Marco Meissner

Man muss heute keine 50, 60 oder 70 sein, um in der Politik Ämter zu übernehmen. Auch Jüngere können und wollen politische Verantwortung für ihre Heimat tragen - und zwar nicht nur in zweiter Reihe. Jürgen Baumgärtner (CSU) ist 2013 mit erst 40 Jahren in den Landtag gewählt worden. Timo Ehrhardt (SPD) hat 2008 mit damals 30 Jahren auf dem Bürgermeister-Sessel in Ludwigsstadt Platz genommen. Dies sind nur zwei Beispiele für einen Trend, der sich in unserer Interview-Serie bestätigte. In den Stadt- und Gemeinderatsgremien sind fast überall junge Kommunalpolitiker zu finden, die sich auch zu Wort melden.
Nicht zuletzt die Kreisstadt selbst beweist, dass junge Leute in der Kommunalpolitik heute ihre Chancen bekommen. Zwei Ratsmitglieder haben dort die 30 noch nicht überschritten, weitere vier sind zwischen 31 und 40 Jahren alt. Nochmals vier sind diesseits der 50. "Natürlich bin ich dankbar dafür", freut sich Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) darüber, einen starken Block junger Ratsmitglieder, der sich hervorragend einbringe, in seinem Gremium zu haben. Dass dies klappe, liege aber auch an dem guten Mix aus jungen und langjährig erfahrenen Räten, die ein konstruktives Miteinander pflegten.
"Mit der Mischung im Stadtrat bin ich sehr zufrieden", unterstreicht Beiergrößlein das aus seiner Sicht Erfolgsrezept für eine zukunftsträchtige Stadtpolitik. "Letztendlich orientiert sich die politische Diskussion an der Sache und daran, Entscheidungen zum Wohl der Stadt zu treffen, - und da trägt jeder dazu bei." Ganz unabhängig vom Alter.


Twens im Doppelpack

Andernorts fällt die Altersbilanz sogar noch mehr zu Gunsten der jüngeren Generationen aus. Beispielsweise in Ludwigsstadt, wo elf der 17 Ratsmitglieder die 50er-Marke noch nicht überschritten haben. Das Gleiche gilt für Wallenfels. Diese beiden Gremien plus das Kronacher sind zudem die einzigen im Landkreis, die sogar jeweils zwei unter Dreißigjährige in ihren Reihen haben. Etwas Nachholbedarf bei der Verjüngung des örtlichen Gremiums steht wohl nur in Nordhalben und Teuschnitz zur Debatte. Dort sucht man Ratsmitglieder diesseits der 40-Jahre-Marke zurzeit vergebens.
Ein Blick in die Statistik weist in den Gemeinde- und Stadträten des Landkreises Kronach insgesamt elf Mitglieder aus, die unter 30 Jahre alt sind. 44 sind zwischen 31 und 40 Jahre alt, 72 zwischen 41 und 50 Jahre. Das Gros der Ratsmitglieder im Frankenwald entstammt der Generation der 51- bis 60-Jährigen. Diese Gruppe stellt 101 Volksvertreter in den kommunalen Gremien. Alt und Jung halten sich um diesen starken Block mittleren Alters in etwa die Waage: Bei den 61- bis 70-Jährigen gibt es 56 Ratsmitglieder im Landkreis, bei den über 70-Jährigen sind es zwölf. Das spricht für Beiergrößleins These, dass sich ein gutes Gleichgewicht eingespielt hat, wodurch die Themen aller Altersgruppen in die Gremien einfließen können. Und das nicht nur in Kronach.