Fünf Mal im Jahr gibt es in Rentweinsdorf ein Highlight. Da lädt der CVJM (Christlicher Verein junger Menschen) zu einem Männerabend ein. Meist sind es zwei oder drei Dutzend Männer jeden Alters, die sich im CVJM-Haus treffen. Nach einer Brotzeit gibt es das eigentliche Schmankerl. Ein Referent berichtet über Erlebnisse, die sozusagen aus dem Rahmen fallen.

Während im Frühjahr ein Missionar aus Südafrika von seinen vielfältigen Erfahrungen berichtete, hatte dieses Mal Wilfried Elflein das Ehepaar Inge und Manfred Wagner aus Königsberg eingeladen. Sie haben mit ihrem Fahrrad auf zusammenhängenden Touren fast 100 Länder unter die Reifen genommen. Wilhelm Kreyer charakterisierte die beiden als Weltenbummler, Globetrotter, Traveller und Fernradler, die bei ihren Touren stets auch den Kontakt zu den Einheimischen suchen.

Schwerpunkt ihrer Präsentation war die Radreise im vergangenen Herbst durch den Iran. Da die Referenten die Zuhörer aufforderten, ihre Fragen gleich während des Vortrags zu stellen, entwickelte sich eine äußerst lebendige und spannende Diskussion. Bei ihren Reisen schleppen die Wagners in den Packtaschen alles mit, was man braucht, wenn man unabhängig von Unterkünften sein will: Zelt, Schlafsäcke, Iso-Matten, Kocher, Töpfe, Werkzeug, Ersatzteile, um nur das Wichtigste zu nennen. Der Preis für die Unabhängigkeit ist ein mehr als 50 Kilogramm schweres Zweirad.

Obwohl die Königsberger oft zelten, hatten sie nie Angst vor einem Überfall. Es klingt fast unglaublich, wenn sie berichten, dass sie täglich mehrmals hörten: "Welcome to Iran!"

Oft schenken ihnen wildfremde Menschen Obst, Nüsse und Datteln - und laden sie zum Essen und Übernachten bei sich zu Hause ein. Einige Male gehen sie mit in eine iranische Familie, und jedes Mal ist es ein unvergessliches Erlebnis. Die Gastfreundschaft ist überwältigend.

Die Reise ist geprägt von den Begegnungen mit den Menschen. Erstaunt stellen die Deutschen fest, dass sich zahlreiche Iraner sehr offen und kritisch über das Mullah-Regime äußern. Allerdings nur im privaten Rahmen. Wer seine Meinung öffentlich äußert oder gar auf der Straße gegen die Regierung demonstriert, spielt nicht nur mit seiner Freiheit, sondern auch mit seinem Leben. Die Menschen sind arm und leiden unter der galoppierenden Inflation, haben die Radler aus Königsberg erfahren. Ein älterer, in der Schah-Zeit als Auslandskorrespondent tätiger Journalist erzählt, dass er mit einem Berufsverbot belegt worden sei.

Einige Fragen aus dem Publikum betrafen auch das Religiöse. Die Wagners kennen einen Deutschen, der - obwohl er katholisch ist - mit einer muslimischen Perserin im Iran eine "Ehe auf Zeit" führt. Diese Möglichkeit gibt es ganz offiziell.

Strengstens verboten ist allerdings, wenn Christen Andersgläubige missionieren wollen. Das wird mit langjährigem Gefängnis oder im Extremfall sogar mit dem Tode bestraft.

Nach eineinhalb Stunden bedankte sich Wilfried Elflein bei den beiden Referenten. Er bekannte, dass sich sein Bild über den Iran durch den Vortrag erheblich verändert habe.

Abschließend lud er zum nächsten Männerabend am 24. September (Dienstag) ein. An dem Abend wird Günter Wetzel von seiner Flucht mit dem Heißluftballon berichten. Sie führte ihn vor 40 Jahren aus der ehemaligen DDR nach Franken. red