von unserem Mitarbeiter Franz Galster

Leutenbach — Wie fühlt es sich an, seit 100 Tagen der oberste Bürger der Gemeinde Leutenbach zu sein? Bürgermeister Florian Kraft (FW) trat mit jungen 33 Jahren in die großen Fußstapfen seines Vorgängers Otto Siebenhaar (FW) und steht einer Kommune mit sechs Ortsteilen und 1721 Bürgern vor.
Florian Kraft hat ein Büro im Rathaus Leutenbach und eines in der Verwaltungsgemeinschaft in Kirchehrenbach, wo er die größere Zahl seiner Stunden verbringt. Schließlich steht ihm dort die komplette Infrastruktur zur Verfügung. Dort treffen wir Kraft auch im angenehmen Arbeitsgespräch mit Georgine Meixner, die ihm organisatorische und Schreibarbeiten abnimmt. "In der VG fand ich sofort breite Unterstützung. Im Gemeinderat sagt nicht jeder Ja und Amen", meint Kraft und findet das durchaus in Ordnung. Es sei auch gar nicht so einfach.

20 Jahre unter dem Durchschnitt

Schließlich liege er 20 Jahre unter dem Durchschnittsalter im Leutenbacher Gemeinderat. Damit hat er aber kein Problem. Der gegenseitige Respekt sei gegeben. Für ihn gilt es, sich in laufende Prozesse hineinzufinden, um dann steuern und lenken zu können. "Man ist anfangs zurückhaltend. Was kann ich, was darf ich, was geht?", beschreibt er den Weg zur Entscheidungssicherheit.
Im Gespräch wirkt er erfrischend offen für das, was auf ihn zukommt. Seine Arbeitswoche als ehrenamtlicher Bürgermeister teilt sich in zwei Hälften: Montag und Dienstag besetzt er ganztätig sein Büro im gemeinsamen Rathaus in Kirchehrenbach, steht für Termin- und Verwaltungsangelegenheiten zur Verfügung. Dienstagabend hat er von 18 bis 19.30 Uhr Zeit für Bürger im Rathaus zu Leutenbach. Von Mittwoch bis Freitag geht er seinem Beruf im Landratsamt Bamberg nach, was Termine daheim nicht ganz ausschließt.
"Mein Arbeitgeber ist großzügig, aber versäumte Zeit muss nachgearbeitet werden", erzählt Kraft von einem ausgefüllten Stundenplan. Monatlich steht eine Gemeinderatssitzung im Rathaus in Leutenbach an. Post bekommt er über das Rathaus in Leutenbach, in Kirchehrenbach und an die Heimatanschrift. "Das muss ich noch besser koordinieren", weiß er.
Kraft freut sich, dass es in seinem Gemeinderat keine Fraktionen gibt und Parteien keine Rolle spielen. Das bestätigt Erich Kohler (CSU), einer von fünf Neuen im Gemeindegremium. "Die Zusammenarbeit mit Bürgermeister Florian Kraft ist sehr gut", sagt er. Es gelte noch, Altes aufzuarbeiten und neue Akzente zu setzen. Kohler findet es nachteilig, dass die "alten Hasen" im Rat noch zu stark ihre Interessen umsetzen können.
Ähnlich beurteilt Reinhard Weber (CSU), seit zwölf Jahren im Rat, die Lage. Er ergänzt, dass noch zu sehr der vorhergehende Bürgermeister und der Geschäftsführer der VG den Takt angeben. Sie erhoffen sich von Florian Kraft einen neuen Arbeitsstil der Zusammenarbeit.

Antworten in kürzester Zeit

Den erkennt offensichtlich Raimund Dörfler (WvE) bereits. Dörfler ist mit 24 Jahren im Gemeinderat der Dienstälteste und erlebt den dritten Bürgermeister. Er findet es positiv, dass Florian Kraft "internetfähig ist und Briefe mitunter auch selbst schreiben kann". So würden Antworten in kürzester Zeit kommen. "Kraft hat Behördenerfahrung, kann zuhören, geht auf die Leute zu und ist nach meiner bisherigen Beobachtung unvoreingenommen", hat Dörfler eine hohe Meinung.
Kaum anders nimmt Markus Breun (WvO) aus Oberehrenbach, neu im Gemeinderat, Florian Kraft wahr. Er beschreibt ihn als jemanden, der offen und sachlich an Themen herangeht. "Es gibt konstruktive Diskussionen und klare Standpunkte", ist seine knappe Beobachtung.
Allein diese unterschiedlichen Aussagen zeigen, dass die Erwartungen an den neuen jungen Bürgermeister groß sind. Ausschließlich die Sache zählt, betont Kraft. Mehr als bisher will er moderne Techniken wie Overhead-Einsatz oder die Kommunikation mit E-Mail stärker einsetzen.
Kraft begreift es als Neueinsteiger als eine Chance, verfahrene Angelegenheiten in Leutenbach unbelastet angehen zu können und weiß dennoch, dass er oft einen langen Atem brauchen wird. Deshalb versucht er in langen Zeiträumen zu planen, sich nicht unter Druck zu setzen. Mittlerweile hat er auch erfahren müssen, dass sich das Bürgermeisteramt in der Freizeit nicht einfach wie ein Kleidungsstück an der Garderobe ablegen lässt. Die Themen begleiten ihn bei allen möglichen Anlässen, beispielsweise bei Vereinsfesten. "Bei jeder Gelegenheit sprechen dich drei oder vier Leute mit Problemen an", ist seine Erfahrung.
Mit der Familie hat er sich intensiv auf die Aufgabe eingestellt. Dennoch ist es für alle eine Herausforderung. Es gab aber bisher keine wirklichen Überraschungen. Nachdem sein kleiner Sohn Linus erst eineinhalb Jahre alt ist, sind im Augenblick große Urlaubsreisen nicht geplant. Insofern bedeutet auch das Bürgermeisteramt keine große Einschränkung. "Was das Bürgermeisteramt wirklich für mich bedeutet, das fragen Sie mich in zwei Jahren", meint er entspannt. Er liebt ganz offensichtlich die neue Herausforderung.