Eine Fahrradstadt wie Erlangen ist in der Regel nicht nur angenehm für Radfahrer, sondern meist auch ein gutes Pflaster für Fahrraddiebe. Einem offensichtlich gewerbsmäßigem Fahrraddieb wurde nun das Handwerk gelegt - zumindest für die nächsten Monate.

Auf frischer Tat ertappt

Am Dienstag stand ein 57-jähriger Mann vor dem Amtsgericht, weil er am Erlanger Hauptbahnhof auf frischer Tat ertappt wurde, wie er ein Fahrradschloss knackte. Dabei war es nicht unbedingt Zufall, dass der Mann an diesem Tag im Juni den Beamten vor Ort auffiel - sie kannten ihn nämlich. Er hat nicht nur schon verschiedene andere Straftaten auf dem Kerbholz, sondern wurde erst Ende 2019 für den Diebstahl von Fahrrädern in zehn Fällen verurteilt. Damals wie heute war er geständig - was angesichts der Beweise keine Kunst sein dürfte.

Im vergangenen Jahr will er sich nur solche Räder ausgesucht haben, die ohnehin "weggekommen" - also von der GGFA (Gesellschaft zur Förderung der Arbeit) abgeholt worden wären. Diese Einrichtung betreibt in Erlangen unter anderem ein Sozialkaufhaus und einen Gebrauchtwarenhof und räumt bei Bedarf den Fahrradparkplatz am Bahnhof auf. Dazu werden die Räder entsprechend gekennzeichnet und mit einer Abholfrist versehen. "Aber auch diese werden ja wiederverwertet und stehen nicht zur Mitnahme zur Verfügung", erklärte Richter Wolfgang Pelzl.

Trotz der Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe sei der Angeklagte kaum ein halbes Jahr später schon wieder straffällig geworden - diesmal wollte er ein fahrtaugliches Rad im Wert von immerhin noch rund 250 Euro mitgehen lassen. "Aus Geldnot", wie er über seinen Verteidiger erklären ließ. Er sei erheblich alkoholisiert gewesen und bedauere die Tat.

Gegen eine spontane Tat unter Alkoholeinfluss spricht aber der Inhalt seines Rucksacks: zwei Seiten- und einen Bolzenschneider hatte der Mann dabei. Zudem gab es Bilder in der Akte des Mannes, die eine angemietete Garage zeigen: voller Fahrräder in verschiedenen Umbau- und Reparaturstadien sowie mit einer kleinen Werkstatt ausgestattet. Weil der entsprechende Zeuge - der Vermieter dieser Garage - nicht geladen war, durften diese Bilder zwar nicht offiziell als Beweismittel eingeführt werden und damit bei der Strafzumessung keine Rolle spielen. Sie sprachen aber für sich.

Auf Nachfrage von Pelzl, warum er sich ausgerechnet für dieses Rad entschieden habe, gab der Angeklagte zur Antwort: "Das Schloss war leicht zu knacken." Kabelschlösser bekomme man leichter auf als Bügel oder Elementketten, klärte er auf - offenbar bewandert in solchen Dingen.

Am Ende verurteilte Pelzl ihn zu einer siebenmonatigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung wegen gewerbsmäßigen Diebstahls. "Dazu brauche ich keine Einlassung zu der Garage - Sie haben ja selber zugegeben, dass Sie aus Geldnot gehandelt haben." Das reiche aus für den Vorwurf der Gewerbsmäßigkeit. Außerdem sei er zwar mit 1,5 Promille wirklich "erheblich alkoholisiert" gewesen, aber sein strukturiertes Vorgehen - er war extra mit Werkzeug gekommen und hatte sich eine geeignete Beute ausgesucht - spreche eher für einen geübten Trinker, der sehr Wohl noch Herr seiner Sinne gewesen sei.

Zudem sei er während einer laufenden Bewährung einschlägig rückfällig geworden. "Da ist der Fall für mich ganz klar."

Mit dem zu erwartenden Widerruf der Bewährung aus dem früheren Fall dürfte der Mann nun mindestens ein Jahr hinter Gitter wandern.