Was macht eine Gruppe, die auf die Gestaltung der Kirchweih spezialisiert ist, wenn die Kerwa wegen Corona größtenteils ausfällt? Sie wird kreativ - wie die Aicher Kerwa-Moggl in der vergangenen Woche. Es habe viele Diskussionen in dem Organisationsteam der Kirchaicher Kirchweih gegeben, erzählte Christian Kager im Gespräch mit dieser Redaktion, "weil uns die Kultur und Tradition der Aicher Kerwa sehr am Herzen liegen". Aber der Infektionsschutz sollte natürlich gewährleistet sein. Und so entstand das diesjährige Kerwa-Motto "Ich war da(heim)".

Eines war wie immer: Zum Start der Kirchweih war fast das ganze Dorf mit Kerwa-T-Shirts ausgestattet. Normalerweise ziert diese der Aicher Moggl und darum herum fügt sich der Kerwa-Spruch. Der Moggl ist heuer durch ein stilisiertes Virus ersetzt - und es gab ein ganzes Kerwa-Paket mit Mund-Nase-Bedeckung sowie Armbändchen, Einkaufstasche und Getränk. Das war das Kerwa-daheim-Paket; "dazu wollten wir die Leute mit digitalen Inhalten versorgen", so Christian Kager.

Die Aicher Facebook-Seite "Aicher Moggl" gibt es schon seit Jahren. Dort wurden mehrere kurze Videoclips veröffentlicht, die durch die Kerwa führten. Hauptdarsteller: das Coronavirus, das zum Kerwa-Bürgermeister gewählt wird. Es stellt strikte Anti-Kerwa-Regeln auf und kontrolliert diese streng: schaut nach, ob die Singstunde wirklich ausfällt, dass ja kein Autoscooter am Festplatz aufgestellt wird, dass die Strohbären nicht tanzen.

Nicht verhindern konnte er, dass es einen Kirchweihbaum in Kirchaich gibt. Der wurde diesmal maschinell statt mit Muskelkraft aufgestellt. Schwarz-weiß gerändert, mit einem Trauerkranz und einem Schild versehen, wollten die Moggl dennoch sichtbar machen, dass in Kirchaich Kerwa ist - wenn auch anders. Die Kirchweihgottesdienste waren ebenso gut besucht wie die Gasthäuser, denn der Bocksbraten und andere Spezialitäten waren alles andere als digital. Und die Familien waren auch ohne Vergnügungspark beschäftigt. Dafür sorgte die Do-it-yourself-Kirchweih der Kindertagesstätte Sankt Josef.

Im Informationsblatt der Kerwa-Moggl war eine "Aufgabenliste" für das Kirchweihwochenende abgedruckt. Aufgaben waren dabei, eine Kerze in der Kirche anzuzünden, den Kerwasbaum der Kindertagesstätte zu schmücken, ein Bild der Strohbären zu malen und in der Kindertagesstätte aufzuhängen, aber auch folgende Anforderungen: "Wie oft kann man in fünf Minuten auf dem Spielplatz rutschen oder ein großes Stück Kuchen essen?" Rund 50 Familien beteiligten sich am Kirchweihwochenende an der Aktion und sicherten sich den "Goldenen Moggl" als Preis.

Für die "Aicher Moggl" fasst Christian Kager zusammen: "Die Corona-Richtlinien wurden durchweg eingehalten, darüber sind wir sehr froh. Es hat sich trotzdem gezeigt: Auch in solchen Zeiten sind wir eine echt starke Gemeinschaft, das Feedback war überwältigend und durchweg positiv, nicht nur bei den Aichern."

Am heutigen Mittwoch will Kager das Abschlussvideo hochladen, das viele Kirchaicher bereits mit Spannung erwarten.