"Wir versuchen, trotz der Einschränkungen aktiv zu bleiben und neue Wege zu beschreiten. Wir möchten mit unseren Aktionen vor allem auch unsere Berufskünstler fördern, die sehr zu kämpfen haben und zum größten Teil durch alle staatlichen Hilfsnetze fallen." So beschreibt Hannah-Katharina Martin die Bemühungen des Kulmbacher Kunstvereins. Einer dieser "neuen Wege" ist die Facebook-Seite des Vereins, auf der noch bis Juni mittwochs, freitags und sonntags einer der aktiven Mitglieder näher vorgestellt wird - jeweils mit kurzem Text, Bildern oder Videos.

Die Resonanz vor allem von den Künstlern sei sehr positiv, stellt Martin fest. Der permanente Lockdown bringe die Gefahr der Lethargie mit sich: Kunst braucht das Publikum, das derzeit aber ausgeschlossen werden muss. Ausstellungen finden nicht statt; sie sind allenfalls virtuell machbar.

Auch Künstler zahlen Rechnungen

Wie wichtig die Arbeit von Kunstvereinen gerade heute ist, zeigt sich daran, dass diese Kulturform vor ein paar Tagen in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Unesco aufgenommen wurde. Bei dieser Entscheidung hervorgehoben wurden vor allem die Verbindung von zivilgesellschaftlichem Engagement mit ehrenamtlicher Kunstvermittlung. In diesem Sinn "versuchen wir, unsere Mitglieder dadurch zu unterstützen, dass wir auf ihre Click-und-Collect-Angebote, Online-Shops, Möglichkeiten der Werksausleihe, kommende Ausstellungen und dergleichen hinweisen," denn auch Künstler müssen ihre Rechnungen bezahlen.? "Außerdem spielen wir ständig andere Möglichkeiten für den Kunstbetrieb durch: Kunst im öffentlichen Raum beispielsweise oder Nutzung von leer stehenden Gewerbeflächen", sagt Martin. "Und wir schauen ständig nach Fördermöglichkeiten für den Verein, der leider bis jetzt wie auch unsere Künstler durch jedes Hilfsprogrammnetz gefallen ist."

Dennoch verfällt der Kulmbacher Kunstverein nicht in Lethargie. Das Jahresprogramm 2021 steht soll auch im Rahmen der Möglichkeiten durchgeführt werden. Bereits zum elften Mal beginnt das Kunstjahr am 1. April mit der Reihe "7 aus dem Verein". Es steht unter dem Thema "Unter der Oberfläche". Die Projektleitung hat Zweite Vorsitzende Cornelia Morsch. "Im Badhaus und in der Oberen Stadtgalerie werden Arbeiten aus den Bereichen Druck, Assemblage, Fotografie, Zeichnung, Objekt, Malerei und noch vielem mehr ausgestellt", sagt sie. Zu sehen sein werden Werke von Frithjof Schaebs, Katrin Schinner, Doris Bocka, Marius Seidlitz, Nina Bergler, Karin Drechsler-Ruhmann und Klaus Morsch. "Vielleicht können wir eine Midissage oder eine Finissage Ende Mai zusammen mit Besuchern und den Künstlern feiern", hofft Morsch.

Durchs Schaufenster

Vorerst wird die Ausstellung jedoch so konzipiert, dass man diese durch das Schaufenster der Oberen Stadtgalerie und in den Schaukästen im Durchgang zur "Cuba Lounge" betrachten kann. Auch ist geplant, einige Werke in einem virtuell begehbaren 3-D-Raum zu zeigen. Im Mai ist eine Einzelausstellung der Würzburgerin Angelika Summa geplant. Unter dem Titel "Atmen" werden ihre raumgreifenden Skulpturen und filigranen Kleinplastiken die Hauptstelle der Kulmbacher Sparkasse bespielen. In Juni werden fernöstliche Gäste in Kulmbach erwartet: In Kooperation mit der Produzentengalerie von Lucia Young-Soon Scheid-Nam in Burgkunstadt zeigen koreanische Künstler ihre Werke. Im Juli zeigen dann 16 Mitglieder der internationalen Künstlergemeinschaft "Das Rad" aktuelle Arbeiten zu ihrer Beschäftigung mit dem Thema "Reibung" in der Obere Stadtgalerie und im Badhaus.

"Wir freuen uns, neben der Kunst aus eigenen Reihen immer wieder Künstlern aus anderen Regionen und Ländern in Kulmbach eine Plattform zu geben", sagt Morsch. "Harun Kloppe aus dem Westerwald ist ein solches Bindeglied: Der Künstler ist seit vielen Jahren Mitglied in unserem Kunstverein und beteiligt sich trotz des weiten Anfahrtswegs immer wieder an Ausstellungen in Kulmbach. Im August ist seinen Werken aus transparentem und farbigem Acrylglas eine Einzelausstellung in der Hauptstelle der Sparkasse gewidmet," kündigt Cornelia Morsch an.

Malerei und Radierungen des erst Ende 2020 mit dem Bamberger Berganza-Preis ausgezeichneten Peter Schoppel zeigt der Kunstverein im September in der Oberen Stadtgalerie. "Er zeigt pointiert den Gegensatz von Konstruktion und Natur, von Kunstformen und Naturformen." Die größte Dichte an Künstlern wird es in der Winterausstellung geben, die das Jahr 2021 für den Kunstverein beschließt: Alle Mitglieder sind wieder eingeladen, sich an der jurierten Ausstellung zu beteiligen.

Mehr Infos finden Interessierte unter kunstverein-kulmbach.de.