Im Streit um den Arbeitskampf der Philharmoniker und der Staatsbad GmbH hat der Bad Kissinger OB, Dirk Vogel (SPD), Stellung bezogen. Hier die Fortsetzung des Interviews von Seite 1.

Haben Gewerkschaft und Stadt schon mal miteinander geredet?

Dirk Vogel (SPD): Nein, wir hatten keine Gespräche mit der Gewerkschaft geführt. Es läuft alles schriftlich ab.

Der Tarifvertrag wäre maßgeschneidert auf Bad Kissingen. Warum setzt man sich nicht einfach mal an einen Tisch. Sind die Fronten so verhärtet? Reden kostet doch nichts?

Ja, man kann feststellen, dass die Fronten verhärtet sind. Das ist aber nicht besonders verwunderlich.

Sie meinen beispielsweise den Auftritt beim Welterbe Festakt mit Streikwesten?

Ja genau. Für die Gewerkschaft ist das ein Spiel, für uns bitterer Ernst. Ich fühle auch keine Würdigung unseres Kulturstandortes. Wir machen mehr, als andere Städte dieser Größenordnung. Und: Die Forderungen unterscheiden sich finanziell und vom Leistungsumfang erheblich von unseren Erwartungen und Möglichkeiten.

Die Musiker wollen über die Gewerkschaft zum Tarif kommen. Warum bietet die Stadt immer wieder Einzelgespräche an?

Die Unterschiede in den Forderungen der Gewerkschaft zu unseren Möglichkeiten sind zu groß. Deshalb wollen wir mit den Individualgesprächen einen Mittelweg fahren. Niemand wurde dafür einbestellt. In unserem Angebot beantworten wir die Kritikpunkte, die leistbar sind.

Hazar Birkan, die gekündigte Flötistin, der die Abschiebung droht, hat sich noch nicht öffentlich geäußert. Sie sagt, ihr geht es schlecht. Gibt es einen Ansatz, wie es in ihrem Fall weitergeht?

Zu den Kündigungen habe ich mich nie geäußert. Das ist Sache der Staatsbad GmbH und der Geschäftsführung. Die Stadt ist als Gesellschafter für die strategische Ausrichtung zuständig. Die Geschäftsführung für das operative Geschäft.

In ihrer Jugend waren Sie Punk. Sie sind SPD-Mitglied, eine Partei, die für gerechte Arbeitsbedingungen und Tariflohn steht. Warum hier nicht?

Ja, in der SPD geht es um faire Arbeitsbedingungen. Aber: Die diktiert nicht eine Gewerkschaft aus Berlin. Ich habe gerade als SPD-Mitglied für die Musikerinnen und Musiker des Orchesters ein höheres Gehalt durchgesetzt. Trotz der Corona-Pandemie haben wir betriebsbedingte Kündigungen vermieden. Das ist SPD pur würde ich sagen.

Aber ist es auch SPD pur Corona gebeutelte Künstler gegeneinander auszuspielen? In mancher Äußerung aus dem Rathaus klang es für manchen Leser danach, als ob die Musiker froh sein sollten, dass sie überhaupt noch einen Job haben.

Diese Bewertung teile ich nicht. Wir haben nur die Fakten dargestellt.

Um das Orchester fit für die Zukunft zu machen, hat sich ein Arbeitskreis gebildet. Die Aufgaben sind allerdings recht diffus geblieben. Was sind Aufgaben des Arbeitskreises?

Er dient als Thinktank und setzt sich mit kritischen Punkten auseinander. Da ist beispielsweise der Punkt der Musiker: Wir haben zu viele Konzerte zu spielen und die Belastung ist zu hoch. Im Arbeitskreis fragen wir uns, ob ein anderes Setting oder eine andere Besetzung des Orchesters möglich ist, um das für die Musiker akzeptabel zu gestalten. Wir sind da sehr offen. Die Frage ist immer: Wie finden wir miteinander einen Weg. In der Gruppe sind Vertreter von Stadt und Philharmonie sowie ein Mediator, der den Prozess begleitet. Sie haben bereits getagt und es gibt bald wieder eine Sitzung.

Warum hat die Stadt nicht auf Angebote der Gewerkschaft reagiert?

Sie waren zu extrem. Es war nie ein Angebot dabei in dem sie gesagt haben, dass man über die Entwicklungsstufen noch reden kann. Wir haben bislang nie ein Angebot bekommen, bei dem wir als Stadt sagen können: Das passt ins Gefüge. Bis vor Kurzem wurde öffentlich gesagt, wir hätten keine Gehaltssteigerungen angeboten. Dabei sind wir von 40 auf 30 Stunden gegangen. Dann kam wieder eine Anmerkung, dass auch daran etwas nicht passt. Ich glaube nicht, dass sich Stadt und Gewerkschaft derzeit einigen würden. Deren Ziel ist der Tarifvertrag und mir geht es darum vor Ort gute Arbeitsbedingungen zu realisieren.

Laut der Gewerkschaft reichen 30 Stunden nicht aus. Die Stadt würde dadurch stillschweigend ein Mehr an Überstunden bei den Musikern fordern. Wie sehen Sie das?

Nach Adam Riese sind nach Abzug der Konzerte noch 17 Stunden für sonstige Tätigkeiten übrig und wir haben noch eine Arbeitsgruppe, in der wir über die Ausgestaltung der Arbeitszeiten reden können. Das Argument des Umziehens vor den Konzerten lasse ich nicht gelten. Andere Arbeiter ziehen sich frühs auch an, man soll bitte die Kirche im Dorf lassen. 17 Stunden Zeit in der Woche für alles andere als die eigentlichen Konzerte ist eine Menge Freiraum.

Das Gespräch führte

Johannes Schlereth