Der gesamte Platz zwischen Hallenbad und Finanzamt war von Polizeibussen umstellt. Nicht nur Einsatzkräfte der Kulmbacher Polizei waren zugegen, sondern auch noch jede Menge Verstärkung aus Nürnberg: Bereitschaftspolizisten in voller Montur sicherten das Areal. Denn in der Mittagszeit sollte dort eine Anti-Corona-Demo stattfinden. Als Organisator fungierte der Kulmbacher Rechtsanwalt Andreas Piel. "Es soll eine stille Demonstration werden. Wir haben Plakate und Spruchbänder dabei. Wir gehen für unsere Verfassung und die Menschenwürde auf die Straße", erläuterte der Anwalt.

"Schweden als Vorbild"

Piel betonte, dass man die Existenz der Pandemie natürlich nicht infrage stelle. Vielmehr gehe es um die Maßnahmen, um den Lockdown, um Beschränkungen. "Unser Thema sind die Verfassungsbrüche, die Merkel und Söder begehen. Wir sind politisch neutral, aber wir möchten wieder miteinander reden, miteinander diskutieren", sagte Piel. Für ihn persönlich sei der Weg, den Schweden beschritten habe, gangbar: Die Menschen sollten Eigenverantwortung übernehmen.

Die Demonstranten prangerten an, dass Masken getragen werden müssten. Viele hatten ein Attest dabei - und wurden aus diesem Grund mit ihren Plakaten vom Veranstaltungsgelände verwiesen. Einige hatten die Masken beschriftet: "Freiheit ist nicht verhandelbar!", "Schluss mit dem Lockdown" stand auf den FFP2-Masken. Und eine andere Demonstrantin hatte den Aufdruck: "Das ist kein Virenschutz, das ist ein Bußgeldschutz!" auf die Maske geklebt.

Viele Mythen neu bemüht

Viele Geschichten wurden erzählt - von Frauen, die unter dem Lockdown leiden, von Kindern und Jugendlichen, die am Rande des Nervenzusammenbruchs stehen und die Selbstmordgedanken hegen. Öffentlich wurde die "Vernichtung der Wirtschaft und der Einkommen" als Folge der Schutzmaßnahmen kritisiert. Die Menschheit werde gespalten, die Familien ebenfalls.

Und natürlich kamen auch einige altbekannte Mythen auf: Die Menschen, die die Corona-Regeln befolgten, stünden unter Hypnose. Ein anderer Demonstrant ohne Maske behauptete, dass Mikrowellen den freien Willen beeinflussten. Und wieder andere Demonstranten mutmaßten, dass Bill Gates hinter allem stecke. "Dem Bill Gates gehört doch Pharma", erklärte eine Demonstrantin überzeugt. Sie war der Ansicht, dass dem amerikanischen Unternehmer alle Pharmaunternehmen gehörten - und dass er mit der Entwicklung der Impfstoffe einfach nur ein weiteres Milliardengeschäft wittere. "Spahn und keiner sagt, dass man mal einen Apfel essen soll. Ich esse nur Bio - und ich brauche keine Impfung", erläuterte eine andere Demonstrantin überzeugt. Sie ist der Meinung, Corona sei nur eine andere Art der Grippe.

Insgesamt fanden sich zur Anti-Corona-Demo rund 70 Demonstranten ein. Diese Zahl schätzte die Polizei. Die Veranstalter der Demo gingen von mehr als hundert Demonstranten aus. Kulmbacher Geschäftsleute, die vom Lockdown betroffen waren, mischten sich nicht unter die Menschen auf der Straße. Stattdessen schauten Oliver Hempfling und andere Vertreter des Landratsamtes Kulmbach und auch einige Politiker vorbei, blieben allerdings hinter der Polizeiabsperrung.

"Das Versammlungsrecht ist ein hohes Gut. Das gilt auch in der Pandemie. Man darf seine Meinung sagen", sagte Hempfling. Mehr wollte er zu den Aufschriften auf den Plakaten nicht sagen.

Bei der Demo waren auch Angelika und Beka Gigauri mit von der Partie. Das Künstlerehepaar hatte auch auf dem Marktplatz schon eine Corona-Ausstellung präsentiert. "Ich würde hier auch stehen, auch wenn sonst niemand da wäre", sagte Beka Gigauri. Dass er keine Maske trage, liege daran, dass er eine Befreiung habe.

Polizei kontrolliert Atteste

Viele Demonstranten führten ein Attest mit. Und das wurde auch von der Polizei überprüft. Dennoch mussten all diejenigen, die keine FFP2-Maske tragen konnten, das ausgewiesene Demonstrationsgelände verlassen. Diese Demonstranten blieben einfach auf der Wiese vor dem Hallenbad stehen. Als schweigende Zuschauer.

Zu Provokationen oder großen Diskussionen kam es indes nicht. Das riesige Polizeiaufgebot wäre daher nicht nötig gewesen. Nach knapp einer Stunde war die "stille Demo" vorüber.