Auch in diesem Jahr war es wieder nicht anders: Die Weidener Vereine und ihre vielen Gäste feierten auf dem Festgelände vor der neuen Vereinshalle einen "Kerwesauftakt" nach Maß. "Nachdem es kein ,Wäddshaus‘ mehr gibt, wird halt jetzt hier gefeiert", erklärt eine Einwohnerin.

Andere Festgäste freuten sich ebenfalls über die gefundene Lösung: "Sind wir doch froh, dass dies unsere Vereine alljährlich machen. Sonst wäre zur ,Kerwa‘ im weltlichen Bereich ja nichts los." So hatten sich auf dem Ortsplatz die Mitglieder der Vereine getroffen, um den alten Brauch des Kerwesbaum-Aufstellens in die Tat umzusetzen.

Das hat in Franken eine lange Tradition. Er galt bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch als Rechtssymbol und Garant für einen friedvollen Ablauf des Kirchenfestes. Zur Eröffnung des Festes wurde daher das Friedensgebot, der sogenannte Kirchweihschutz, verlesen. Die Bürgerinnen und Bürger wurden zu Frieden und Einigkeit verpflichtet - unter Androhung schärfster Strafen bei Missachtung. Dies war nötig, um Besucher, die dem Alkohol zu sehr zugesprochen hatten, oder Gruppen aus Nachbarorten zur Friedfertigkeit zu besinnen. Natürlich war der Kerwesbaum auch ein Symbol des Ortes, auf das die Bevölkerung stolz war. Auch der Tanz um "Kerwesbaame" ist heute noch in vielen Orten zum Kirchweihfest Tradition. So werden heute noch Tanzlinden gehegt und gepflegt, um zum Tanz an der Kirchweih auf dem Tanzboden unter der Baumkrone einzuladen. Ganz im Sinne der Weidner dürfte dies jedoch nicht gewesen sein. Mit den Klängen der Modschiedler Musikanten und dem "Frankenliedmarsch" zogen sie mit ihrem geschmückten "Kerwesbaam" Richtung Festgelände. Dort machten sie sich ans Werk. 20 kräftige Männer waren nun nötig um den 18 Meter großen "Kerwesbaam" aufzustellen. Meter um Meter wurde der Baum mit langen Stangenpaaren hochgedrückt. Ohne technische Hilfsmittel ging es in Richtung Himmel.

Nach einer knappen halben Stunde hatten dann die starken Männer der Weidner Feuerwehr - begleitet vom Beifall knapp 100 Schaulustiger und einem kräftigen Tusch der Musiker - ihr Werk bravourös vollendet. Dass die Fichte aus dem heimischen Wald stammt, versteht sich von selbst.

Zweiter Höhepunkt war dann der Kirchweihgottesdienst am frühen Sonntagmorgen, dem sich ein gemeinsames Mittagessen mit vielen Spezialitäten anschloss.

Bei Kaffee und Kuchen und Spielen für die Kids war auch Sonntag einiges geboten. Dietz