Andreas Lösch In Krankenhäusern gelten strenge Hygienevorschriften. Das Risiko, dass Keime (Mikroorganismen wie zum Beispiel Viren, Bakterien, Pilze) sich ausbreiten und zu Infektionen führen, ist hier höher, täglich treffen eine Vielzahl an Personen aufeinander und interagieren miteinander (Patienten, Krankenhausangestellte, Besucher) - es gilt also, Vorsicht walten zu lassen.

Um Infektionsrisiken zu senken, fällt auch Kunststoffen eine entscheidende Rolle zu: Durch ihren Einsatz können die hohen Anforderungen im Hygiene-Bereich einfacher und auch kostengünstiger erfüllt werden. Im Gespräch mit Matthias Fürst, Hygienefachkraft in den Krankenhäusern Haßfurt und Ebern, und Klaus Zernentsch, Leiter des Zentraleinkaufs der Haßberg-Kliniken, wird das deutlich.

Das Plastik-Experiment

Seit mehreren Wochen beschäftigt sich der Fränkische Tag in seiner Plastik-Serie mit dem Thema Kunststoffe, die in unserem Alltag allgegenwärtig sind. Redaktionsvolontärin Dunja Neupert versucht sich etwa seit Anfang März darin, 40 Tage lang auf Plastik, vor allem Einwegplastik, zu verzichten. Darüber berichtet sie regelmäßig (ihren aktuellen Beitrag zu ihrem Experiment lesen Sie unter diesem Artikel). Vor allem beim Einkaufen lauert Plastik überall: Alles ist darin verpackt, manchmal gar zwei- oder dreifach.

Kann Einweg sinnvoll sein?

Während sich Dunja Neupert im Laufe ihres Selbstversuches darüber im Klaren wurde, dass Plastikvermeidung zwar mit Aufwand und Verzicht verbunden, aber (meistens) möglich ist, hat die Redaktion des Fränkischen Tags diskutiert, wo es Bereiche gibt, in denen die Verwendung von Kunststoffen und Einwegverpackungen sowie Einweg-Arbeitsmaterialien sinnvoll ist - was uns schließlich ins Krankenhaus führte.

Hier gilt es, "eine Keimreduzierung zu gewährleisten", sagt Hygienefachkraft Matthias Fürst. Mit steril verpackten Spritzen aus Kunststoff, die nach Gebrauch entsorgt werden, klappt das eben besonders gut. In den 1970er Jahren noch, erklärt der 36-Jährige, hätten Krankenhäuser auch mit Mehrwegspritzen gearbeitet, die nach ihrer Verwendung ausgekocht und neu verpackt wurden. Ein riesiger Aufwand, der Personal und Zeit gebunden hat, bei den heutigen Anforderungen im Klinikalltag kaum mehr vorstellbar.

Allerdings, das "Müllproblem" wird auch in den Haßberg-Kliniken diskutiert, denn um das Thema Müllvermeidung und -reduzierung mache man sich durchaus Gedanken, sagt Chefeinkäufer Klaus Zernentsch. "Wir vom Einkauf wären froh, wenn auch mal weniger Müll produziert wird." Das fange schon bei den Kartonagen oder Umverpackungen an, von denen sich gleich nach dem Auspacken Unmengen ansammeln. Allerdings schwer vorstellbar, dass sich das schnell ändert.

Vorschriften einhalten

Dazu tragen auch Vorschriften bei, die vorgeben, wie etwas verpackt sein muss, etwa um Schäden am Produkt zu vermeiden. Welche Materialien schließlich bei der Herstellung der Produktion verwendet werden, darauf haben die Kliniken keinen Einfluss. Ob es einmal im Bereich der Krankenhäuser Alternativen zum Plastik geben wird? "Derzeit ist das nicht absehbar", sagt Zernentsch. Wünschenswert ist es, vielleicht gebe es irgendwann eine Lösung, die die Anforderungen erfüllt. Dennoch versuchen die Haßberg-Kliniken umweltbewusst zu handeln, sagt Zernentsch. "Wir vermeiden, da wo es geht. Aber in einigen Bereich geht es nicht."

Wo es geht: Im besten Fall zum Beispiel bei planbaren Einsätzen mit etwas Vorlaufzeit, etwa im OP-Bereich, bei der OP-Besteck aus Edelstahl benutzt wird. Die chirurgischen Instrumente werden nach Gebrauch maschinell chemisch-thermisch aufbereitet, dann "eingepackt und sterilisiert", erklärt Matthias Fürst.

Wo es nicht geht: Speziell im Fall der sterilen Einwegspritzen und -katheter, die täglich hundertfach etwa auch in der Notfallmedizin oder der Intensivstation eingesetzt werden. Zernentsch: "Man wägt ab: Lohnt sich eine Aufbereitung?"

Kosten und Nutzen

Kosten und Nutzen einer Aufbereitung bei täglich verwendeten Utensilien, die immer verfügbar sein müssen, würden in keiner guten Relation stehen. Das sei auch Prozessoptimierung, "das geht kaum ohne Kunststoffe und Plastik", sagt Zernentsch. Die Einweg-Sets gewährleisten, dass immer alle benötigten Utensilien griffbereit sind: "Man macht das Paket auf und hat genau das, was man braucht. Ein steriles Set, alles da." Ja, Plastik hat eben auch seine Vorzüge.