenlösung, wohl wissend, dass keine DIN-gerechte Aufbereitung installiert wird, so der Beschlussvorschlag. Alle Stadträte stimmten zu. "Wir haben es geschafft", freute sich ein Mädchen aus den Zuschauerreihen und hielt ihr Plakat fest. map