bernhard Panzer Sie lassen nicht locker, die Akteure der Bewegung "Fridays for Future". Auch in Herzogenaurach nicht. Nach dem Motto "Steter Tropfen höhlt den Stein" haben die Jugendlichen und ihre erwachsenen Unterstützer die ersten Erfolge eingefahren, die Bewegung und ihre Aktionen "sind angekommen", wie es Astrid Holzammer formuliert.

Sie ist die Sprecherin der "Parents for Future" in Herzogenaurach, also der Eltern. Sie unterstützen die Jugend auch in ihrer aktuellen Aktion. Deren Organisator wiederum ist Thilo Schaufler, und er wirbt in diesen Tagen aktiv für den nächsten großen Klimastreik. Möglichst viele Teilnehmer sollen am kommenden Freitag auch aus Herzogenaurach nach Erlangen kommen, wünscht er sich, und meint damit vor allem die Schüler. Erste positive Nachrichten aus Herzogenauracher Schulen, die früher Unterrichtsschluss machen wollen, beflügeln ihn (siehe unten stehend).

Dazu trägt nach Schauflers Ansicht auch eine Aktion bei, die die Klima-Aktivisten in den Tagen vor dem Streik in Kooperation mit den Schulen durchführen. In vier Pausenhöfen wird der "Klimaschutzwürfel" des Vereins Energiewende ERH aufgestellt. Die Mittelschule machte am gestrigen Dienstag den Auftakt, von Mittwoch bis Freitag folgen nun Realschule, Gymnasium und Liebfrauenhaus.

Dabei handelt es sich um einen großen Würfel, auf dessen Seiten die Schüler eigene Ideen rund um das Thema Klimaschutz notieren oder auch auf Fragen antworten können, die ihnen die Organisatoren vorgeben. Damit soll auch dazu beigetragen werden, das Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz in den Köpfen der Schüler zu verankern, berichtet Schaufler in einer Pressemitteilung.

Der Würfel sei aber auch "ein sehr schönes Aufklärungsmittel". Denn auf einer Seite ist eine Grafik angebracht, die den täglichen Pro-Kopf-Ausstoß von CO2 skizziert: Deutschland ist da, deutlich sichtbar, ganz oben und sogar noch vor China. Dieses Land ist nur viel größer, sagt Schaufler. Aber Deutschland sei unter anderem bei der Braunkohle trauriger Spitzenreiter. Hier brauche es ein Umdenken und man könne damit auch anderen, selbst größeren Ländern eine Impulskraft geben, mehr für den Klimaschutz zu tun.

Auch Astrid Holzammer sieht im Klimaschutz durchaus auch wirtschaftliche Chancen. Eine Viertelmillion neuer Arbeitsplätze sei in diesem Zusammenhang möglich, denn auch da brauche es Prozesssteuerungen, Digitalisierung und Speichermöglichkeiten. Und deshalb richten die Klimaaktivisten, ob jung oder schon etwas älter, ihre Forderungen an die Politik und die Regierung. Die Wirtschaft sei entsprechenden Maßnahmen gegenüber sicherlich offen, meinen sie, aber es müssten die Rahmenbedingungen geschaffen werden. "Und da fehlt's noch", sagt Schaufler.

Kritik an der Stadt

Und bezieht sich damit auch auf die Stadt Herzogenaurach. Man hätte den Klimawürfel auch gern im öffentlichen Raum aufgestellt, am besten in der Innenstadt, aber das sei abgelehnt worden. Der 22-Jährige zitiert ein Schreiben der städtischen Klimaschutzbeauftragten Mignon Ramsbeck-Ullmann. Demnach möchte die Stadt Herzogenaurach "eine Beteiligung ausschließen, um dies im Rahmen der von Jugendlichen für Jugendliche geplanten Aktion zu belassen." Man nutze bereits zahlreiche Kanäle, um Aufmerksamkeit bei den Bürgern zu erreichen, heißt es weiter.

Für Schaufler ist das enttäuschend und zu wenig. Die Klimakrise könne nicht durch ein als Beispiel für städtische Maßnahmen genanntes "Ortseingangsschild" abgehandelt werden. "Echter Wille zur Veränderung kennt keine Aufzählung von Errungenschaften, sondern das Bestreben, neue Wege und Ideen zu finden, weiteres Engagement zu verwirklichen."

Auch wenn Herzogenaurach sich als Energie- und Klimaschutzkommune bezeichne, "wird aufklärungstechnisch zu wenig gemacht", sagt der Student. Deshalb nehme man das eben selbst in die Hand, denn "es kann keine Obergrenze für Klimaschutz geben." Mit Würfel und Streik soll es nicht getan sein. So will man, "passend zur Weihnachtszeit", Wünsche von Herzogenauracher Bürgern zum Thema sammeln und diese dann zum Fest am Weihnachtsbaum in der Innenstadt anbringen.

Die "Parents" unterstützen den Einsatzwillen der Jungen. Sie selbst haben, wie Astrid Holzammer berichtet, zahlreiche Briefe beispielsweise an Schulen, Eltern, Ärzte oder Kirchen geschrieben. Darüber hinaus wurden etwa 4000 Flyer an private Haushalte und zahlreiche Plakate für Läden verteilt. Die Aktion sei von den Gewerbetreibenden sehr positiv aufgenommen worden.