Der Belegungsplan, den Bürgermeister Martin Finzel in den Händen hält, ist von einer ganzen Reihe farbig markierter Blöcke belegt. "Wir sind praktisch komplett ausgebucht", sagt er. Es geht um das neue Lehrschwimmbecken, das die Gemeinde direkt an die Schule angebaut hat. Ein Projekt gegen den Trend. In vielen Kommunen werden Bäder geschlossen, meist führen Kostengründe zu dieser Entscheidung. Dabei fehlen hinten und vorne Bäder, in denen Kinder und Jugendliche schwimmen lernen können. Das, sagt Finzel, belege der Plan in seinen Händen überdeutlich.

"Es gibt einen enormen Bedarf, wir haben hier Belegung durch neun Schulen und Kindergärten und wir haben weitere Anfragen, die wir ablehnen müssen", beschreibt Finzel den Mangel an Möglichkeiten, Schwimmunterricht anzubieten. Ein Mangel, den für ihn auch die durchgehend ausgebuchten Schwimmkurse bestätigen, die von der Außenstelle der Volkshochschule (Vhs) in Ahorn, der Wasserwacht Ahorn-Witzmannsberg und Coburg im neuen Lehrschwimmbecken angeboten werden.

"Schwimmen ist eine Kernkompetenz, die immer mehr verloren geht, was sich durch Schließung von Bädern noch weiter verschärfen wird", ist Martin Finzel überzeugt. Seine Forderung an die Staatsregierung ist daher, die Kommunen bei der Schaffung der nötigen Infrastruktur zu unterstützen, damit nicht immer mehr Bäder verschwinden, die als Lehrbecken geeignet sind. Förderung für Kinder, die in Sportvereine eintreten, sei gut, reiche aber eben nicht aus.

Das neue Schulbad in Ahorn ist besonders als Lehrschwimmbecken konzipiert, nicht nur, weil der Zugang barrierefrei gestaltet wurde. "Der Boden lässt sich anheben oder absenken in 30-Zentimeter-Schritten von 30 Zentimetern Wassertiefe bis 1,80 Meter", sagt Martin Lüders, der zurzeit den Betrieb leitet. Es gibt jede Menge Utensilien, die für den Schwimmunterricht gebraucht werden können. "Wenn wir ein Spaßbad sein wollen, haben wir auch noch einige Sachen zum Aufblasen", sagt er. Für die Startphase hat die Gemeinde einen Vertrag mit der Bad Rodacher Thermalbad Service Gesellschaft geschlossen, der erst vor wenigen Tagen unterzeichnet wurde. "Wir sind sehr dankbar, damit einen Partner gewonnen zu haben, der mit mehreren Bädern zu einem der erfahrensten Unternehmen der Branche zählt", sagt Martin Finzel. Allerdings muss der Bäderbetrieb als Dauerlösung noch europaweit ausgeschrieben werden, was zu einem neuen Partner führen könnte.

Glückliche Wasserwacht

Vor allem die Schwimmer der Wasserwacht haben die Eröffnung des Bades herbeigesehnt. 2013 wurde das Bad im früheren Freizeitzentrum in Witzmannsberg geschlossen, wo die Wasserwachtler bis dahin trainierten. "Danach durften wir ungefähr drei Jahre lang das Hallenbad in Rödental nutzen. Später konnte nur noch sporadisch trainiert werden", sagt Matthias Reg, der die Wasserwacht Ahorn-Witzmannsberg leitet. Mit Blick auf den regen Betrieb hinter ihm im Becken: "Jetzt starten wir neu durch." Mit der neuen sicheren Trainingsmöglichkeit vor Ort werde die Wasserwacht hoffentlich auch wieder für neue Mitglieder interessant. Jeden Mittwoch von 17 bis 18 Uhr für Kinder und von 18 bis 19 Uhr für Jugendliche läuft die Schwimmausbildung. Danach trainieren die erwachsenen Rettungsschwimmer. Wer dabei sein will, kann sich unter der Telefonnummer 09561/80890 melden, oder am Mittwoch, um 17 Uhr am Bad vorbeischauen. Da kann es gut sein, dass er auch Ahorns Bürgermeister Martin Finzel trifft. Der hat nämlich auch schon angekündigt,, Mitglied der Wasserwacht werden zu wollen - nicht nur, um am Mittwoch ins Bad zu dürfen. Das steht nach der Startphase und einer schrittweisen Erweiterung des Betriebs auch zu bestimmten Zeiten für die Öffentlichkeit zur Verfügung, wie Martin Finzel ankündigte.