Es regnete pausenlos und trotzdem war es ein schöner Ortstermin inmitten der Ködnitzer Weinleite. Dort, wo einige Ködnitzer Bürger mit einem "Lesesteinriegel" eine Artenschutzmaßnahme in diesen Herbsttagen anlegten.

Ein "Lesesteinriegel" hat nichts mit dem Lesen eines Buches zu tun, sondern die Lesesteine sind Zeitzeugen eines typischen Landschaftsbildes alter Weinbergslagen mit dazwischen liegenden Brachflächen. Initiiert wurde die Aktion von Karin Meißner, die sich mittlerweile in den Ruhestand verabschiedet hat. Die Aufgabe der Landschaftspflege hat nun Kristina Schröter übernommen, die bei dem Pressetermin für die Untere Naturschutzbehörde (Landratsamt Kulmbach) dabei war.

Die Finanzierung dieser Artenschutzmaßnahme und Landschaftsgestaltung erfolgte mit 2500 Euro als Kleinstmaßnahme über die Untere Naturschutzbehörde. Wie Kristina Schröter berichtete, sind die "Lesesteinriegel" typisch für die Ködnitzner Weinleite, und viele Arten wie Zauneidechsen, die Mauswiese, Laufkäfer oder Wolf-, Raub- und Springspinnen haben ihr Zuhause in den "Lesesteinriegeln". Das Naturschutzgebiet Ködnitzer Weinleite als Teil des Natura-2000- Gebiets erstreckt sich entlang der östlichen Hangbereiche des Weißmaintals von Kauerndorf bis nordöstlich von Trebgast und zeigt sich als markanter Terrassenhang.

Wie funktioniert das? Kristina Schröter: "Die Bauern sammelten die Steine auf den Feldern und häuften sie am Rande ihrer Grundstücksparzellen zu kleinen Wällen auf, welche die Weinstöcke schützten und das Kleinklima im Weinberg verbesserten." Damit wurden zahlreiche trockenwarme Biotope geschaffen.

Auf dem Grundstück, das der Kreis Kulmbach vor längerer Zeit kaufte, fehlte der "Lesesteinriegel". Jetzt ist er da! Die Steine wurden an anderen Stellen eingesammelt, wo sie aus Riegeln herausgebrochen waren. Sieben fleißige Helfer schufteten einen Tag, um die Steine aufzuschichten. Mit dem Zweiten Bürgermeister Heinz Mösch, der die Aktion in die Hand nahm, haben Gemeinderat Willi Kolb, Helmut Bittermann, Leonhard Hassold, Reinhold Hollweg sowie Holger und Peter Göhl zwölf Tonnen Kalksteine aufgelesen und angelegt.