Im Juli 1998 gab der damalige Eberner Bürgermeister Robert Herrmann den Hinweis auf ein würfelförmiges Kapitell in Fierst an die Familie Dorsch. Die Herkunft des Kapitells (früher auch das Kapitäl genannt, ist der obere Abschluss einer Säule, einer Ante, eines Pfeilers oder eines Pilasters) war unbekannt, aber es handelt sich laut Kreisheimatpfleger Günter Lipp um die Reste eines mindestens 300 Jahre alten Bildstocks. Woher kam das Teil-Denkmal und was sollte damit geschehen?

Dass nur noch Teile vorhanden sind, komme oft vor, erläuterte Lipp. So zum Beispiel beim Kopf am Klausenbrunnen an der Marienkapelle, vom Westeingang her kommend. In Unterpreppach bekam die weiße Marter eine neue Säule. In Pfarrweisach wurde das Kapitell in die Begrenzung des Kirchhofs eingemauert, und in Frickendorf war nur noch ein Sockel vorhanden, und der wurde 2000 um eine Stele ergänzt.

In Szene setzen

Der Kreisheimatpfleger hatte rasch eine Idee, wie man das Fierster Fundstück gut in Szene setzen könnte. Er zeichnete Ende März 1999 den Vorschlag, das Kapitell auf eine einfache Säule zu setzen. Vorher müsse allerdings ein Kostenvoranschlag für die Reinigung und Konservierung des Steins eingeholt werden, und er teilte dies dem ehemaligen Bürgermeister Herrmann mit.

Mehrmals hat sich Lipp nach eigener Darstellung um eine würdige Aufstellung bemüht. Aber seit 1998 habe er in seinen Jahresberichten an den Kreistag immer wieder geschrieben, dass das Vorhaben unerledigt sei.

Im Mai 2016 wies Günter Lipp in Fierst auf das Fundstück hin und tatsächlich wurde im März 2018 von der Dorfgemeinschaft beschlossen, dass das Kapitell dort aufgestellt werden soll. Adolf Schad (der mittlerweile der Dorfälteste ist) erzählte, dass der Stein vor 60 Jahren vom Hemmendorfer Weg hinter der Giebfried-Scheune zum Haus der Familie Dorsch kam.

2018 wurde Steinmetz Thomas Groh eingeschaltet. Der Sockel wurde zunächst im Bauhof der Stadt gesucht, fündig wurde man schließlich in Höchstädten. Groh holte den Sockel, der sich von der Farbe her deutlich vom Kapitell abhebt, und richtete ihn her.

Ein "würdiger Platz"

2020 wurde als Standort die Giebelseite am Haus von Alfred Dorsch festgelegt. Im August 2020 stellte Thomas Groh den Bildstock dort auf. "Das Denkmal hat hier einen würdigen Platz bekommen", sagte Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) jetzt bei der offiziellen Übergabe des Denkmals.

Auf der Vorderseite sieht man Maria und Johannes unter dem Kreuz. Besonders spannend seien aber die Seiten des Kapitells, erläuterte der Kreisheimatpfleger Günter Lipp. Dort sind der heilige Andreas, Petrus mit seinem Schlüssel, der wegen des gebrochenen Steins indes verloren gegangen ist, und Paulus zu sehen. Oben erkenne man eine Öffnung, in der früher sicherlich ein Kreuz steckte, entweder aus Metall, wahrscheinlicher aber aus Stein. Günter Lipp freute sich, dass er das Projekt nach sage und schreibe 22 Jahren erfolgreich abschließen könne.