Es wird keine Flickschusterei geben. Auch nicht "aus alt mach neu". Das war schon ziemlich bald nach der Ausschreibung zu Umbau und Sanierung der Kläranlage Scheßlitz vom März 2019 klar. Die vorgenannten Maßnahmen der beiden in die Jahre gekommenen Kläranlagen von Scheßlitz und Giech wären die Kommune teurer gekommen als gleich ein kompletter Neubau.

Und so konnte das Planungsbüro Miller aus Nürnberg jetzt den Stadträten das neue Projekt vorstellen. Mit dem Nürnberger Ingenieurbüro steht der Stadt ein erfahrenes Team zur Seite, wie ein Blick auf die Referenzen des Unternehmens zeigt. Dementsprechend ist es auch als eine Art "Markenzeichen" zu sehen, wenn in den Planungen Anleihen bei bereits laufenden Anlagen genommen werden und darauf verwiesen werden kann. Denn einer Art "Patenfunktion" kommt bei der jetzigen Planung für Scheßlitz die vor rund drei Jahren in Betrieb gegangene Kläranlage in Heiligenstadt zu.

Die Anlage in Heiligenstadt ist mit einer Auslastung für 6000 Einwohnerwerte (EW) zwar etwas kleiner als die künftige in Scheßlitz mit 10 000. Dass man im Ingenieurbüro aber auch größere Anlagen "kann", zeigen unter anderem die diesbezüglich erbrachten Leistungen für Erlangen und Nürnberg.

Routiniert und souverän präsentierte Thilo Brunner die künftige Anlage. Dabei ging es dem Planungsbüro auch um die harmonische Einfügung des neuen Baukomplexes "in die schöne Landschaft". Auch dafür kann Heiligenstadt stellvertretend stehen. Thomas Firnstein (CSU) äußerte zwar ein wenig Kritik am Prozedere der bisherigen Entscheidungsfindung insofern, dass sich der ganze Stadtrat zuvor nicht selbst ein Bild vor Ort in Heiligenstadt machen konnte, denn "man kaufe ja auch kein Auto, ohne es vorher angeschaut zu haben", zeigte sich aber mit dem aktuellen Stand der Planung einverstanden. Ralph Behr (Grüne) hingegen hatte sich zuvor selbst in Heiligenstadt von der Integration in die Landschaft überzeugt. Da Giech nicht hochwasserfrei ist, muss das Gelände im Bereich der neuen Kläranlage angehoben werden. Ausgehend von der Geländeoberkante wird aber eine Höhe von 4,5 Metern nicht überschritten.

Drei Baukomplexe

Das Bauvorhaben in Giech, zum Teil auf dem alten Gelände plus angrenzendem Neuerwerb, besteht aus drei Baukomplexen und einer Umfahrung. Es beinhaltet ein zentrales Betriebsgebäude mit Maschinenhaus, Leitstand und Sozialräumen sowie Belebungs- und Nachklärbecken. Die Anlage enthält ein Hebewerk, eine mechanisch-biologische sowie chemische Reinigung von Abwasser und Klärschlamm.

Auf Nachhaltigkeit wird dabei nicht nur in Bezug auf die Wasserbehandlung geachtet, sondern auch auf den dafür benötigten Energieverbrauch. Neu, im Gegensatz zu Heiligenstadt, ist die vorgesehene Stromgewinnung und -nutzung bei geringeren Kosten als noch vor drei Jahren. Denn zum Einsatz kommen soll in Scheßlitz außer der Photovoltaikanlage auf dem Dach die Brennstoffzellentechnik.

Statt bisher üblicher Stromspeicherung in Batterien zur Pufferung bei Stromüberschuss, soll der Strom bei der neuen Anlage in Tanks als Wasserstoff zwischengespeichert werden, um bei Bedarf mittels Brennstoffzelle wieder als Strom genutzt zu werden. Damit soll der Energieverbrauch auf unter 15 kWh/(E·a), also 15 kWh pro Einwohner und Jahr gesenkt werden.

Förderhöhe noch unbekannt

Die Kosten für die neue Anlage belaufen sich auf rund 8,1 Millionen Euro, inklusive Nebenkosten und Grundstückserwerb. Was davon förderfähig ist, muss im Einzelnen noch mit den entsprechenden Stellen geprüft und abgeklärt werden, so dass momentan noch nicht abschätzbar ist, was an einzelnen Kosten per Umlage und/oder Gebühren künftig auf die Bürger zukommen wird.

Das gilt auch für den Ausbau der Zufahrt für den Schwerlastverkehr sowie den Rückbau der alten Anlagen in Scheßlitz und Giech.

Die Vorarbeiten für die neue Anlage seien weitgehend getätigt und die Unterlagen können zwecks Abklärung der Zuschüsse "auf den Weg gebracht" werden. Nach Aussagen von Brunner könne der Bauantrag Anfang des neuen Jahres gestellt werden. Nach Prüfungen und baurechtlicher Zustimmung zum vorzeitigen Bau plus einer veranschlagten Bauzeit von 16 bis 18 Monaten wäre eine Inbetriebnahme noch in 2022 möglich. Ebenfalls steht in dem Zusammenhang noch die Anfrage im Raum, Wattendorf an die neue Kläranlage anzuschließen. Hierzu sollen bis Ende Januar entsprechende Aussagen, insbesondere wegen der zu erwartenden Kosten für Wattendorf möglich sein. Ausreichend Anlagen-Kapazität sei vorhanden, hieß es in der Sitzung. Und auch seitens der dafür genutzten Kanäle von Scheßlitz gäbe es laut Bürgermeister Roland Kauper (CSU) für die Durchleitung kein Problem.

Die Zustimmung für das neue Bauvorhaben erfolgte abschließend ohne Gegenstimme.