Arbeitslosigkeit ist nicht selten die Folge einer Suchterkrankung. Und eine Suchterkrankung ist häufig der Grund, dass eine berufliche Integration nicht gelingt. Ausgehend von diesen Erkenntnissen hat die IHK Mittelfranken zusammen mit den sozialen Betrieben der Laufer Mühle vor gut sechs Monaten ein bundesweites Modellprojekt gestartet und vor Kurzem erfolgreich abgeschlossen.
"Ziel des Projektes ist es, durch rechtzeitiges Erkennen der Suchtproblematik im Betrieb menschliches Leid und Arbeitslosigkeit zu verhindern und gleichzeitig Möglichkeiten der Wiedereingliederung ehemaliger suchtkranker Menschen in die Arbeitswelt zu schaffen", so Dirk von Vopelius, Präsident der IHK Mittelfranken. "Dafür braucht man Fachleute. Solche Experten sind nun die frisch gebackenen Absolventen unseres Lehrgangs", sagt der Präsident.
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, hat in einer Feierstunde an die Teilnehmer die Abschlusszertifikate zum "betrieblichen Suchtberater/IHK" überreicht. "Menschen wie Sie brauchen wir in deutschen Unternehmen. Sie sind einerseits direkte Kontaktperson für Kollegen, die mit Alkohol oder Medikamenten Probleme haben, anderseits sind Sie Ansprechpartner für die Unternehmensleitung, für den Betriebsrat und die gesamte Belegschaft, wenn es darum geht, auf die Gefahren von Suchtmitteln hinzuweisen", so Mortler.
Neben einer umfangreichen Wissensvermittlung wurden die Teilnehmer darauf geschult, Gefahren im Unternehmen rechtzeitig zu erkennen und durch gezielte Strategien gegensteuern zu können. Eingeübt wurden auch unterschiedliche Gesprächssituationen, durch die ein vertrauensvoller Zugang zu betroffenen Personen möglich wird. "Menschen mit Suchtproblemen können nicht nur ihre Leistungen nicht in vollem Umfang abrufen, sondern leiden auch unter diesem Problem. Wird diesen Mitarbeitern nicht rechtzeitig geholfen, werden sie krank und verlieren infolge dieser Erkrankung ihren Job", erklärt Dirk von Vopelius bei der Zertifikatsfeier die klassische Abwärtsspirale von der Krankheit in die Arbeitslosigkeit.


Wege aus der Abhängigkeit

In Deutschland gibt es 1,6 Millionen alkoholabhängige und 1,4 Millionen medikamentenabhängige Menschen. Dazu kommen noch 2,5 Millionen Bundesbürger, die stark suchtmittelgefährdet sind. "Diese Zahlen machen deutlich, dass das Thema Sucht längst auch in deutschen Betrieben präsent ist", meint die Bundesdrogenbeauftragte Mortler, die sich deshalb freut, dass durch das erfolgreiche Modellprojekt "konkrete Wege beschritten werden, dem Suchtproblem am Arbeitsplatz wirkungsvoll zu begegnen."
Die elf Lehrgangsteilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet waren von ihren Firmen entsandt worden, um nach ihrer Ausbildung Maßnahmen der Suchtprävention zu implementieren, betriebliche Suchtvereinbarungen einzuführen und kompetente Ansprechpartner für Menschen zu werden, die in die Fänge von Suchtmitteln geraten sind. "Sie werden viele Menschen schützen, damit sie nicht abhängig werden, und sie werden vielen Menschen helfen, damit sie den Weg aus der Abhängigkeit finden", ist Mortler überzeugt, nachdem sie ausführlich über die Inhalte dieser Qualifizierung informiert worden war.
Da aber manche Unternehmen aufgrund ihrer Größe keinen eigenen Suchtberater einstellen können, haben die sozialen Betriebe der Laufer Mühle dafür nun gleich ein weiteres Angebot gestartet: Drei Mitarbeiter, die ebenfalls an der Schulung teilgenommen haben, können ab sofort von regionalen Firmen angefragt und beauftragt werden, beim Aufbau der betrieblichen Suchthilfe mitzuwirken. Dieses Angebot richtet sich aber auch an Schulen, "denn auch dort gibt es vermehrt Probleme mit Suchtmitteln, denen durch gezielte Maßnahmen, Einhalt geboten werden kann", so Michael Thiem vom Aischgründer Therapiezentrum, in dem auch einige praktische Unterrichtseinheiten der Ausbildung zum "betrieblichen Suchtberater/IHK" abgehalten wurden. red