Die drei Kommunen der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Kirchehrenbach, Weilersbach und Leutenbach machten sich am Jahresanfang dank der Fernsehlotterie und der Caritas gemeinsam auf den Weg, nachhaltige Strukturen zu entwickeln, um die Lebensbedingungen ihrer Bürger zu verbessern. Dann kam Corona und bremste das ehrgeizige wie einzigartige Projekt in der Fränkischen Schweiz aus.

Umso größer war nun die Freude darüber, dass die Projektleiterin Anneliese Iser den Mitgliedern aller drei Gemeinderäte in der Kirchehrenbacher Doppelturnhalle die Ergebnisse der Haushaltsbefragung mit Sozialraumanalyse und die Ergebnisse der Experteninterviews vorstellen konnte, die sie noch vor dem Lockdown durchgeführt hatte. Sie hatte auch Gespräche mit Bürgern und Vereinsvorsitzenden geführt: insgesamt 21, von denen 19 ausgewertet wurden.

Ziel dieses Projekts ist es, die größtmögliche Versorgungssicherheit und soziale Teilhabe der Bürger in allen drei Gemeinden herzustellen. "Von zentraler Bedeutung ist nun die Beteiligung der Bürger", erklärte die Fachwirtin im Sozial- und Gesundheitswesen und gelernte Krankenschwester.

Der Caritasverband für die Stadt Bamberg und den Landkreis Forchheim, bei dem Iser mit einer Halbtagsstelle angestellt ist, hat am 1. Januar als Maßnahmenträger das Quartiersentwicklungsprojekt "In der Heimat leben - K-L-W" gestartet, dass von der Deutschen Fernsehlotterie gefördert wird. Wie Peter Ehmann, Geschäftsführer des Caritasverbands für die Stadt Bamberg , informierte, belaufen sich die Projektkosten in diesem Jahr auf 36 000 Euro. 29 100 Euro davon übernimmt die Fernsehlotterie. Im nächsten Jahr wird mit Kosten von 106 000 Euro gerechnet, von denen 84 000 Euro die Fernsehlotterie übernimmt. Gemeinderatsbeschlüsse zur Kostenübernahme gibt es zwar noch nicht, was aber so gut wie sicher erscheint.

Fast die Hälfte wird über 65 sein

Fast die Hälfte aller Einwohner des Landkreises Forchheim wird im Jahr 2038 über 65 Jahre alt sein. So jedenfalls lautet die Prognose. Wichtigste Zukunftsfrage wird daher sein, was in den Gemeinden gebraucht wird, damit ältere, behinderte und pflegebedürftige Menschen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden bleiben können.

Mit der stattgefundenen Sozialraumanalyse soll eine Konzeption erfolgen, die Bürger in verschiedenen Arbeitsgruppen erstellen. Die Rücklaufquote der im Juni und Juli schriftlich erfolgten Haushaltsbefragung betrug mehr als 25 Prozent. Von insgesamt 2600 Haushalten aller drei Gemeinden hatten 693 ihre Einschätzung abgeben, zum Beispiel zur eigenen Wohnsituation oder Barrierefreiheit im öffentlichen Raum.

Ehrenamtlich engagiert

Fast alle Wohnungen sind aktuell für Menschen mit Einschränkungen nicht geeignet. Eine Pflege vor Ort wünschten sich die meisten der Befragten. 220 gaben an, dass sie sich ehrenamtlich für hilfsbedürftige Menschen engagieren würden. Wichtig ist ihnen vor allem die Qualifizierung für das Ehrenamt und dessen Stärkung.

Viele wünschten sich, dass die Kommunen einen Mehrgenerationenraum schaffen. Auch Dienstleistungen, vor allem in Leutenbach, wo es so gut wie keine Einkaufsmöglichkeit gibt, sollten verbessert werden. Der öffentliche Raum sollte attraktiver gestaltet und Barrieren abgebaut werden. Auch die Mobilität sei eingeschränkt, obwohl die Mitfahrbänke so gut wie gar nicht angenommen werden.

Die meisten der Befragten schätzen Corona für nicht sehr gefährlich ein. Jedoch laut Iser erstaunlich ist: "Corona tut vielen gut, weil vorher ein Überangebot an öffentlichem Leben da war." Kurzzeit-, Tages- und Nachtpflege sind aktuell Fehlanzeige, jedoch in Zukunft von vielen gewünscht. Fehlanzeige sei auch die Suche nach einem Altenheimbetreiber. Laut Ehmann müsse eine Tagespflegeeinrichtung zu 100 Prozent ausgelastet sein. Sonst würden sich die rund 300 000 Euro jährlichen Betriebskosten für 15 Beschäftigte nicht tragen. Der Kirchehrenbacher Gemeinderat Siegfried Adami (SPD) beklagte, dass die Supermärkte auf der "grünen Wiese" entstehen und deshalb die Dorfläden und Bäckereien in den Orten aussterben. Dem widersprach der Weilersbacher Bürgermeister Marco Friepes (CSU/AB): Seit Edeka vor Weilersbach stehe, hätten im Ort selbst zwei Hofläden neu aufgemacht.

Termine der Info-Veranstaltungen

Als nächster Schritt finden Informationsveranstaltungen für die Bürger am 20. Oktober in der Doppelturnhalle in Kirchehrenbach, am 21. Oktober im Pfarrheim in Leutenbach und am 22. Oktober im Sportheim in Weilersbach statt. Danach sollen Arbeitskreise gebildet werden.