Dagmar Besand

Städtepartnerschaf-
ten und -freundschaften leben von persönlichen Beziehungen. Wo sie fehlen, bleibt die Urkunde nur ein Dokument unter vielen. Dass es dagegen fantastisch läuft, wenn die Chemie zwischen den Beteiligten stimmt, zeigt das Beispiel Kulmbach-Lüneburg.
Die Beziehungen zwischen den beiden Städten sind älter als alle anderen offiziellen Partnerschaften, Patenschaften und Freundschaften der Stadt: Erste Kontakte zwischen den damaligen Oberbürgermeistern Wilhelm Murrmann und Alfred Trebchen ergaben sich 1965 auf einer Tagung des Deutschen Städtetages in Nürnberg und wurden im Juni 1967 bei der Hauptversammlung des Deutschen Städtetages in Bremen vertieft.
Beide Seiten verbanden schon damals viele Gemeinsamkeiten: So wurde in der Lüneburger Brauerei Kulmbacher Malz verarbeitet, in beiden Städten gab es eine Kopie der Ebstorfer Weltkarte. Die Prinzessin Sophie von Braunschweig-Lüneburg-Celle heiratete 1579 den Kulmbacher Markgrafen Georg-Friedrich.


Eine Liebesgeschichte

Ob das damals eine Heirat aus Liebe war? Wir wissen es nicht. Bei einem anderen Paar dagegen ist das eine klare Sache: Beim Besuch der Stadtkapelle Kulmbach im Jahr 2014 in Lüneburg hat es zwischen der Flötistin Anna Schmitt vom Stadtorchester Lüneburg und dem Schlagzeuger Sebastian Kremer von der Stadtkapelle Kulmbach gefunkt. Im vergangenen Jahr wurde das Paar in Burgkunstadt getraut, und das junge Paar musiziert jetzt gemeinsam in der Stadtkapelle. Musik verbindet. Beide freuen sich auf das bevorstehende Wochenende, wenn die Musiker beider Orchester wieder gemeinsam auf der Bühne stehen.
"Über die Jahre sind zwischen unseren beiden Vereinen viele gute Freundschaften entstanden", sagt Dirigent Thomas Besand, der sich ausgezeichnet mit seinem Lüneburger Kollegen Volker Masemann versteht. "Wir haben früher schon immer regelmäßige Vereinsausflüge nach Lüneburg gemacht, sind dort auch aufgetreten, zum Beispiel bei den Stadtfesten."


Kollegen mit Herz

Enger wurde die Bande ab dem Jahr 2010. Der Kulmbacher Stadtkapellen-Vorsitzende Roland Jonak und der Lüneburger Vorsitzende Matthias Böke sorgen dafür, dass der Kontakt nie abreißt und immer wieder wechselseitige Besuche stattfinden.
Wie sehr die beiden Ensembles sich einander verbunden fühlen, zeigt ein Unglücksfall im Jahr 2013: Am 17. Januar brannte das Lüneburger Vereinsheim ab, in dem das Orchester die Nachwuchsausbildung durchführt. Noten und ein Teil der Instrumente wurden zerstört. Die Kulmbacher wollten helfen, organisierten zu Ostern spontan ein Benefizkonzert, bei dem auch die Lüneburger mitwirkten, und schenkten dem befreundeten Verein nicht nur den Erlös aus den Eintrittsgeldern, sondern zusätzlich auch noch ein fast neuwertiges Schlagzeug.
Bei der Sportlergala am Freitagabend in der Stadthalle treten die Musiker als Gemeinschaftsorchester auf und umrahmen mit einigen Musikstücken den in die Veranstaltung integrierten Festakt zum Jubiläum. Etwa 50 Musiker spielen unter der Leitung beider Dirigenten.
Ihr ganzes Können zeigt die gemischte Musikertruppe dann am Samstagvormittag bei einem Platzkonzert vor dem Rathaus. Beginn ist um 9.45 Uhr, der Eintritt ist frei. "Wir bleiben unserem Motto treu und spielen Stücke von klassisch bis modern", sagt Dirigent Thomas Besand.


Gemeinsames Repertoire

Kompositionen von Richard Wagner sind ebenso dabei wie ein Potpourri spanischer Melodien und bekannte Märsche. Zeit zum Proben haben die Musiker vorab nicht, "aber unsere Repertoires haben eine ansehnliche Schnittmenge, und wir haben ja schon öfter gemeinsam musiziert".
Nicht nur zwischen aktiven Vereinen, sondern auch auf der politischen Ebene läuft es rund: Im Lauf der Jahre wurde die Zusammenarbeit von Ratsgremien und Verwaltung intensiviert, denn Kulmbach und Lüneburg haben ähnliche kommunale Strukturen und Herausforderungen.
Auf die Jubiläumsfeierlichkeiten freut sich auch der Kulmbacher Oberbürgermeister Henry Schramm: "Durch viele persönliche Kontakte ist aus dem Pflänzchen der Städtefreundschaft längst ein starker Baum der gegenseitigen Wertschätzung und der langjährigen Freundschaften zwischen Menschen entstanden."