Christian N. ist sehr beliebt bei den Kindern. Mit zehn Jahren hat er die zweitlängste Dienstzeit im Gerhardinger-Kindergarten. Er kommt aus den Werkstätten der Lebenshilfe. Sein Einsatzort ist einer der 25 ausgelagerten Arbeitsplätze der Lebenshilfe, über die Etliche den Weg zum allgemeinen Arbeitsmarkt finden.
"Die Stadt hätte ihn längst schon direkt angestellt, doch ihm fehlt die formale Ausbildung als Kinderpfleger", erläuterte Gerhard Streit, der Psychologe bei der Lebenshilfe, die Besonderheit dieser Arbeitsstelle.
Streit stellte vor dem Forum für Menschen mit Behinderung "Integra" das Modell für den Übergang aus beschützenden Werkstätten in den allgemeinen Arbeitsmarkt vor. Rund 300 Menschen mit Behinderung arbeiten in den Lebenshilfe-Werkstätten. Zwei sind in Forchheim und zwei in Weilersbach. Wer von ihnen daran interessiert ist, und sich einen regulären Arbeitsplatz zutraut, kann sich über Praktika den Zugang zum allgemeinen Erwerbsleben verschaffen. Denn auch ein Mensch mit Behinderung habe das Recht, sich seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen, erklärte Streit.


Piasten und Siemens stellen ein

25 Personen machen derzeit davon Gebrauch: Drei von ihnen wechseln noch in diesem Jahr auf eine ganz normale Arbeitnehmerposition. Der eine im städtischen Bauhof, ein anderer als Lagerist für eine Online-Firma im Landkreis. Streit hätte noch mehr solcher Plätze zum Hineinwachsen. Geschätzt sind Tätigkeiten im sozialen und hauswirtschaftlichen Bereich, durch die Fachpersonal entlastet werden kann.
Beispielsweise bei den Firmen Piasten und Siemens gibt es auch Arbeitpslätze im industriellen Bereich. Die Aufgabe beim Pralinenhersteller ähnelt den Tätigkeiten in den Werkstätten, wo überwiegend Montage, Demontage und Verpackungsarbeiten durch geführt werden. Sie werden gern angenommen.
Auch die Tätigkeit bei Siemens passt in diese Kategorie, schilderte Streit. Doch sie setzt ein sehr gutes Sehvermögen voraus. "Ich würde das nicht mehr schaffen", räumte der Mittfünfziger ein. So bleibt die Zahl geeigneter Bewerber gering. Streit weiß von einer jungen Frau, der diese Tätigkeit gut gefallen hat. Doch sie musste sie wegen einer lang dauernden Erkrankung wieder aufgeben. Die "Wechsler" werden nicht allein gelassen. Sie haben Paten in den Firmen. Das sind Mitarbeiter, die ihnen "mal beispringen", beschreibt Streit es. Zudem schauen auch die Jobcoaches der Lebenshilfe bei ihnen vorbei.
Wenn möglich, motiviert Streit die jungen Leute bei der Lebenshilfe, wenn sie gerade die Berufsschulstufe beendet haben. "Hier muss man aber die Entwicklungsverzögerung bei geistig behinderten Menschen berücksichtigen." Und bei psychisch Kranken die Schwankungen bei der Leistungsfähigkeit.
Der Weg über Integra hat hierfür besondere Schutzmechanismen - über die Arbeitsbegleitung hinaus. So ist die Rückkehr zu einer Arbeit in den Werkstätten jederzeit möglich oder auch nur eine Teilzeitbeschäftigung auf dem freien Markt.