Nach einer fast einjährigen Bauphase hat die Naturstrom AG ihren Windpark an der Grenze der oberfränkischen Landkreise Kulmbach und Kronach in Betrieb genommen. Vier leistungsstarke Anlagen der 3-Megawatt-Klasse liefern genügend saubere Energie für mehr als 6500 Haushalte, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

"Damit ersparen wir der Atmosphäre jährlich circa 14 000 Tonnen CO2CO2", sagt Naturstrom-Vorstandsvorsitzender Thomas E. Banning. Zugleich mahnt er mehr Tempo bei der Energiewende in Deutschland an und fordert, dass Bayern die 10H-Abstandsregelung abschafft.

Die vier neuen Anlagen des Typs Vensys V20 bei Rugendorf sollen dank der insgesamt installierten Leistung von 12 Megawatt plangemäß zusammen 20 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen. Damit tragen die Windräder nicht nur zur Vermeidung klimaschädlicher CO2CO2-Emissionen bei, sondern fördern auch die Region durch Pachtzahlungen, lokale Aufträge und Gewerbesteuereinnahmen. Nach Vorstellung von Naturstrom soll es auch einen Sonderstromtarif für die umliegenden Ortschaften geben. Für das Projekt war eine lange Vorlaufzeit notwendig: Bereits 2014 wurde der Bau von drei Anlagen durch das Landratsamt Kronach genehmigt. Ein Jahr später folgte das Landratsamt Kulmbach für die vierte Anlage. "Leider wurden nach Erhalt der Genehmigung durch einen Verein Klagen gegen die Windenergieanlagen eingereicht", schreibt Naturstrom. Der Bau sei dadurch erheblich verzögert worden. Und selbst nach diversen Gerichtsentscheidungen pro Windpark gehe der Kläger weiter dagegen vor. "Ein Vorgang, der bundesweit zu beobachten ist und den Klimaschutz hintanstellt." Die Windenergie sei ein zentraler Bestandteil der Energiewende. Ohne sie sei die angestrebte Reduzierung der CO2CO2-Emissionen nicht möglich. Trotzdem sei der Zuwachs von Windenergie in Bayern erheblich ins Stocken geraten. Banning: "Ungeachtet der hervorragenden Ökobilanz konnten im Jahr 2020 in Bayern nur acht Anlagen ans Netz genommen werden, 2019 waren es sogar nur sechs und 2018 ebenfalls nur acht Anlagen."

Freie Wähler kontra CSU

Der schleppende Windkraftausbau im Freistaat hänge vor allem mit der 2014 in Kraft getretenen 10H-Abstandsregel zusammen. Sie besagt, dass der Abstand eines Windrads zur nächsten Wohnbebauung mindestens das Zehnfache seiner Höhe betragen muss - kein anderes Bundesland habe eine vergleichbare Restriktion. "Die 10H-Regelung hat in Bayern fast alle Möglichkeiten für den Windenergie-Ausbau zunichtegemacht", bedauert der Naturstrom-Chef, "eine dezentrale und umweltfreundliche Energiewende wird so bewusst behindert."

Obwohl Bayerns Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger sowie Umweltminister Thorsten Glauber (beide Freie Wähler) die Regelung kritisieren und deren Abschaffung befürworten, verteidige die CSU die umstrittene Bestimmung. Dies aber stehe im klaren Widerspruch zu den Klimazielen des Freistaates - insbesondere, nachdem Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts erklärt habe, dass Bayern nun zum Vorreiter in Sachen Klimaschutz werden und bis 2040 klimaneutral sein soll.

"Es sind also nicht einmal mehr 20 Jahre, um von derzeit gut 22 Prozent Anteil der Erneuerbaren am Gesamtenergieverbrauch in Bayern auf annähernd 100 Prozent zu kommen. Dieses Ziel kann ohne einen sehr ambitionierten Ausbau der Solar- und Windkraftwerke im Freistaat keinesfalls erreicht werden", erklärt Banning. "Wenn da nicht schnell die Bremsen gelöst und andere Gesetze beschlossen werden, die den mittelständischen Unternehmen, den Bürgern und den Stadtwerken in Bayern Raum zur Gestaltung ihrer Energiezukunft geben, dann werden alle großen Ansagen zum Klimaschutz kläglich scheitern." Die pauschale 10H-Abstandsregel sei "hochgradig unsinnig" und gehöre abgeschafft.