Ein Hammelburger Fall vor dem Verwaltungsgericht in Würzburg: Es ging um alte Mauern und neue Fenster im Zusammenhang mit Umbau und Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes in der Bahnhofstraße. Und der Vorsitzende Richter hat frühzeitig signalisiert, dass nach Überzeugung der 5. Kammer des Gerichts der Bescheid des Landratsamtes Bad Kissingen, für historische Holz- und gegen Kunststoff-Fenster, juristisch in Ordnung ist. Damit war die Luft raus, und es wurde ein "kurzer Prozess".

Klage zurückgenommen

Mit Erfolg erläuterte der Vorsitzende Richter Gerhard Weinmann den Eigentümern des Hauses, warum sie ihre Klage gegen den Bescheid des Landratsamtes zurücknehmen sollten. In dem war unter anderem der Einbau von Kunststoff-Fenstern und -Türen aus denkmalschutzrechtlichen Gründen für unzulässig erklärt worden. Die Klage wurde tatsächlich umgehend zurückgenommen, das Verfahren eingestellt und vom Gericht kam dazu ein "schwacher Trost". Der Vorsitzende zeigte sich beeindruckt von dem Gebäude in der Hammelburger Bahnhofstraße, obwohl er es nur von Lichtbildern in den Akten kennt: Ein zweigeschossiges ehemaliges Wohn- und Geschäftshaus, in die Denkmalliste eingetragen, "mit Satteldach und Zwerchgiebel, in Formen des barockisierenden Jugendstils um 1910". Darüber hinaus ist das Gebäude Bestandteil des Ensembles "Bahnhofstraße in Hammelburg" und damit Teil eines weiteren Baudenkmals.

Missverständnisse im Vorfeld der Kunststoff-Fenster sind nicht auszuschließen. Die Kläger wollen, laut den Akten, bei allen Kontakten mit der Behördenseite den Eindruck gehabt haben, dass denkmalrechtliche Bedenken an ihrer umfangreichen Sanierungstätigkeit von Elektroinstallation und neuen Abwasserleitungen bis zum Sanieren der Fenster nicht bestehen.

Rechtsanwalt Johannes Grell (Würzburg) wies für die Kläger darauf hin, dass die westliche Außenfassade des Gebäudes mit ihren Kunststoff-Fenstern von öffentlichen Verkehrsflächen gar nicht einsehbar ist, die Fassade sei in dem Abschnitt "versteckter Bestandteil einer verschachtelten Innenhofsituation ohne denkmalschutzrechtliche Merkmale".

"Augen des Denkmals"

Da müsse man "dreimal um die Ecke und zweimal über einen Zaun", bis man da Einblick auf die Kunststoff-Fenster habe. Zudem sei festzustellen, so der Anwalt, dass die einfach gehaltene Rückseite des Gebäudes weder die Baukunst von 1910, also den barockisierenden Jugendstil, wiedergeben kann noch aufgrund Lage und Ausrichtung städtebaulich von Bedeutung sei. Auch künstlerische Elemente könne man an der rückwärtigen Fassade nicht erkennen.

Dagegen sagen die Denkmalpfleger unter anderem: Die Fenster an der rückwärtigen Fassade wirkten sowohl nach außen als auch nach innen in den Raum. Sie seien des öfteren bereits als die "Augen des Denkmals" bezeichnet worden. Die Räume, an denen die rückwärtigen Fenster liegen, seien durch eine historische Ausstattung gekennzeichnet und würden von dieser geprägt. Vor allem das Treppenhaus bilde eine geschlossene historische Einheit, die im Wesentlichen durch Holzelemente bestimmt werde. Kunststofffenster stünden diesem historischen Gesamteindruck entgegen.

Als beim Landratsamt Bad Kissingen der Bauantrag für die Umbaumaßnahmen einging, waren historische Holzfenster an der West- und Rückseite bereits gegen Kunststoff-Fenster ausgetauscht. Trotz folgender Baueinstellung kamen dann aber noch weitere Fenster, eine Schiebetür und eine Hauseingangstür aus Kunststoff dazu. Wie es mit den eingebauten Kunststoff-Fenstern weitergeht, war nicht Inhalt dieses Rechtsstreits vor dem Verwaltungsgericht. Da müssen die Eigentümer mit den Denkmalpflegern neu "verhandeln".