Die Grundschule Mitwitz kreierte einen Projekttag rund ums Thema "Lesen" und hatte phänomenalen Erfolg. Ein Höhepunkt im Tagesprogramm war der Bamberger Schauspieler Stephan Bach, der die Kids mit sei...
Die Grundschule Mitwitz kreierte einen Projekttag rund ums Thema "Lesen" und hatte phänomenalen Erfolg. Ein Höhepunkt im Tagesprogramm war der Bamberger Schauspieler Stephan Bach, der die Kids mit seinem "interaktiven Lesen" völlig aus den Angeln hob.
De "Püebl", die "Housnkuh", "Das magische Baumhaus", Fußball spielen, Parcours laufen, Lesezeichen basteln, Hunde streicheln. Lesen ist einfach nicht nur lesen, sondern erleben. Deshalb wuselten die Grundschüler mit ihrem Laufzetteln durchs Schulhaus, ständig auf der Suche nach dem nächsten Workshop. Sie beschäftigten sich mit Sagen, erlebten Hänsel und Gretel mal anders, hinterließen Lesespuren, spielten Fußball oder tobten sich im Parcours aus. Was jedoch nirgends fehlte, waren die Bücher - und ihre Magie, die sich darin versteckt.
Die achtjährige Ayla geht in die Zweite Klasse und hat zu Hause acht Katzen, wie sie stolz verkündet. Im gleichen Moment streichelt sie die zehnjährige "Luzie". Luzie ist ein Lesehund, ein English Setter und an Kinder gewöhnt. Schließlich ist das ihr Job: zuhören, sich streicheln lassen, da sein. Besitzerin Elke Höfner, die schon seit einigen Jahren mit ihrem Hund "lesetechnisch" unterwegs ist, weiß um die beruhigende Wirkung der Hunde auf die Kinder. "Hier an der Grundschule arbeiten wir schon länger mit dem Lesehund "Emma" von Monika Schlensog und haben beste Erfahrungen gemacht", meint Rektor Hans-Gerhard Neuberg. Auch aus diesem Grund überlegt das Schulteam, ob man die eine oder andere Erfahrung fest in den Unterricht integrieren könnte. Ein Schritt dazu ist schon getan, denn: "Im nächsten Schuljahr führen wir Lesepaten ein. Außerdem wird der Bücherbus einmal monatlich hier fest Station machen."
Und während es in den Klassenräumen eher ruhig zugeht, ist in der Turnhalle ganz schön was los. Hier verbindet nämlich Lehrer Philipp Montag das Fußballspielen mit dem Lesen und die Kids sind begeistert. "Das ist voll cool", finden sie und würden am liebsten nie mehr in den "normalen Unterricht" gehen. Auf der anderen Seite der Halle erklärt Lehrkraft Daniel Förtsch gerade, welche Anforderungen der Leseparcours stellt. Seilhüpfen, Ball spielen, rückwärts robben gehören offensichtlich dazu.
Fester Treffpunkt war die Aula, wo sich schon eine halbe Stunde vor Beginn seines Auftritts der Bamberger Schauspieler Stephan Bach "warm redete." Oder auch warm räusperte und warm sang. Oder Töne von sich gab, die fast schon undefinierbar waren. In seiner Piratenkluft wirkt er etwas abenteuerlich und vorsorglich machen alle erst einmal einen großen Bogen um "den seltsamen Mann." Dabei ist Stephan Bach, der das Bamberger Theater im Gärtnerviertel mitgegründet hat, einer, der Kinder liebt, aber auch seinen Beruf. "Deshalb habe ich das mit dem interaktiven Lesen angefangen. Ich bin nun mal Kind des 20. Jahrhunderts und das wird sich auch nicht ändern. Ich liebe Bücher, aber lesen alleine ist für Kinder zu langweilig. Da muss man sich schon etwas mehr Mühe geben, um sie dafür zu begeistern."
Der Lärmpegel, den er 20 Minuten später verursacht, ist wohl kaum noch messbar, denn die Kids geraten außer Rand und Band. Stephan Bach liest aus "Das magische Baumhaus" von Mary Pope Osborne und lässt Geräusche nachahmen, regt die Grundschüler zum Mitmachen an. Erstaunt stellten die Kinder fest: "Lesen macht voll den Spaß!"