Es war eigentlich eine recht wenig diskutierte Entscheidung in der vergangenen Sitzung des Bauauschusses in Hemhofen. Da die Einfahrt von der Hauptstraße in den Reihendorfer Weg manchmal durch parkende Autos behindert ist, hatte der Ausschuss für die Einführung eines absoluten Halteverbots auf der südlichen Straßenseite zwischen Hauptstraße und Barthelweiher votiert. Insbesondere größere landwirtschaftliche Fahrzeuge hätten beim Abbiegen Probleme und es würden dadurch potenziell gefährliche Situationen auf der Hauptstraße heraufbeschworen, hieß es in der Begründung.

Anwohner zeigen sich nun aber wenig begeistert von der Entscheidung. Insbesondere für die Arztpraxis im Reihendorfer Weg 1 ist das Halteverbot ein großes Problem. "Über die Entscheidung bin ich sehr verwundert und sie ist auch keineswegs hilfreich", beklagt sich die Ärztin Dr. Kirstin Harrer. Besonders jetzt, mit den Herausforderungen durch die Corona-Pandemie, könne sie ein Halteverbot nicht nachvollziehen.

Harrer bietet täglich eine Anlaufstelle für Corona-Verdachtsfälle und hat neben ihrer Praxis ein Zelt für die Durchführung von Testabstrichen aufgestellt. Sie möchte diesen Service insbesondere auch deshalb aufrechterhalten, damit Hemhofener Bürger nicht extra in Nachbarorte oder nach Erlangen fahren müssten. Um ihre Patienten bestmöglich zu schützen setzt Harrer Piepser ein, wie sie auch in manchen Restaurants benutzt werden. Die Leute könnten dann in ihren Autos warten und müssten nicht ins Wartezimmer kommen oder im Freien stehen. "Ein Halteverbot würde mein komplettes Hygienekonzept umwerfen", kritisiert Harrer. Auch ein Ausweichen auf die andere Straßenseite direkt vor der Praxis sei nur bedingt möglich, da hier Platz für Rettungswagen bleiben müsse.

Ärztin bittet um Aufschub

Die Ärztin hat sich daher in einem Brief an den Gemeinderat beschwert und fordert, von dem Halteverbot zumindest zum jetzigen Zeitpunkt abzusehen. Bürgermeister Ludwig Nagel (CSU) habe sich die Situation auch bereits vor Ort angesehen. Nagel habe ihr zwar Unterstützung in der Corona-Krise zugesichert, das Halteverbot hält er aber für vertretbar, erzählt Harrer. Sie hofft, dass die Angelegenheit in einer der kommenden Gemeinderatssitzungen nochmals behandelt wird. Aus Reihen des Gremiums sei ihr bereits Unterstützung für ihr Anliegen signalisiert worden.

Weitere Anwohner der vier betroffenen Grundstücke haben sich ebenfalls mit einem Antrag an den Gemeinderat gewandt, da sie ein Halteverbot als zu massiv betrachten. Ein Anwohner gibt an, dass er hier eigentlich noch nie eine gefährliche Situation beobachtet habe, was auch Harrer bestätigt. Die Zufahrt zu landwirtschaftlichen Flächen wäre zudem über die Jahnstraße möglich. Es wird vielmehr befürchtet, dass Fahrer aufgrund der freien Sicht zum Rasen verleitet werden könnten. Zudem wird kritisiert, dass die Anwohner zuvor nicht befragt worden seien. Dennoch wolle man nicht alles blockieren. Auf ein Parkverbot könnte man sich beispielsweise noch einlassen. Der Verkehr im Reihendorfer Weg wird die Hemhofener Gremien in den nächsten Wochen also sicherlich noch etwas beschäftigen.