Christoph Böger Mit so viel Gegenwind hatte Marita Nehring gestern während der vierten Sitzung des neuen Kreistages nicht gerechnet. Doch nach ihrem fundierten Vortrag über den aktuellen Stand der Entwicklung im öffentlichen Personen-Nahverkehr hagelte es Kritik - nicht am Konzept an sich, sondern viel mehr an der nach Meinung mehrerer Kreisräte schlechten Marketing-Strategie.

Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) regte eine "professionelle Öffentlichkeitsarbeit" an, schließlich müssten diese komplett neuen Maßnahmen gerade für die ältere Bevölkerung auf dem Land plakativer und bekannter gemacht werden. "Zum Beispiel mit großen Plakaten." Die Corona-Ausrede, die nach Meinung Rebhans inzwischen ja fast jeder benutze, wenn etwas nicht vorangehe, wollte der SPD-Mann für den ÖPNV nicht gelten lassen: "Es war genügend Zeit, um hier voranzukommen."

Rainer Mattern (CSU/Landvolk) wurde anschließend sogar noch deutlicher. Hier werde mit einer uralten Webseite gearbeitet, die den Benutzer irreführe. "Das ist der Wahnsinn. Wir sind jetzt seit vier Jahren mit diesem Thema unterwegs, jetzt muss endlich etwas passieren", stieß er ins gleiche Horn wie Rebhan. Und Ebersdorfs Bürgermeister Bernd Reisenweber (Freie Wähler) schlug der ÖPNV-Frau eine regionale App vor.

Die Botschaft der enttäuschten Politiker war deutlich. Doch unabhängig davon wurde der Beschlussvorschlag, nämlich 50 000 Euro für die Fortschreibung des Nahverkehrsplans für das Haushaltsjahr 2021 einzuplanen, anschließend einstimmig genehmigt. Schließlich soll der ÖPNV den Bedürfnissen der Bürger gerecht werden. Flexibilität soll im Landkreis durch die Kombination von festen Linien mit Rufbusverkehren erreicht werden, wie Nehring in dieser Woche bereits im Umwelt- und Mobilitätsausschuss dargelegt hatte (Tageblatt vom 17. September). Eine erneute Beteiligung des Landkreises ist ein positives Signal für den ÖPNV.

Resolution verschoben

Die Hochschule Coburg muss dagegen vorerst auf Unterstützung warten. Die geplante Resolution von Stadt und Landkreis Coburg sowie IHK zu Coburg zum Ausbau des Hochschulstandorts Coburg wurde nämlich nicht wie erwartet verabschiedet, sondern auf die nächste Kreistagssitzung im Oktober verschoben. Dazu Landrat Sebastian Straubel (CSU/Landvolk): "Hier gibt es noch Rede- und Abstimmungsbedarf." Wie zu erfahren war, kommt einigen Politikern der Landkreis in der vorliegenden Beschlussvorlage zu kurz.

Kreisrätin Heidi Bauersachs (CSU/Landvolk) gab als Patientenvertreterin des Landkreises einen kurzen Einblick in die Ängste, Nöte und Bedürfnisse von kranken Menschen und deren Angehörigen gerade in Corona-Zeiten. Dabei wurde sie deutlich: "Ich habe kein Verständnis für die pauschale Kritik am Klinikum, dass alles schlecht sei." In den Kliniken werde sich sehr bemüht und viel getan.