Michael Busch Es müssen schon dunkle Wolken am Himmel stehen und Gewitter drohen, um am Dechsendorfer Weiher auf weniger oder gar keine Badegäste zu treffen. Bei entsprechendem Wetter und den verlockenden Sonnenstrahlen geht es allerdings rund an dem etwa 0.35 Quadratkilometer großem Weiher. Aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt und der Stadt Erlangen strömen die Sonnendurstigen und Schwimmlustigen Menschen an das erfrischende Gewässer.

Doch nach dem tödlichen Unglück am Trebgaster Badesee mischt sich unter die Badefreude ein mulmiges Gefühl. Auch unter dem Aspekt, dass keiner so richtig weiß, ob es nach den Verboten der Corona-Pademie und den noch bestehenden Einschränkungen, bei Badeunfällen entsprechend schnell Hilfe gibt. "Kein Thema", sagt Christian Nitsche, technischer Leiter der Dechsendorfer DLRG. "Am Wochenende gibt es Wachdienst am Weiher, während der Woche sind wir schnell vor Ort, sollten wir alarmiert werden. Anzeichen dafür, dass Rettungsschwimmer im Einsatz sind, ist unsere Fahne neben dem Wachturm." Auch die ortsansässige Feuerwehr ist gegebenenfalls schnell vor Ort.

Regeln beachten

Christian Nitsche erklärt, dass man sich einfach an ein paar Regeln halten sollte, um die Gefahr zu mindern. "An Badeseen hängen in der Regel die Baderegeln aus. Einen Blick darauf zu werfen ist nicht verkehrt." Es sind die Klassiker: Nicht mit leerem oder vollem Magen ins Wasser, Nichtschwimmer nur bis zum Bauch ins Wasser, kein Sprung in unbekannte Gewässer, die fehlende Tiefe hat schon manchem - nicht nur sprichwörtlich - das Genick gebrochen.

Und im Falle eines Falles? Nitsche erklärt: "Wenn die Wachmannschaft vor Ort ist - ansprechen. Sollte dies nicht der Fall sein oder ist man zu weit von diesen entfernt: 112 wählen." Die Dechsendorfer DLRGler hat eine gut ausgebildete Mannschaft, die schnellstmöglich und gut ausgerüstet eingreifen kann.

Zwei Strände sind letztlich am Weiher zu beaufsichtigen. Aber die Gefahren lauern an den unterschiedlichsten Stellen. Der Weiher kann mit Tretbooten und Standup-Paddling erkundet werden. Oftmals in Bereichen, die von Seiten der Strände nicht mehr gut einsehbar sind. Übermütige Paddler, sitzend oder stehend, fordern immer mal das Glück heraus, um dann aus einem Unglück befreit werden zu müssen.

Rettungswege freihalten

Ein Wunsch der DLRG deckt sich mit den Wünschen der Feuerwehr. Thomas Schneider, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr appelliert an die Vernunft der Besucher: "Die Rettungswege und Zufahren bitte freihalten. Wir können nur schnell helfen, wenn wir schnell zum Einsatzort kommen." Am Wochenende sei die Situation manchmal katastrophal. Wildes Parken an der Dammüberfahrt, Autos rechts und links in der Campingstraße - es bleibe unnötig Zeit auf der Straße liegen, die für die Hilfesuchenden oft so wichtig ist.

"Wir sind nah man Weiher", sagt Nitsche. "Aber wir sehen auch die Probleme." Beim neuen Wasserrettungszentrum in der Naturbadstraße sind die Zufahrten oft zugeparkt. "Selbst vor den Toren stehen manchmal Autos." Mit dem neuen Zentrum wurde 2017 gestartet, zunächst der Planung, dann der Umsetzung. "Um unseren Ausbildungsstand gewährleisten und stetig weiterentwickeln zu können, unsere Einsatzmaterialien, Boote und Fahrzeuge sicher zu lagern und unterzustellen und unsere Jugendarbeit weiter auszubauen, benötigten wir dringend mehr Platz als der kleine Jugendraum am Weiher und mehrere angemietete Garagen."

Und Nitsche ergänzt: "Dieser Neubau muss größtenteils durch vereinseigene Mittel finanziert und durch unsere fleißigen Helfer überwiegend in Eigenleistung erbaut werden. Entgegen der vielfach verbreiteten Annahme arbeiten wir auf rein ehrenamtlicher Basis und sind auf Förderungen und Spenden angewiesen. Wir freuen uns über jede Unterstützung!" Das gelte zu Coronazeiten erst recht, die eine besondere Herausforderung für den Ortsverband Dechsendorf darstellte.

Bedingt durch Corona sind sämtliche Einnahmen aus Schwimm- und Erste-Hilfe-Ausbildung und Veranstaltungsabsicherung weggefallen - rund 13 000 Euro.